HOME

Wer wird nach Köhler Bundespräsident?: Die möglichen Nachmieter für Schloss Bellevue

Und es darf wieder munter spekuliert werden: Wer folgt Horst Köhler im Amt des Bundespräsidenten? stern.de beschreibt die Kandidaten - von Käßmann über Töpfer bis Schäuble und von der Leyen.

Von Florian Güßgen

Wolfgang Schäuble, CDU Schloss Bellevue war sein Lebenstraum - aber Merkel und Westerwelle ließen ihn 2004 nicht antreten. Das hat ihn sehr verletzt. Schicken sie den Bundesfinanzminister jetzt ins Rennen? Vermutlich nicht, denn er ist der wichtigste Krisenmanager.

Ursula von der Leyen, CDU

Endlich mal eine Frau im Präsidentenamt!? Wäre Zeit dafür. Ist aber 51 Jahren noch ein bisschen jung für Bellevue. Lieblingskandidatin der NRW-CDU, die dann Jürgen Rüttgers ins Bundesarbeitsministerium wegbefördern könnte.

Annette Schavan, CDU

Nah an der Kanzlerin, nah an der katholischen Kirche, nah an den Konservativen. Würde sie auch den Weg in die Herzen der Bundesbürger finden? Zweifelhaft. Arbeitet nicht gerne an der Basis.

Norbert Lammert, CDU

Bundestagspräsident, 62 Jahre alt. Kann bedeutungsschwer reden, ist ein guter Zeremonienmeister, hat auch Fans in der Opposition. Tut sich mit der Pressefreiheit schwer. Ließ Gegen Strafverfolgung gegen zahlreiche Journalisten wg. Geheimnisverrat zu.

Jürgen Rüttgers, CDU Es heißt, es sei immer sein Ziel, Bundespräsident zu werden. Würde damit den Weg für eine Große Koalition in NRW frei machen. Aber ein Wahlverlierer im höchsten Amt? Hmm. Hätte schon ein herbes Geschmäckle.

Frank-Walter Steinmeier, SPD

Würde das Amt zweifellos locker stemmen. War Außenminister, ist geübt im Umgang mit internationalen Gäste. Kann auch gut mit Kanzlerin Merkel. Unwahrscheinlich, dass CDU und FDP ihn akzeptieren würden.

Margot Käßmann, evangelisch

Wenn es eine Frau sein soll: Margot Käßmann wäre eine bemerkenswerte Wahl. Viele träumen von einem Comeback der Theologin, die ihren Posten als EKD-Vorsitzende räumte, nachdem sie beschwipst am Steuer saß. Eine Wunschkandidatin der SPD.

Christian Wulff, CDU

Hat in Niedersachsen seine Nachfolge geregelt, ist nach dem Abgang von Roland Koch ein Kronprinz der CDU. Wäre aber vermutlich lieber Kanzler als Bundespräsident. Mit 50 Jahren eigentlich zu jung für Bellevue. Denn: Was soll danach noch kommen?

Klaus Kinkel, FDP Gibt es noch vorzeigbare Liberale für die höchsten Ämter? Aber ja: Klaus Kinkel, Ex-BND-Chef, Ex-Parteichef, Ex-Außenminister, kennt alle Nuancen des politischen Geschäfts. Ist mit 73 Jahren im besten Alter. Problem: Seine hakelige Beziehung zu Westerwelle.

Edmund Stoiber, CSU

Als Kanzlerkandidat gescheitert, als bayerischer Ministerpräsident aus dem Amt geputscht, jetzt Entbürokratisierungsbeauftragter in der EU - und chronisch unterbeschäftigt. Hält sich, trotz seiner 67 Jahre, für klüger und leistungsfähiger als den Rest der Republik. Die weiß-blaue Variante für Ultrafans.

Klaus Töpfer, CDU

Heißer Kandidat: War unter Kohl Bundesumweltminister, später Umwelt-Direktor der Vereinten Nationen, steht fernab des Parteiengetümmels. Passt in Merkels grünen Modernisierungskurs - und ist mit 71 Jahren alt genug, um nur eine Amtszeit als Präsident zu wollen.

Richard Schröder, SPD

Ostdeutscher Theologe und Vordenker der SPD. War schon 1998 im Gespräch für das Amt des Bundespräsidenten. Wäre ein Kandidat, der den Sozialdemokraten gefallen würde - aber keiner der schwarz-gelben Koalition.

Peer Steinbrück, SPD 63 Jahre, Ex-Bundesfinanzminister, rechter Flügel der SPD - und ein Buddy Angela Merkels. Hat mit ihr den Ausbruch der Finanzkrise 2008 tadellos gemanagt. Wäre einer, der Halt vermittelt. Tendiert allerdings zu rabiaten Aussprüchen ("I love Cash").

Gesine Schwan, SPD

Trat für die SPD 2009 gegen Köhler an und verlor - hatte auch keine guten Beliebtheitswerte im Volk. Professorin, ehemalige Präsidentin der Viadrina-Universität in Frankfurt an der Oder, ein echter Charakterkopf. Aber mit Sicherheit nicht Merkels Wahl.