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Verstorbener SPD-Politiker Wolfgang Kubicki: Warum Thomas Oppermann fehlen wird – eine persönliche Erinnerung

Sehen Sie im Video: Reaktionen auf Thomas Oppermanns Tod – Das sagen seine Wegbegleiter.
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Der überraschende Tod des SPD-Politikers Thomas Oppermann sorgt parteiübergreifend für tiefe Bestürzung. Im stern teilt ein enger Weggefährte, der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), persönliche Erinnerungen an seinen Kollegen.

Nicht nur seine Partei ist schockiert. Der überraschende Tod des Bundestagsvizepräsidenten und SPD-Politikers Thomas Oppermann hat über die Parteigrenzen hinweg tiefe Bestürzung ausgelöst. Es fallen Worte der Bewunderung, des Respekts und der tiefen Trauer. Warum wurde Oppermann so geschätzt, was hat ihn ausgemacht und ausgezeichnet? Der stern hat einen engen Weggefährten gebeten, eine persönliche Erinnerung zu teilen, die das Wirken seines Kollegen veranschaulicht: den Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Kubicki (FDP). Das ist seine Antwort.

Wolfgang Kubicki (FDP), stellvertretender Bundestagspräsident
Wolfgang Kubicki (FDP), stellvertretender Bundestagspräsident
© Bernd von Jutrczenka / DPA

Wolfgang Kubicki: "Noch am Freitag habe ich mit Thomas telefoniert"

"Ich war mir mit Thomas Oppermann immer einig, dass wir uns als Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages nicht von der AfD provozieren lassen. Wir wussten, dies ginge oftmals leichter mit Witz als mit Empörung.

Noch am Freitag habe ich mit Thomas telefoniert. Wir verabredeten uns, uns in dieser Sitzungswoche über die Rückkehr zu geordneten parlamentarischen Verhältnissen in der Coronakrise intensiver auszutauschen. Thomas war wie ich der Auffassung, dass die Stunde der Exekutive ein Ende finden müsse. Er wirkte aufgeräumt, heiter wie immer. Ja, fast kämpferisch. Er sagte mir noch, dass er am Sonntag in der Sendung vom ZDF auch zu meinen öffentlichen Äußerungen zur Rückkehr der Parlamente befragt werde. Noch kurz vor seinem Zusammenbruch am Sonntag, so erzählten es mir seine Mitarbeiter im Bundestagsbüro, sei er wie immer gewesen.

Als ich heute früh die Nachricht von seinem plötzlichen Tod gehört habe, war ich erschüttert und tief getroffen. Thomas' Humor wird mir fehlen und seine sachliche Gelassenheit, die auch im heftigen Sturm nicht wankte. Das Präsidium des Deutschen Bundestages verliert einen großen Menschen mit einem großen Herzen.

Meine Gedanken sind bei seiner Familie. Ich wünsche seinen Angehörigen viel Kraft."

Würdigungen der Bundeskanzlerin und des Bundespräsidenten

Der 66-jährige SPD-Politiker Oppermann war am Sonntagabend nur Minuten vor einem geplanten Interview mit dem ZDF zusammengebrochen, wie der Fernsehsender am Montag erklärte. Zur Todesursache gab es zunächst keine Informationen. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Oppermann als "verlässlichen und fairen sozialdemokratischen Partner", der sich als Vizepräsident des Bundestags "in turbulenter Zeit um unser Parlament verdient gemacht" habe.

"Wir haben einen großartigen Menschen und einen überzeugten Demokraten, einen Parlamentarier aus Leidenschaft verloren", teilte der "zutiefst erschütterte" Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit.

Der in Niedersachsen politisch groß gewordene SPD-Politiker hatte Ende August angekündigt, bei der Bundestagswahl 2021 nicht erneut anzutreten. "Nach 30 Jahren als Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag und im Deutschen Bundestag ist für mich jetzt der richtige Zeitpunkt, noch einmal etwas anderes zu machen und mir neue Projekte vorzunehmen", erklärte er damals. 

Gerade nach dieser Ankündigung sei Oppermann "voller Vorfreude auf kommende Projekte" gewesen, berichtete Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. "Ich behalte ihn vor allem als Vollblut-Parlamentarier in Erinnerung." Als Abgeordneter im Bundestag habe sich Oppermann auf leidenschaftlich geführten Schlagabtausch verstanden, als Vizepräsident sei er auf die Wahrung der Würde des Hauses bedacht gewesen. "Er wird uns gerade in dieser - nicht zuletzt durch die Pandemie - ungemein herausfordernden Legislaturperiode sehr fehlen." 

Oppermann war 2005 in den Bundestag eingezogen. Von 2013 bis 2017 war der Jurist Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Seinen Wahlkreis Göttingen gewann er viermal hintereinander direkt. Zuletzt setzte er sich besonders für eine Verkleinerung des Bundestags ein.

Mit Material der Nachrichtenagentur DPA

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