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Billigflieger: Und noch mehr wollen hoch hinaus

Immer neue Billigflieger steigen von den deutschen Flughäfen auf, und auch die etablierten Linien locken mit Tiefstpreisen. Doch Vorsicht: Oft fallen zusätzlich saftige Gebühren an.

Das Streckennetz der Billigflieger wird zunehmend engmaschiger. Fast jeden Monat versucht eine weitere ausländische Fluggesellschaft im heiß umkämpften deutschen Markt Fuß zu fassen. Die aktuellen Neueinsteiger sind die schwedische Linie Fly Me und die rumänische Blue Air. Die Schweden fliegen ab dem 30. März zwischen Düsseldorf und Göteborg, die Rumänen starten ab dem 31. März zwischen dem hessischen Hahn und Bukarest. Auch die etablierten Fluggesellschaften nehmen zusätzliche Routen in ihr Programm. Norwegian Air Shuttle und Air Baltic verbinden neuerdings Düsseldorf mit Oslo, Riga und Vilnius. Air Berlin und Hapag-Lloyd Express (HLX) ergänzen ihr Angebot ab Düsseldorf um die Ziele Helsinki, Paris und Venedig. Und mit der Umstellung auf den Sommerflugplan bedient HLX von Stuttgart aus gleich acht neue Strecken.

Auch Linienflieger müssen nachgeben

Zu einem beliebten Startpunkt für Schnäppchenjäger hat sich der Flughafen Köln/ Bonn entwickelt. Vom 26. März an erweitert Germanwings sein Angebot dort von derzeit 39 auf 44 Ziele, HLX kündigt ebenfalls sechs neue Strecken an, und die osteuropäische Wizz Air fliegt ab dem 7. April von Köln/Bonn nach Kattowitz. "Damit baut Köln/Bonn seine Führungsrolle als größte Billig-Basis auf dem europäischen Festland weiter aus", sagt Walter Römer, der Sprecher des Flughafens.Der harte Konkurrenzkampf zwingt längst auch Ferien- und Linienflieger, das Konzept der Discounter zu übernehmen. Den Anfang machte Air Berlin mit dem Euro Shuttle, zuletzt konterte LTU. Inzwischen sind mit den LTU City-Quickies bereits zehn europäische Ziele von Düsseldorf aus ab 29 Euro zu erreichen. Und bald bietet auch Condor günstige Trips in andere Städte: Vom 1. April an geht es ab 29 Euro von München nach Venedig, Turin, Neapel oder Brüssel, bis zum 1. Mai kommen noch sechs weitere Routen dazu. Am entschlossensten reagiert British Airways und krempelt die Konzerntochter BA Citi-Express komplett um. Sie wird in Kürze unter dem Namen BA Connect in Deutschland als reiner Billigflieger operieren.

Ryanair berechnet aufgegebenes Gepäck extra

Um die aggressiv beworbenen Preise zumindest auf den ersten Blick niedrig zu halten, bedienen sich die Anbieter einer zunehmend undurchsichtigen Preisgestaltung. Für jeden Flugschein, auch für Null-Euro-Tickets, fallen diverse Zusatzkosten an. Ryanair zum Beispiel berechnet ab dem 16. März sogar das aufgegebene Gepäck extra. Nicht selten beträgt der Posten für Steuern und Gebühren so ein Vielfaches des eigentlichen Ticketpreises. Das erfährt der Kunde allerdings erst bei einer detaillierten Buchungsabfrage.

Dank Preiskampf große Wahlmöglichkeiten

Erfindungsreich zeigen sich die Airlines auch bei der Gestaltung der Gebühren. So erheben Blu Express und Germanwings einen ominösen Verwaltungsaufschlag von 5,21 beziehungsweise 6,95 Euro pro Ticket und Strecke. Andere Gesellschaften schlüsseln den Posten Gebühren gar nicht erst auf (u. a. Easyjet, Centralwings). Immerhin beschert der Preiskampf den Verbrauchern zumindest eine größere Wahlmöglichkeit. Die Anzahl der Strecken, für die gleich mehrere Airlines Billigtickets anbieten, nimmt stetig zu. Unter all den Zusatzkosten jedoch das günstigste Angebot zu finden kann ein Weilchen dauern.

Lutz Kaulfuß / print

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