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Video parodiert CDU-Wahlparty: Kauder grölt Punk-Song

"Deutschland muss sterben" singt Volker Kauder. Angela Merkel klatscht grinsend. Ein Blog parodiert die CDU-Siegesfeier - auf der tatsächlich ein Punk-Song gesungen wurde. Dessen Urheber sind sauer.

Von Timo Brücken

Volker Kauder geht richtig ab. Die E-Gitarren schrammeln, das Schlagzeug donnert und der Unionsfraktionschef grölt mit gereckter Faust: "Deutschland muss sterben, damit wir leben können!" Doch er ist nicht allein auf der Bühne: Hermann Gröhe wirft seinen Kopf so wild hin und her, dass man es fast Headbangen nennen könnte. Ursula von der Leyen hüpft im Takt auf und ab. Die Kanzlerin klatscht in die Hände und kann gar nicht mehr aufhören, zu grinsen. Und nochmal Kauder: "Deutschland muss sterben!"

Wie bitte?! Die CDU feiert ihren Wahlsieg mit Dosenbier-Punkrock, ausgerechnet mit dem antideutschen Klassiker von Slime? Was ist denn jetzt kaputt? Doch alle Konservativen, denen jetzt vielleicht das Herz blutet, können beruhigt sein. Das Video mit den alten Punkern von der CDU ist nur eine Parodie - zumindest was den Text angeht. Der Tumblr-Blob "Kanzlerkaraoke" hat Kauder die linksradikalen Zeilen in den Mund gelegt. Die Tanzeinlagen hingegen, die sind echt.

Die Toten Hosen sind not amused

In Wahrheit feierten die Unionsgranden am Wahlabend jedoch zu einem ganz anderen Song: "Tage wie diese" von den Toten Hosen. Die firmieren zwar landläufig auch unter Punkrock, aber eher von der Sorte, die so konsensfähig ist, dass sie eben sogar auf CDU-Partys gespielt wird. Wo Slime singen "Der Bundesadler stürzt bald ab. Denn Deutschland, wir tragen dich zu Grab" reimen die Jungs um Campino mittlerweile lieber "Wo alle drauf sind, um durchzudrehn" auf "Um mit uns zu starten, und abzugehn".

Eine dazu tanzende Kanzlerin ist dann aber wohl doch ein bisschen zu viel Mainstream. Die Toten Hosen sind not amused. Sie hätten ja nichts dagegen, dass ihr Lied "vom Punkschuppen bis zum Oktoberfest den unterschiedlichsten Menschen Freude bereitet", schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite. Aber es auf politischen Veranstaltungen zu spielen, das sei "unanständig und unkorrekt". Politik hin oder her, auch ein ästhetisches Urteil mag die Band sich nicht verkneifen: "Wie ein Autounfall: Nicht schön, aber man schaut trotzdem hin."

Bereits Ende August hatten die Toten Hosen ihren Unmut kundgetan, dass "Tage wie diese"auf Wahlkampfveranstaltungen so ziemlich aller Parteien gespielt wird. Rechtlich kann die Band nichts unternehmen, sie setzten auf Verständnis der Parteioberen; denn "hier werde die Musik der Band klar missbraucht und von Leuten vereinnahmt, die uns in keiner Weise nahe stehen". Doch diese Stimmen der Toten Hosen wurden bei der Union ganz offensichtlich ignoriert.