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"Supersprinter" und "Express-Rail" Inlandsflüge ade? So wollen Bahn und Lufthansa mehr Verkehr auf die Schiene bringen

Deutsche Bahn und Lufthansa wollen Zusammenarbeit ausbauen: ICE am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens
Ein ICE am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens. Deutsche Bahn und Lufthansa wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen.
© Axel Hartmann / Deutsche Bahn AG / PR
Neue ICE-Sprinter und ein Ausbau des Lufthansa-Express-Rail-System sollen dafür sorgen, dass die Menschen bei Reisen durch Deutschland in Zukunft häufiger in den Zug statt ins Flugzeug steigen. So sehen die Pläne von Deutsche Bahn und Lufthansa aus.

Die Deutsche Bahn und die Lufthansa wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Ziel sei es, umweltschädliche Inlandsflüge zu vermeiden, teilten die Konzernvorstände Harry Hohmeister (Lufthansa) und Berthold Huber (Deutsche Bahn) auf einer Pressekonferenz am Montagvormittag mit.

Bei der Kooperation gehe es vor allem darum, den Frankfurter Flughafen als das Luftverkehrsdrehkreuz in Deutschland besser in das Netz der Deutschen Bahn einzubinden.

Lufthansa und Deutsche Bahn planen neue ICE-Sprinter

Das Konzept sieht unter anderem neue ICE-Sprinter-Verbindungen ab dem Fahrplanwechsel im Dezember vor. Dabei handelt es sich um Fernzüge mit wenigen Halten, wie sie schon auf etlichen Verbindungen in Deutschland unterwegs sind.

  • Hamburg – Frankfurt: Mit nur einem Zwischenhalt in Hannover soll der ICE-Sprinter in Zukunft zehn Minuten schneller als bisher Alster und Elbe mit dem Frankfurter Flughafen verbinden. Die Reisezeit soll drei Stunden und 45 Minuten betragen. Je Richtung soll der Zug einmal täglich verkehren. Es sollen ICE-Züge der ersten Generation eingesetzt werden.
  • Düsseldorf – München: Die neue durchgehende "Supersprinter"-Verbindung soll Nordrhein-Westfalen und Bayern an den Frankfurter Flughafen anbinden. Von München aus sollen die Züge nur in Nürnberg halten, von Düsseldorf aus nur in Köln. Auf der gesamten Strecke Düsseldorf – München sollen die ICE-3-Züge 30 Minuten schneller als bisher unterwegs sein, also vier Stunden und 20 Minuten. Die Linie soll zweimal täglich je Richtung verkehren.
  • Berlin – Bonn: Mit ICE-4-Zügen sollen die frühere und die heutige Bundeshauptstadt dreimal täglich fast nonstop miteinander verbunden werden. Lediglich in Köln soll es einen Halt geben – insbesondere Mitarbeitende der Bundesministerien und -behörden dürften hier zur Zielgruppe zählen. Etwa vier Stunden soll die Fahrt dauern. Die Eurowings-Flüge des Lufthansa-Konzerns auf der Strecke sollen vorerst jedoch beibehalten werden, sagte Konzernvorstand Hohmeister auf stern-Anfrage. Man werde prüfen, wie das Angebot angenommen wird. Er verwies darauf, dass Lufthansa-Mitbewerber ihre Verbindungen zwischen dem Flughafen Köln/Bonn und Berlin eingestellt haben.

Zusätzlich zu den neuen Sprinter-Verbindungen soll das Lufthansa-Express-Rail-System ausgebaut werden. Hierbei handelt es sich um reguläre Züge der Deutschen Bahn, die auch als Zubringer zum Flughafen dienen. Passagierinnen und Passagiere können ein durchgehendes Ticket mit Sitzplatzreservierung für Zug und Flug nutzen, ihr Gepäck soll am Frankfurter Flughafen bevorzugt behandelt werden, die Sicherheitskontrolle über die Fastlane erfolgen. Zudem sollen die Reisenden bei Verspätungen automatisch umgebucht werden. Bislang war der Service von 17 Städten aus buchbar, ab April sollen fünf neue hinzukommen: Hamburg, Bremen, Münster, Berlin und München. Ziel sei eine "durchgängige, komfortable Reisekette".

Vertreter von Bahn und Lufthansa gaben sich auf der Pressekonferenz überzeugt, dass die neuen Angebote die Nachfrage nach Inlandsflügen reduzieren werden. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Flugverbindungen auf bestimmten Verbindungen nicht mehr nötig seien, wenn das Angebot auf der Schiene stimme. Als Beispiel nannte Lufthansa-Vorstand Hohmeister die Strecke Frankfurt – Köln, auf der es eine Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn, aber keine Flüge der Lufthansa mehr gibt. Die Unternehmen beteuerten, dass sie sich nicht als Konkurrenten sondern als ideale Ergänzung wahrnehmen.

Doch trotz aller Euphorie über die Verbesserungen für die Reisenden bleiben auch Nachteile: So ist es auch bei durchgehender Buchung von Zug und Flug weiterhin nicht möglich, das Gepäck am Startbahnhof aufzugeben und erst am Zielflughafen anzunehmen (oder umgekehrt). Entsprechende Versuche hatten sich in der Vergangenheit als zu komplex und zu teuer erwiesen.

Außerdem ist die Reisezeit mit der Bahn auf einigen Strecken weiterhin nicht mit jener des Flugverkehrs konkurrenzfähig. So benötigt ein ICE auf der Strecke Hamburg – München knapp sechseinhalb Stunden, während ein Flug nur mit rund einer Stunde und 15 Minuten zu Buche schlägt. Grund für die hohen Reisezeiten mit der Bahn sind unter anderem viele Zwischenhalte und die nicht durchgehend für hohe Geschwindigkeiten ausgelegte Strecken. Beides unterscheidet den deutschen Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene seit seiner Aufnahme vor 30 Jahren zum Beispiel vom französischen ICE-Äquivalent, dem TGV.

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