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Nach Notlandung: Ausgerechnet die Bundeswehr kauft sich einen Schrott-Airbus - aus gutem Grund

Knapp ein Jahr nach seiner Bruchlandung hat ein demolierter Airbus eine neue Aufgabe gefunden: Per Schiff und Sattelschlepper landeten die Überreste auf einem Bundeswehrgelände. Dort dürfte der Flieger noch Schlimmeres erleben.

Logistische Meisterleistung: Per Schwerlasttransport wird der Rumpf des Airbus A320 von Lübeck nach Calw geschleppt

Logistische Meisterleistung: Per Schwerlasttransport wird der Rumpf des Airbus A320 von Lübeck nach Calw geschleppt

DPA

Der Airbus A320 wurde nicht für die Flugbereitschaft der Bundeswehr angeschafft, die die Kanzlerin oder Mitglieder der Bundesregierung bei Auslandsreisen transportiert. Der Jet soll auch gar nicht mehr abheben, sondern für immer am Boden bleiben. Zukünftig dient er einer Eliteeinheit der Bundeswehr als Ausbildungsobjekt.

In der Stadt Calw in Baden-Württemberg sitzt das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr. Dorthin wurde kürzlich der knapp 54 Meter lange Rumpf eines nicht mehr flugfähigen Airbus transportiert. Denn die Spezialtruppe hatte schon seit längerem nach einem ausrangierten und bezahlbaren Jet gesucht, um an einem realistischen Objekt Geiselbefreiungen und Anti-Terror-Einsätze zu üben.

In Tallinn waren die Flugzeugbeschaffer fündig geworden. Auf dem Flughafen der Hauptstadt Estlands stand ein seit Monaten ein ausrangierter Airbus A320, der eine bewegte Geschichte hinter sich hat.

Zwischenfall bei Start- und Landeübungen

Die Maschine mit der Kennung ES-SAN gehört mit mehr als 8600 ausgelieferten Exemplaren zum meistverkauften Flugzeugtyp des europäischen Flugzeugbauers. Der zweistrahlige Jet, Baujahr 2000, war zunächst bei Air Jamaika im Dienst, ehe er für diverse Airlines in der Ukraine flog und zuletzt zur Flotte der lettischen Charterfluggesellschaft Smart Lynx Airlines gehörte.

Am 28. Februar 2018 absolvierte eine Cockpitbesatzung mit der Maschine ohne Passagiere ein "touch and go training" am Flughafen von Tallinn: Über Stunden übten die Piloten den Landanflug, setzten kurz mit dem Fahrwerk auf der Piste auf, um sofort wieder Gas zu geben und zu starten. Nach einer Platzrunde wurde das Starten und Landen erneut geübt.

Doch bei einem Manöver kurz nach 17 Uhr passierte es: Der Jet gewann beim Start nicht rasch genug an Höhe, sackte durch und schlug mit beiden Triebwerken auf der Piste auf. Funken sprühten, doch konnte die Maschine gerade noch abheben. Der Besatzung gelang es, die Maschine zu stabilisieren und einen Notruf abzusetzen, wie der "Aviation Herald" berichtete.

Doch im Landeanflug fielen durch die Beschädigung beide Triebwerke aus, der Airbus setzte 150 Meter vor der Landebahn auf. Alle Reifen platzen. Die Maschine schlidderte über die Piste und kam 15 Meter südlich der Landebahn zum Stehen, wie ein auf Youtube hochgeladenes Video zeigt. Von den sieben Besatzungsmitgliedern wurden zwei leicht verletzt. Der Beschädigung erweisen sich als so gravierend, dass der Airbus A320 nach insgesamt 45.000 Flugstunden abgeschrieben werden musste.

Panne kurz vor dem Ziel

Für den Transport zum neuen Eigentümer nach Calw in Süddeutschland wurden die beiden Flügel, das Höhen- und Seitenleitwerk demontiert. Mit dem Schiff "Bore Sea" traten die Airbus-Teile ihre Reise über die Ostsee bis in den Lübecker Hafen an, wie das Fachmagazin "Eurotransport" berichtet.

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Per Schwerlasttransporter wurde das 89 Tonnen schwere Rumpfsegment innerhalb von drei Nächten mit einer über 600 PS starken Zugmaschine quer durch Deutschland transportiert. Doch kurz vor Erreichen der Bundeswehrkaserne in Calw war ein Hydraulikschlauch am Schertransporter geplatzt, und der Konvoi in einem Kreisverkehr liegengeblieben.

Jetzt wird der Flieger wieder zusammengebaut, der Rumpf um die separat angereisten Flügel und Leitwerke ergänzt. Schon bald kann der Airbus wieder als Trainingsflugzeug genutzt werden - nicht für Piloten, sondern für Soldaten.

Quellewww.eurotransport.de

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