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Air Berlin: Verspätungen durch Pilotenstreik

Gestrichene Flüge, stundenlange Verzögerungen, genervte Passagiere - der zweite Pilotenstreik innerhalb eines Monats hat den Flugplan von Air Berlin durcheinander gebracht - und das zur Hauptreisezeit.

Bei der Fluggesellschaft Air Berlin hat der zweite Pilotenstreik im Hauptreisemonat August am Montag zu Verspätungen geführt. Die Vereinigung Cockpit hatte die Kapitäne der Konzerntochter LTU am frühen Morgen zu einem 16-stündigen Ausstand aufgerufen, der bis 21.30 Uhr dauern sollte.

An mehreren deutschen Airports wie Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart, München und Berlin-Tegel verzögerten sich Flüge teils um mehrere Stunden. Wie Air Berlin am frühen Abend mitteilte, waren 66 Flüge verspätet, 19 Flüge wurden aus dem Programm gestrichen. Der Großteil des Angebots, darunter alle Langstreckenflüge, habe aber sichergestellt werden können. Für Passagiere wurde die Gratis-Telefonnummer Tel. 00800/5737 8000 eingerichtet.

Fehlstart in den Urlaub

Dennoch verhagelte der Streik die Urlaubslaune einiger Passagiere. "Wir sind genervt. Wir wissen nicht, ob der Flug wieder verschoben wird oder ob wir nach Hause fahren sollen", sagt Jens Kujawski aus Bottrop. Der 27-Jährige wollte mit Freunden endlich den langersehnten Urlaub in Ägypten machen und nun das: Der Flug nach Hurghada verspätet sich um fast 15 Stunden. Mit Gutscheinen im Wert von 25 Euro wurden sie "abgespeist", berichtet Kujawski in einem sarkastischen Ton. Seit den frühen Morgenstunden rennen sie rastlos auf dem Düsseldorfer Flughafen herum. "Das hat sich so hingezogen - erst hieß es 20 Minuten Verspätung, dann zwei Stunden, dann haben wir von anderen Passagieren erfahren, was los ist", erzählt Kujawskis Freund Nico Volpert. Jetzt stehen sie frustriert in einer riesigen Warteschlange, umgeben von Dutzenden anderen Menschen, deren erster Urlaubstag in der Sonne immer mehr in die Ferne rückt. Mittendrin viele kleine quengelnde Kinder, für die das Warten eine Qual wird.

Die Anzeigetafel am Düsseldorfer Flughafen zeigt Verspätungen zwischen drei und elf Stunden für internationale Flüge nach Barcelona, Fuerteventura oder Paris an. Aber auch die inländischen Flüge nach Hamburg sind mit 2,5 Stunden betroffen. Ein Flug nach Berlin wird komplett gestrichen.

Air-Berlin-Piloten zeigen sich solidarisch

Parallel zum Streik bei LTU rief die Pilotenvereinigung von 5.30 Uhr bis 8.30 Uhr auch Cockpitkollegen des Air-Berlin-Mutterkonzerns zu einem "Sympathiestreik" auf. Um die Folgen für die Passagiere zu mindern, setzte das Unternehmen nach eigenen Angaben aber wie schon am 11. August Air-Berlin-Piloten für LTU-Flüge ein. Zudem sollten Reisende auf andere Maschinen umgebucht werden. Teils wurden ganze Strecken von eigens beauftragten anderen Airlines bedient. Air Berlin bot betroffenen Gästen kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen an.

Sie reden wieder miteinander

Wegen des festgefahrenen Tarifstreits um die Eingliederung der 2007 gekauften LTU hatten Piloten bereits am 11. August gestreikt. Bei der Düsseldorfer LTU arbeiten 336 der konzernweit 1240 Piloten. Teil der Auseinandersetzung ist die Bezahlung der LTU-Piloten, deren Vergütungstarifvertrag derzeit als einziger offen ist. Cockpit warf der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft einen "monatelangen Zick-Zack-Kurs" vor, der den Streik notwendig mache. "Wir wollen mittelfristig einheitliche Bedingungen für alle Piloten", sagte Tarifpolitik-Vorstand Ilona Ritter.

Air Berlin kritisierte den Arbeitskampf und rief die Gewerkschaft zu Verhandlungen über einen Kompromiss auf. Das Angebot sei nachgebessert worden, sagte ein Sprecher. Ein Spitzengespräch an diesem Dienstag soll die Konfliktparteien einander näher bringen. Air Berlin hatte angeboten, die Einkommen rückwirkend zum 1. Januar um zwei Prozent zu erhöhen. Zum 1. April 2010 soll es außerdem einen Inflationsausgleich geben sowie einen Kündigungsschutz bis Ende 2010. Air Berlin ist zudem bereit, über die Garantie einer bezahlten Mindeststundenzahl im Monat zu reden. Cockpit verlangt unter anderem fünf Prozent mehr Geld und hat die bisherigen Arbeitgeber-Angebote als unzureichend zurückgewiesen. Air Berlin verweist darauf, dass sich die Forderung mit weiteren Aspekten auf elf Prozent summiere.

DPA / DPA

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