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Bundeslandwirtschaftsministerin Twitter-Fauxpas von Julia Klöckner: So verhilft sie einer "jungen SPDlerin" ungewollt zu mehr "Aufmerksamkeit"

SPD-Politikerin Lilly Blaudszun und ihre CDU-Kollegin Julia Klöckner
SPD-Politikerin Lilly Blaudszun und ihre CDU-Kollegin Julia Klöckner
© Jens Büttner / Michael Sohn / Picture Alliance
Die junge SPD-Politikerin Lilly Blaudszun stolperte auf Twitter über eine ungewöhnliche Antwort auf einen ihrer Tweets – sie kam vom offiziellen Account der Bundeslandwirtschaftsministerin.

Das Internet war noch 2013 angeblich "Neuland" für viele Deutsche, und für so machen Politiker ist es das offenbar auch im Jahr 2021. Das bewies nun ein interessanter Tweet, der vom offiziellen Account der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) abgesetzt wurde. Er war eine Reaktion auf einen kritischen Post der jungen SPD-Politikerin Lilly Blaudszun.

Die 19-Jährige hatte einen Artikel des "Spiegel" geteilt, in dem beschrieben wurde, wie Klöckner zusammen mit anderen Agrarministern der EU die Hinwendung zu mehr Umweltschutz blockieren würde. "Julia Klöckner ist als Landwirtschaftsministerin ein wirklicher Totalausfall", kommentierte Blaudszun das verärgert auf Twitter. "Anstatt Landwirtschaft zukunftsfit und nachhaltiger zu machen und den Menschen eine sichere Perspektive zu bieten, blockiert sie weiter." Deftige Worte – aber ob sie die Adressatin erreichen? Wie sich schnell zeigt: Ja.

Ein kryptischer Tweet taucht auf

Nur sieben Minuten nachdem Blaudszun ihren kritischen Tweet abgesetzt hat, findet sich darunter eine Antwort, öffentlich einsehbar. Sie stammt vom offiziellen Account von Julia Klöckner – doch sie liest sich kryptisch bis überheblich. "Wir haben es gesehen, aber ob wir dieser jungen SPDlerin zur Aufmerksamkeit verhelfen sollen – Ball ausrollen lassen..."

Wer sich in den sozialen Medien etwas auskennt, dürfte sofort vermuten: Diese Nachricht war nicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt. Das wahrscheinlichste Szenario dürfte sein, dass jemand das Social-Media-Team der Ministerin auf Blaudszuns Tweet aufmerksam gemacht hatte, vermutlich per Twitter-Privatnachricht. Darauf antwortete dann jemand mit Zugang zu Klöckners Twitteraccount, vermutlich ein Mitarbeiter – allerdings offenbar versehentlich direkt unter dem Originaltweet und nicht als Privatnachricht.

Öffentliche Antwort statt privater Nachricht

Das ist für Julia Klöckner in mehrfacher Hinsicht eine unangenehme Situation: Jetzt ist nicht nur allgemein bekannt, wie schnippisch über Kollegen aus anderen Parteien gedacht und gesprochen wird, sondern auch offensichtlich, dass sie sich nicht selbst um ihren Twitter-Account kümmert. Ja, das dürfte man sicher auch zuvor schon vermutet haben, da nur wenige Politiker persönlich twittern – jetzt aber ist es Fakt. Dabei kann ein große Vorteil der sozialen Medien der persönliche Austausch sein.

Nachvollziehbar ist es natürlich dennoch, dass die CDU-Politikerin die Betreuung der sozialen Netzwerke in professionelle Hände gibt – denn wenn man sich in diesen nicht wirklich zuhause fühlt, kann es durchaus auch mal zu peinlichen Fehltritten und Kontroversen kommen. Davor sollte ein kompetentes Social-Media-Team einen eigentlich bewahren...
Noch eine Sache dürfte Klöckner und ihrem Team an der Geschichte nicht gefallen: Die Aufmerksamkeit, die man Lilly Blaudszun und ihrer Kritik an Klöckners Arbeit eigentlich vorenthalten wollte, hat sie durch den unangenehmen Fauxpas nun mindestens doppelt erhalten.

wt

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