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Ultras vs. DFB: DFB ändert Taktik: Keine Kollektivstrafen mehr

Die freie Fankultur ist für die Ultras oberstes Gebot. Der DFB kommt in der Debatte den Fans nun weit entgegen. Kollektivstrafen sollen abgeschafft werden - und Pyrotechnik bald erlaubt? 

Ausschreitungen beim DFB-Pokal Spiel zwischen Ultras von Hertha BSC Berlin und Hansa Rostock.

Szenen, die zur Normalität geworden sind: Hertha-Fans provozieren mit Bengalos, Rostocker Ultras antworten mit brennenden Bannern und Sitzschalen während der DFB-Pokal Partie am Montag.

Die Ausschreitungen verfeindeter Fangruppen im DFB-Pokal-Spiel zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC Berlin am Montag waren ein neuerliches unrühmliches Beispiel dafür, wie Gewalt im Stadion eskalieren kann. Der DFB hat solche Gewaltexzesse in der Vergangenheit oft mit Kollektivstrafen und Geisterspielen sanktioniert. Das soll sich nun ändern.

DFB-Präsident Grindel will den Dialog mit den Ultras suchen. Und kommt den Forderungen der kritiserten Fan-Szene dabei sehr nahe, geht sogar drüber hinaus. Er forderte ein Umdenken. Grindel kündigte an, die viel kritisierten Kollektivstrafen für Fußball-Fans zumindest vorübergehend aussetzen zu lassen.

"Bis auf Weiteres" wolle man "keine Sanktionen wie die Verhängung von Blocksperren, Teilausschlüssen oder Geisterspielen mehr", sagte Grindel in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des Verbandes. Der DFB werde seinem Kontrollausschuss empfehlen, "bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist".

Politiker will Pyrotechnik erlauben

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius ging in einem "Sport Bild"-Interview sogar noch weiter und regte zumindest an, die von den Ultras so geliebte Pyrotechnik zumindest in bestimmten Bereichen eines Stadions zuzulassen. Bengalos seien "gefährlich, das kann man nicht einfach mal so abfeuern", meinte der SPD-Politiker. "Nun sage ich: Okay, wenn einige Ultras-Gruppen ganz viel Wert darauf legen, Pyrotechnik zu zünden, kann man sich darüber unterhalten, dafür bestimmte Bereiche im Stadion zu schaffen."

Teile der sogenannten Ultra-Bewegung auf der einen sowie Verbände wie der DFB und die Deutsche Fußball Liga auf der anderen Seite stehen sich seit Monaten unversöhnlich gegenüber. Die Unterbrechung des Pokalspiels zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC (0:2) am Montag hatte die Debatte um Fankrawalle in Deutschland ausgerechnet in der Woche des Bundesliga-Starts wieder einmal erhitzt.

Umdenken beim DFB

Gerade die Kollektivstrafen und die Pyrotechnik sind für die Ultras zentrale Begriffe in dieser Auseinandersetzung. Innenminister Pistorius möchte am 11. November einen Fußball-Gipfel in seinem Bundesland abhalten, an dem sowohl Profivereine als auch Fangruppen teilnehmen sollen. Das Bündnis "Pro Fans" zum Beispiel hat eine Abschaffung der Kollektivstrafen immer zu einer Bedingung für seine Teilnahme an diesem Treffen erklärt. "ProFans sieht eine Abkehr hiervon als zwingend notwendig an", heißt es in einer Erklärung aus dem Juli.

Die Vorstöße von Pistorius und Grindel sind deshalb als Versuche zu werten, mit den schwer zugänglichen Ultra-Gruppen überhaupt in eine Form von Gespräch zu kommen. "Es ist Zeit zum Innehalten. Es ist Zeit zum Umdenken", schrieb der DFB-Präsident in seiner Erklärung. "Wir wollen ein Zeichen setzen, um gemeinsam in den Dialog einzutreten."

Grindel läd Ultras zum Gespräch ein

Der DFB ist dafür bereit, zumindest zeitweise auf die Ultra-Forderung nach der Abschaffung von Kollektivstrafen einzugehen. Der Verband fordert umgekehrt aber auch: "Verzicht auf Gewalt."

Grindel lud Ultra-Vertreter ein, sich endlich mit dem DFB, seiner Arbeitsgruppe Fankulturen sowie anderen Fan-Organisationen an einen Tisch zu setzen. "Wir müssen Vertrauen aufbauen, Missverständnisse ausräumen und gemeinsam klare Linien und Grenzen festlegen", sagte er. "Wir wollen gemeinsam erörtern, was wir zum Erhalt und zur Verbesserung der Fankultur in unseren Stadien tun können."

Zustimmung von der DFL

Für diesen Vorstoß erhielt Grindel sofort die Zustimmung der Deutschen Fußball Liga. "Die Dialog-Initiative des DFB-Präsidenten an alle Fan-Gruppen ist der richtige Schritt, um neues Vertrauen zu bilden. Miteinander statt übereinander reden - das muss die Devise sein", sagten Ligapräsident Reinhard Rauball und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in einer gemeinsamen Erklärung.

Auch Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte KOS) in Deutschland, hatte bereits am Dienstag nach den Ausschreitungen von Rostock in einem Sky-Interview erklärt, eine Entspannung der Situation sei nur gemeinsam mit den Fans und nicht über ihren Kopf hinweg zu erreichen.

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fk / DPA

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