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Follow Me: Dornier 328: Der letzte deutsche Flieger feiert ein Comeback

Die Dornier 328 war ihrer Zeit voraus: Das letzte in Deutschland entwickelte und gebaute Verkehrsflugzeug gab es mit Propeller oder Jet-Antrieb. Fast 15 Jahre nach dem Produktionsende soll die Maschine wieder in Serie gehen. Jetzt ist die Standortentscheidung gefallen.

Im Cockpit

Piloten schätzen an der Dornier 328 die Kurzstarteigenschaften, die rasche Steigfähigkeit und die hohe Landegeschwindigkeit, wodurch sich die Maschine problemlos auch in den gestaffelten Verkehr an großen Flughäfen einfädeln kann.

Im Cockpit einer Dornier 328: Der Jet steht mit laufenden Triebwerken am Anfang der Piste. Der Pilot wartet auf den Start. Über Kopfhörer kommt die Freigabe vom Tower. Flugkapitän Gerhard Müller schiebt die beiden Gashebel sanft nach vorne. Das vollbesetzte Flugzeug mit 33 Passagieren beschleunigt wie ein Rennpferd. Nach 300 Metern erhöht Müller den Schub noch einmal. Fluggäste und Crew-Mitglieder werden regelgerecht in ihre Sitze gepresst. Nach nicht einmal 1000 Metern hat die Maschine von der Startbahn abgehoben.

"Ich habe nicht einmal Vollgas gegeben", kommentiert Müller den Start. Er liebt dieses Flugzeug, die Dornier 328, dessen Prototyp bereits 1991 den Erstflug absolvierte. "Diese Maschine war seiner Zeit weit voraus", sagt der erfahrene Flugkapitän. Schon damals wurde das Flugzeug mit fünf Displays im Cockpit konzipiert, einem Leitwerk im Heck aus Verbundwerkstoffen, proaktiver Geräuschdämpfung in der Kabine, Kurzstarteigenschaften und Karbonbremsen satt Umkehrschub, um nur einige der Features zu nennen, die die Entwicklungskosten und den Verkaufspreis in die Höhe trieben.

Hochdecker mit zwei Antriebsversionen

Bei der Dornier 328 handelt sich es sich um ein besonderes Flugzeug, dem letzten in Deutschland entwickelten und produzierten Verkehrsflugzeug. Nur insgesamt 220 Exemplare verließen die Werkstore. Erst wurde die Dornier 328-100 mit Propellerantrieb angeboten. Doch Ende der 1990er Jahre wurden die Turbopropmaschinen bei den Regionalfluggesellschaften unbeliebt. Die Airlines steigen auf Jets wie die CRJ von Bombardier um.

Dornier konterte mit einer Jet-Version, der Dornier 328-300, von der allein 110 Exemplare verkauft wurden. Doch die wechselvolle Geschichte des Unternehmens Dornier Luftfahrt, die auf den großen Flugpionier Claude Dornier (1884 bis 1969) aus Friedrichshafen zurückgeht, machte den Vertrieb des Hochdeckers nicht einfacher.

1996 erfolgte die Übernahme durch Fairchild Aviation und später durch ein Tochterunternehmen der Sierra Nevada Coorporation (SNC) aus den USA. Heute betreibt deren Tochterfirma, die 328 Support Services GmbH am Flughafen Oberpfaffenhofen, das Wartungsgeschäft und ist Halter auch für Zulassung dieses Musters (siehe Fotostrecke oben).

Verkündung der "D328Neu" in Leipzig

In letzter Zeit gab es Überlegungen, die Produktion wieder aufzunehmen und eine verlängerte Version der 328 zu bauen. Verschiedene Standorte von der Türkei bis Bremen waren in der Diskussion. Marktstudien haben ergeben, dass es einen Bedarf an zivilen Regionalflugzeugen mit 30 Sitzen geben wird, weil andere ältere Modelle ihre Altersgrenze bald erreicht haben.

Am 21. August 2019 wurde am Rande der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz am Leipziger Flughafen eine Absichtserklärung unterschrieben: Die SNC wird in Leipzig in eine Endmontagelinie einer weiterentwickelten Dornier 328 und in 250 Arbeitsplätze investieren. Die Planungen für die neue Turbopropmaschine, die "D328Neu" genannt wird, kommt von den Ingenieuren aus Pfaffenhofen, wo 120 neue Stellen entstehen. Das Projekt soll im ersten Quartal 2020 starten.

Spätestens 2024 wird die erste Dornier 328 der neuen Generation mit modernster Avionik und größerer Reichweite zur Startbahn rollen. Fast 20 Jahre nach dem Produktionsende gibt es wieder ein Passagierflugzeug - made in Germany.

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