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Der Abwasch der Woche: Von Zwergen und Scheinriesen

Landtagswahlen sind die Zeit der Regionalfürsten der Parteien. Endlich etwas Aufmerksamkeit für SPD-Matschie oder Grünen-Ulrich. Hinter uns liegt eine Festwoche für Wichtigtuer. Zeit für den Abwasch.

Von Axel Vornbäumen

Wahrscheinlich kein Zufall, dass Andy Warhol seinen viel strapazierten Satz "In the future everyone will be world-famous for 15 minutes" ausgerechnet im Jahr 1968 von sich gegeben hat. Die Grenzen von der Vision zum Stuss waren ja ziemlich löchrig, seinerzeit. Und bis auf weiteres liegt der Künstler mit seiner Prognose immer noch knapp neben der Realität, was die gute Nachricht ist.

Was Warhol nicht ahnen konnte. Seitdem ist die Zahl jener Wichte und Wichtigtuer sprunghaft angestiegen, die sich nicht mal mit 15 Minuten relativer Berühmtheit zufrieden geben wollen. Ein Phänomen, das im unmittelbaren Umfeld von Landtags- oder Bundestagswahlen ganz besonders gut zu beobachten ist. In Thüringen ist seit dem vergangenen Sonntag, punkt 18 Uhr, wieder so ein Exemplar aufgetaucht: Christoph Matschie, ein Sozialdemokrat, der zumindest der Haarfarbe nach schwer an das Design von Warhols berühmten Tomato Soup-Dosen erinnert, es dabei eigentlich sehr schön bewenden lassen könnte, dies aber leider partout nicht will.

Aufstand der Polit-Zwerge

Matschie, kein Witz, hat vergangenen Sonntag exakt 195.353 Zweitstimmen-Thüringer hinter sich versammeln können, was wahrlich nicht besonders viel ist, selbst dann nicht, wenn in einem so kleinen Bundesland nur gut die Hälfte zur Wahl geht. Es scheint derzeit so, dass er es sich zum Ziel gesetzt hat, für jeden einzelnen seiner Wähler eine gefühlte Fernsehminute zu beanspruchen, die er verquast mit der immer gleichen Botschaft zu füllen gedenkt, dass nun er, Matschie, über eine strategische Mehrheit verfüge, mit der er einen Ministerpräsidenten der Linken verhindern wolle. Matschies Pendant im Saarland ist der Grüne Hubert Ulrich, der dank wirrer Wahlergebnisse nun auch zwischen zwei Lagern entscheiden kann, aber noch nicht weiß, nach welchen Kriterien er dabei vorgehen soll.

Es ist gut, dass die Woche nun langsam zu Ende geht, leider folgt aber schon bald die nächste. Matschie wird weiter Linke verhindern wollen, die ihrerseits höhnen, die Thüringer SPD werde dann halt "Zwergenverein bei der CDU" sein. Ulrich will nun erst mal "seine Partei mitnehmen." Bitte sehr. Von uns aus gerne auch ohne Getöse!

Wer hat alles das "Ypsilanti-Gen"?

Man kann daraus zwei Dinge lernen: Berühmtheit muss nicht zwingend etwas mit Substanz zu tun haben. Und: Wer einmal der Ansicht ist, dass er über die strategische Mehrheit verfüge, der wird diese auch so schnell nicht wieder los.

Für die kommenden Wochen wird es vorderhand interessant sein zu sehen, ob Matschie oder andere Sozialdemokraten über das berühmte "Ypsilanti-Gen" verfügen, von dem Hessens Ministerpräsident Roland Koch mutmaßt, dass es jedem Sozi innewohnt, der schon mal ein Parlament von innen gesehen hat. Das "Ypsilanti-Gen" lässt den Wortbruch leichter über die Zunge rollen und verhilft durchaus zu gelegentlich sogar überregionaler Bekanntheit.

1968, als Warhol seinen berühmten Berühmtheitssatz formuliert hat, war Koch zehn Jahre alt. Er soll damals sofort, nachdem er Warhols Worte gehört hat, in leicht hessischer Klangfärbung gemurmelt haben: "But not these damned social democrats." Schon vier Jahre später trat er in die Junge Union ein. Von Roland Koch stammt auch der Satz: "Mehrheit ist Mehrheit", was ebenso schlicht wie stimmig ist, für die Bundestagswahl am 27. September aber auf die Konstellation Rot-Rot-Grün nicht zutreffen wird.

Zum Affen gemacht

In Sambia, was etwas weiter südlich von Hessen und Thüringen liegt, hat Präsident Rupiah Banda in dieser Woche die Verbannung dutzender Affen vom Grundstück seiner Residenz angeordnet. Er hat damit Handlungsfähigkeit demonstriert, was nicht das schlechteste für einen Politiker ist. Ein besonders unbotmäßiger Affe hatte vor kurzem, auf einer Baumkrone sitzend, dem Präsidenten bei einer Pressekonferenz just in dem Moment auf den Kopf gepinkelt, als Banda über Oppositionsführer Michael Sata herzog.

Was aus den Affen geworden ist, lässt sich auf die Schnelle nicht nachprüfen. Wenn es aber aus Tierschutzerwägungen keine ernsthaften Bedenken gibt, wäre ein temporärer Aufenthalt der unverkrampft strullernden Affen in Hessen oder Thüringen sicher in jeder Hinsicht eine Bereicherung. Warhol jedenfalls hätte seinen Spaß gehabt.

Axel Vornbäumen ist Redakteur im Berliner stern-Büro. Die Kolumne "Der Abwasch der Woche", die verschiedene Autoren schreiben, kommt immer samstags.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(