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Zwickauer Terrorzelle: Ermittler identifizieren zweite Tatwaffe aus Polizistenmord

Der braune Sumpf wird tiefer: Einem Medienbericht zufolge sollen V-Leute noch stärker in die Machenschaften des Zwickauer Terrortrios verstrickt gewesen sein. Die Ermittler haben unterdessen die zweite Tatwaffe aus dem Heilbronner Polizistenmord identifiziert.

In der abgebrannten Wohnung des Neonazi-Trios in Zwickau ist auch die zweite Tatwaffe des Polizistenmordes von Heilbronn gefunden worden. Die Waffe sei identifiziert worden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Samstag in Karlsruhe. Die Polizistin Michèle Kiesewetter war am 25. April 2007 in Heilbronn auf einer Festwiese mit einem Kopfschuss getötet worden. Ihr damals 24 Jahre alter Streifen-Kollege wurde schwer verletzt und lag mehrere Wochen im Koma.

Unterdessen verdichten sich die Hinweise auf eine Verstrickung des Verfassungsschutzes in den rechten Terrorsumpf. Nach Informationen des "Spiegel" agierten Ende der neunziger Jahre mindestens drei Thüringer V-Leute im Umfeld der Zwickauer Neonazi-Zelle. Zu den Informanten habe der Kopf der rechtsextremen Gruppe "Thüringer Heimatschutz" sowie der Chef der Thüringer Sektion der Organisation "Blood & Honour" gezählt.

Trotz dieser intensiven Durchdringung des Verfassungsschutzes war es den Geheimdiensten damals nicht gelungen, das untergetauchte Neonazi-Trio des "Nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU) aufzuspüren. Warum, darüber gibt es unterschiedliche Darstellungen: Laut MDR wurde die geplante Festnahme des Trios Ende der 90er Jahre in letzter Minute gestoppt. Fahnder hätten die drei Verdächtigen zwischen 1998 und 1999 in Chemnitz in Sachsen aufgespürt. Dagegen erklärte das Landeskriminalamt, die Zielfahnder hätten im Zeitraum 1999 bis 2000 das abgetauchte Trio gar nicht im Visier gehabt. Deshalb sei auch kein Einsatz für eine Festnahme in Chemnitz geplant gewesen. Der Thüringer Verfassungsschutz geht nach "Spiegel"-Informationen mittlerweile von etwa 20 Unterstützern aus, die dem Trio im Untergrund geholfen hätten. Am Freitag hatte die Bundesanwaltschaft ihre Ermittlungen auf zwei weitere Beschuldigte ausgeweitet. Insgesamt werden damit sechs Menschen als Verdächtige geführt - mindestens.

Ein Überblick

- Uwe Böhnhardt und Mundlos, die sich selbst erschossen. Laut "FAZ", weil sie keinen Ausweg mehr sahen, nachdem ihnen die Fahnder auf die Spur gekommen war und ihr Wohnmobil umstellt hatten.

- Ihre Komplizin Beate Zschäpe, die im Frauentrakt des Gefängnisses Köln-Ossendorf einsitzt. Immer wieder wurde in den vergangenen Tagen über eine Aussage spekuliert. Nun heißt es, sie wolle bis auf Weiteres nicht aussagen. Zschäpe könnte Licht ins Dunkel eines Falles bringen, #link;ben/DPA;bei dem viele Fragen offen sind#.

- Ihr mutmaßlicher Helfer Holger G. Der wurde bei Hannover festgenommen und sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

- Zwei weitere Unterstützer aus Thüringen, die namentlich noch nicht bekannt sind.

- Diverse Verdächtige gibt es zudem in Sachsen, wo es ganz offenkundig ein Netzwerk gab, dass das Terrortrio unterstützt hat. Dazu gehörte das Ehepaar E. aus Zwickau. Die Beiden stehen nach stern.de-Informationen unter Verdacht, dem Terrortrio bei der Herstellung der makaberen Paulchen-Panther-DVD geholfen zu haben. Auch der Zwillingsbruder von Andre E. soll zu dem Netzwerk gehören, genauso wie die Friseurin Mandy S. Beate Zschäpe nutzte zeitweise Papiere auf ihren Namen. Die Fäden laufen in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge zusammen. Von dort kommt auch der Vermieter des Terrortrios Matthias D., dessen Anwalt stern.de allerdings sagte, sein Mandant habe aus reiner Naivität gehandelt. Der Name Matthias D. kursiert schon seit Tagen, er ist aber auf freiem Fuß.

ben/DPA / DPA