Wahlkampftour Von "Denkzetteln" und "Dilettanten"


Im Endspurt zur Landtagswahl spitzt Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber seinen Wahlkampf auf ein Thema zu: Der gescheiterte Kanzlerkandidat sucht die Abrechnung mit seinem Gegner von damals - und hat gute Aussichten auf ein fulminantes Ergebnis.

"Machen Sie die Landtagswahl zu einem Denkzettel für Schröder", ruft Edmund Stoiber in das rauchgeschwängerte Bierzelt. Er ist nass geschwitzt, das Hemd klebt am Leib, die Trachtenjacke ist längst abgelegt. Der Saal johlt. Da legt Stoiber nach: "Zeigen Sie Schröder die rote Karte, für dieses Durcheinander, dieses Gewurschtel, diesen Zirkus in Berlin."

Im Endspurt zur Landtagswahl am 21. September spitzt Bayerns Ministerpräsident seinen Wahlkampf auf ein einziges Thema zu: Der vor einem Jahr bei der Bundestagswahl nur knapp gescheiterte Kanzlerkandidat der Union sucht die Abrechnung mit seinem Gegner von damals. Die Bayernwahl soll, so künden die jüngsten CSU-Wahlplakate, ein "Signal an Berlin" werden - als könnten die Bürger im Freistaat im Nachhinein noch einmal entscheiden, wer der bessere Kanzler ist.

Gute Aussichten auf ein fulminantes Ergebnis

Stoiber hat gute Aussichten, ein fulminantes Ergebnis einzufahren. Seit Wochen sagen die Umfragen seiner CSU Spitzenwerte um die 60 Prozent voraus - nahe der Zweidrittelmehrheit im Landtag. Für den Parteichef alles andere als ein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Wie ein Getriebener ist der 61-Jährige seit Ende Juli in seinem Wahlkampfbus auf Tour. Es ist das gleiche rollende Büro, in dem er vor einem Jahr als Kanzlerkandidat die Republik querte.

"Edmund Stoiber unterwegs für Bayern" steht diesmal weißblau auf dem Gefährt. Mindestens zweihundert Termine will er bis zum Wahlabend absolviert haben - Infostände, Talkrunden, Betriebsbesuche, Kundgebungen. "Sie kennen mich ja aus dem Fernsehen", sagt er. "Aber ich will, dass Sie mich auch persönlich kennen lernen können."

Die bayerische SPD, die Opposition insgesamt, kommt in Stoibers Reden nicht vor. "Ich lasse mich nicht von einem Verein kritisieren, der in der zweiten Liga spielt", sagt er in seinem unvermeidlichen Fußballerdeutsch. "Das ist, als würde die Mannschaft von Cottbus dem FC Bayern Ratschläge geben." Beim Kanzler dagegen geht er in die Vollen: "Wir sind noch nie von solchen Dilettanten regiert worden."

Selbstbild vom erfolgreichen Bayern-Manager

Demonstrativ setzt der CSU-Chef dem ein Selbstbild vom erfolgreichen Bayern-Manager entgegen. "Unser Land ist das Beste in Deutschland, und ich will dafür kämpfen, dass das so bleibt", ruft er beim Aubinger Volksfest im Westen von München. Mehr als 1500 Menschen drängen sich an diesem Sonntagmorgen im Festzelt. Stoiber redet, als könne er jeden einzelnen persönlich überzeugen: Bayern sei neben Baden-Württemberg das Land mit den wenigsten Arbeitslosen und der höchsten Wirtschaftskraft, es habe die niedrigsten Schulden, die besten Schulen, die meisten Museen.

Den größten Beifall gibt es, wenn der Regierungschef vor unkontrollierter Zuwanderung warnt oder einen Missbrauch sozialer Sicherungssysteme anprangert. "Sozialhilfe im Tessin" und der "Tauchkurs auf Capri" für den schwer erziehbaren Jugendlichen - das bringt das Blut in Wallung. Erst diese Woche hat Stoibers Kabinett dazu noch einen Gesetzentwurf vorgelegt.

Dazwischen gibt es freilich auch vergnüglichere Termine. In der roten Arbeiterstadt Fürth absolviert der Fußballfan einen Besuch beim Traditionsverein Greuther Fürth, der heuer sein hundertjähriges Bestehen feiert. "Ich wollte als Junge immer Oberligaspieler werden, aber ich war leider zu langsam", gesteht Stoiber - bringt aber dennoch zwei Elfmeter gegen die Vereinsjugend gekonnt ins Tor.

Wahlziel: "50 Prozent plus x"

Dafür müssen die Anhänger in der Frankenmetropole Nürnberg fast eine Stunde in drangvoller Enge auf den Gast aus München warten. Trotzdem wird er mit Jubel empfangen. Weil hier am Tilly-Park eine "Talkrunde" angesagt ist, kommen auch Themen aufs Tapet, die Stoiber von sich aus nicht unbedingt anspricht. Bundespräsident wolle er nicht werden, weil er sein Amt in Bayern als "Lebensaufgabe" sehe, versichert der Befragte. Und die Debatte um eine Zweidrittelmehrheit für die CSU? "Die Opposition malt ein Gespenst an die Wand", sagt er. "Mein Wahlziel ist 50 Prozent plus x."

Nada Weigelt DPA

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