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ITB Berlin: "Ich mag Bush auch nicht"

Fliegen weniger Deutsche in die USA wegen George W. Bush? Sympathie ist ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des Urlaubslandes, das belegt eine auf der ITB vorgestellte Studie. 18 Reiseziele mussten einem Image-Vergleich standhalten.

Von Claudia Pientka und Jens Maier

"Nein, ich habe nicht George W. Bush gewählt", entschuldigt sich der Texaner Michael Davidson bei jedem Besucher zuerst. Er vertritt auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin derzeit den US-Bundesstaat Texas und hat mit dem schlechten Image des US- Präsidenten zu kämpfen. Denn die miserablen Sympathiewerte für Bush bei den Deutschen werden nur allzu schnell mit dessen Heimat Texas assoziiert - und das ist für Michael Davidson, der möglichst viele Deutsche nach Texas locken will, denkbar schlecht. Denn dass Sympathie bei der Auswahl des Urlaubsziels entscheidend sein kann, belegt eine neue Studie.Die Ergebnisse der Analyse "Länder-Image-Profile 2006", die auf der ITB vorgestellt wurden, zeigen eindeutig, welche Länder in der Gunst der Deutschen gestiegen oder gesunken und welche Kriterien für eine Urlaubsbuchung entscheidend sind. Um eine aussagekräftige Meinung der 64,92 Millionen Deutschen ab 14 Jahren zu erhalten, wurden Anfang 2006 insgesamt 1.041 Leute befragt. Untersucht wurden die Urlaubsländer Ägypten, Dominikanische Republik, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Kroatien/Slowenien, Kuba, Marokko, Österreich, Skandinavien, Spanien, Thailand, Tunesien, Türkei, Ungarn, USA und die Vereinigten Arabischen Emirate/Dubai. Die Auswahl der 18 untersuchten Länder erfolgte nach der Zahl der Urlaubsreisen in das jeweilige Land in den letzten Jahren. Das Sympathieempfinden wurde ganz allgemein, ohne Bezug auf die Attraktivität als Reiseziel, abgefragt.

Italien am sympathischsten

Spontan nannten die meisten Teilnehmer europäische Reiseziele als sympathische Länder. Für 14,9 Prozent der Deutschen ist Italien das ansprechendste Land. Auf Platz zwei und drei folgen Spanien mit 12,7 und Österreich mit 11,0 Prozentpunkten. Griechenland wurde von 9,9 Prozent der Interviewten und Frankreich von 8,7 Prozent als sympathisch eingestuft. Interessant dabei ist, dass sich Spanien, Italien und Österreich seit Jahren ein Kopf an Kopf-Rennen bei deutschen Besucherzahlen liefern. 2005 hatte Spanien mit knapp zehn Millionen Deutschen die Nase vorn, gefolgt von Italien, Österreich, Griechenland und Frankreich. Doch ist ein sympathisches Land auch gleichzeitig ein beliebtes Reiseland? Offensichtlich ja, denn die Analyse ergab, dass sehr sympathische Länder für die Deutschen stets auch sehr attraktive Reiseziele sind. Auch hier schnitten Italien, Spanien und Griechenland sehr gut ab. Als weniger attraktiv stuften die Befragten Kroatien und Slowenien ein, die Türkei und überraschenderweise auch Thailand, das nur 43,5 Prozent der Befragten als attraktiv bewerteten. Tsunami und Vogelgrippe haben den Thais offenbar stark zugesetzt und sie in der Gunst der deutschen Touristen sinken lassen.

Österreich punktet mit Natur und Sicherheit

Natur und Sicherheit sind aus Sicht der Deutschen die beiden wichtigsten Merkmale, wenn es um die Sympathieeinstufung geht. Nur für 46 Prozent der Befragten waren Kulturgüter für ein positives Empfinden ausschlaggebend. Österreich kann bei allen drei Kriterien punkten, insbesondere befriedigt unser Nachbarland aber das Bedürfnis nach Sicherheit und Natur.

Die Untersuchung ging auch der Frage nach, wie sich das Image der 18 Reiseländer in den letzten zwei Jahren generell verändert hat. Skandinavien legte in der Gunst am meisten zu. Für 6,7 Prozent verzeichneten die nordischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland den größten Imagegewinn. Die Vereinigten Arabischen Emirate mit Dubai konnten ihr Ansehen bei vier Prozent der Deutschen ebenfalls steigern. Großer Verlierer sind die USA. Der einstige Liebling verlor mit 13,7 Prozent am meisten Gunst und Ansehen bei der deutschen Bevölkerung.

USA leiden unter Bush

Obwohl die USA den größten Imageverlust zu verzeichnen haben, stellen sie für 13,9 Prozent der deutschen Bevölkerung das Nummer Eins Traumreiseziel dar, gefolgt von Australien mit 7,9 Prozent. "Wir wissen, dass wir Probleme mit unserem Image haben", bestätigt auch Taunia Elick von "Texas Ranch Life", die an ihrem Stand einige derbe Bush-Kommentare von den Besuchern zu hören bekommt. "Und dabei mag ich ihn auch nicht", sagt sie verzweifelt. Dass die Amis etwas für ihr Image tun müssen, hat auch Roger Dow, Präsident der US-Reiseindustrievereinigung TIA erkannt. "Wir wollen, dass sich die Leute bei uns willkommen fühlen", sagt er. Schon bei der Einreise müsse den Gästen klar werden, dass das Land sie mit offenen Türen empfange - und das ist bei den restriktiven Einreisebestimmungen nicht immer einfach.

In barer Münze zahlen sich die hohen Sympathiewerte auch für Australien nicht immer aus. "Fast jeder träumt von Australien, aber nur ein Bruchteil davon setzt diesen Traum auch um", sagt Angelika Wegner, Marketing-Manager von "South Australia". Mit einer breit angelegten Image-Kampagne fragen die Aussies deshalb ab Ende März "So Where The Bloody Hell Are You?" und wollen so mehr Deutsche ins Land locken.

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Claudia Pientka und