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Zehnter Gründungstag von Attac: Globalisierungskritiker sehen sich in ihrer Arbeit bestätigt

Alles erinnert an einen Werbespot für ein Bankinstitut, doch irgendetwas stimmt hier nicht. Die Finanzberater grinsen etwas zu freundlich, die Kunden schauen etwas zu misstrauisch.

Alles erinnert an einen Werbespot für ein Bankinstitut, doch irgendetwas stimmt hier nicht. Die Finanzberater grinsen etwas zu freundlich, die Kunden schauen etwas zu misstrauisch. In dem Werbefilm für das globalisierungskritische Netzwerk Attac resümiert eine Stimme aus dem Off: "Wir haben Sie belogen, betrogen und Ihre letzten Kröten mit falschen Versprechungen aus der Tasche gezogen." Kritik an den internationalen Finanzmärkten war schon vor der Krise eine zentrale Botschaft von Attac. Zum zehnten Gründungstag sieht sich die Bewegung deshalb in ihren Forderungen mehr denn je bestätigt.

Bei der Gründung am 22. Januar 2000 in Frankfurt am Main, als sich eine handvoll Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und etwa 80 Einzelpersonen zusammenfanden, sei man für den Slogan "Entwaffnet die Finanzmärkte" noch belächelt worden, erzählt Detlev von Larcher vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. "Inzwischen haben bis auf die FDP alle Parteien im Bundestag unsere Gründungsforderung nach einer Finanztransaktionssteuer übernommen.

Seit diesem Gründungstag vor zehn Jahren hat sich einiges getan unter dem orangenfarbenen Prozentzeichen mit zwei Weltkugeln statt Nullen, dem offiziellen Wappen der Bewegung. 22.430 Mitglieder organisieren sich nach eigenen Angaben in Deutschland in 200 Ortsgruppen. Jeder zahle einen Monatsbeitrag von mindestens fünf Euro oder eben nichts, wenn man dazu nicht in der Lage sei, erklärt Attac-Sprecherin Frauke Distelrath.

Weltweit gebe es die Bewegung derzeit in 40 Ländern mit etwa 90.000 Mitgliedern. Selten seien aber hauptamtliche Büros wie das der deutschen Gruppe, das zehn Vollzeitstellen unterhalte, sagt Distelrath. Für das Jahr 2009 habe Attac in Deutschland einen Finanzetat von 1,3 Millionen Euro zu Verfügung gehabt, zusammengesetzt aus den Beiträgen, Spenden und anderen Fördergeldern.

Mit diesem Geld wollen die Aktivisten nach eigenem Bekunden vor allem die Bevölkerung über die negativen Folgen einer - wie sie es nennen - neoliberalen Globalisierung aufklären. "Eine Partei zu gründen, das ist für uns kein Thema", sagt Distelrath. "Wir sind eine außerparlamentarische Bewegung und dadurch viel unabhängiger als die Parteien." Dennoch bekenne sich Attac grundsätzlich zu den Prinzipien einer parlamentarischen Demokratie.

Erstmals wurde die Bewegung im Jahr 2001 mit den massiven Protesten gegen den G-8-Gipfel in Genua international einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Es folgten Demonstrationen gegen den Irakkrieg und Afghanistaneinsatz, fortwährende Kritik an Privatisierungen von Staatsbetrieben und der Kürzung von Sozialleistungen. Doch das zentrale Thema von Attac ist und bleibt die internationalen Geldpolitik.

Eine der spektakulärsten Aktionen in diesem Zusammenhang war die Erstürmung der Frankfurter Börse am 27. Oktober 2008, als Aktivisten über der Anzeigetafel für die DAX-Kurse ein Transparent mit der Aufschrift entrollten: "Finanzmärkte entwaffnen! Mensch und Umwelt vor Shareholder Value." Als Konsequenzen aus der Krise fordert das Bündnis etwa eine Sonderabgabe für Vermögende und eben eine Steuer für Finanztransaktionen.

Diese Ziele will Attac laut Sprecherin Distelrath mit friedlichem Protest erreichen. Gewaltfreiheit sei allgemeiner Konsens in der Bewegung. Man befürworte allerdings Aktionen des gezielten Ungehorsams, Sitzblockaden etwa, gezielte und kontrollierte Regelüberschreitungen.

APN / APN