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Simone Menne "Ich wurde häufig für die Stewardess gehalten"

Sehen Sie im Video: Simone Menne zur Frauenquote – "Wurde häufig für die Stewardess gehalten"
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Simone Menne war die erste Finanzvorständin in einem DAX-Konzern – bei der Lufthansa. Heute bestimmt sie als Multi-Aufsichtsrätin über die Besetzung solcher Ämter mit. Und muss immer noch für Frauen kämpfen.
Protokoll: Karin Stawski

Die Liste von Simone Mennes Top-Positionen ist lang: Sie ist zum Beispiel Aufsichtsrätin bei BMW, Deutsche Post DHL, Henkel, Johnson Controls und Ex-Finanzvorständin der Lufthansa. Außerdem ist sie die Gastgeberin des stern-Podcasts "Die Boss" - und eine der Frauen, die im aktuellen stern erzählen, warum es die geplante Frauenquote für Unternehmen braucht. Warum sie selbst bis vor kurzem noch dagegen war, erzählt sie hier.

"Ich war bei meinen Jobs fast immer eine Exotin, natürlich auch als erste Frau auf dem Posten eines Finanzvorstands bei einem DAX-Konzern. Während dieser Jahre bei der Lufthansa wurde ich doch sehr häufig für eine Stewardess gehalten. Heute bin ich bin eine der wenigen echten Quotenfrauen in der Wirtschaft. Zwar hat man mir das nie so deutlich gesagt, aber ich würde wohl nicht in so vielen Aufsichtsräten sitzen, wenn es die verbindliche Quote dort nicht gäbe.  

Eine Quote für Unternehmensvorstände habe ich selbst bis vor kurzem abgelehnt. Ich dachte, ein Vorstandsteam ist so klein - vier, fünf Leute oft nur - die müssen perfekt harmonieren, da wäre eine Quote ein zu heftiger Eingriff. Und ich habe auch die Gefahr gesehen, dass Unternehmen neue, völlig unwichtige Vorstandsposten schaffen – und diese dann mit der Quotenfrau besetzen. Aber ich habe meine Meinung geändert, und zwar erst vor wenigen Wochen, als diese erschreckenden und frustrierenden Zahlen kamen, dass Deutschland sogar Rückschritte macht in Sachen Parität in Unternehmensspitzen. Trotz aller Gefahren ist es wichtiger, dass endlich an den entscheidenden Stellen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven sitzen. Unsere Gesellschaft braucht alle Blickwinkel und Ressourcen, gerade wenn die Probleme komplexer werden. 

Die Beschlüsse für ein neues Quoten-Gesetz sind ein Fortschritt. Aber wir müssen weiter daran arbeiten, dass es eine Selbstverständlichkeit wird, Parität zu erreichen – es sind ja immer noch viele Unternehmen ausgenommen und es gibt weiterhin viele Firmen, die nicht einsehen, dass Parität ein Gewinn für Männer, Frauen und das Unternehmen ist.

"Was ist denn mit dieser Andrea, von der ihr sonst alle so schwärmt?"

In meinem Job als Aufsichtsrätin bin ich auch mitverantwortlich für die Besetzung von Vorstandsposten. Und ich spüre, dass es immer noch eine seltsame Blindheit gibt, wenn es um Frauen geht. Ich will keine Namen nennen, aber vor einigen Monaten hat uns der Chef eines Großkonzerns drei Männer für seine Nachfolge vorgeschlagen. Ich habe gesagt: "Was ist denn mit dieser Andrea, von der ihr sonst alle so schwärmt?" Da hat er mich ganz erstaunt angesehen und gesagt: "Stimmt!" Am Ende waren auf der Vorschlagsliste zwei Männer und eine Frau

Ich habe mich nie unwohl gefühlt als Quotenfrau, spürte auch in keinem Gremium ein Unbehagen. Warum auch? Bei BMW zum Beispiel bin ich im Aufsichtsrat Wolfgang Mayrhuber nachgefolgt. Er hat vor mir die Lufthansa dort vertreten und mich vorgeschlagen. Ich war damals Finanzvorständin der Lufthansa. Ich passte perfekt. Ob ich den Posten auch ohne Quote bekommen hätte? Ich weiß es nicht, und ich werde es wohl auch nie erfahren. Aber zeitlich passt es gut zusammen: Im Januar 2016 trat das Gesetz in Kraft, das 30 Prozent vorschreibt. Im Mai 2016 wurde ich berufen."

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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