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Formel 1: Auch Toyota steigt aus

Neue Hiobsbotschaft für die Formel 1: Nachdem BMW bereits seinen Rückzug aus der Rennserie verkündet hat, beendet jetzt auch das Toyota-Team des Deutschen Timo Glock sein Engagement in der Königsklasse des Motorsports.

Der weltgrößte Autobauer Toyota verlässt die Formel 1. Die bereits seit Monaten befürchtete Vollbremsung verkündete der größte Automobilkonzern der Welt am Mittwoch in Tokio. Firmenchef Akio Toyoda begründete die Entscheidung mit der nötigen Reaktion auf die "momentan schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen".

"Es war eine schwierige, letztlich aber unvermeidbare Entscheidung. Seit dem letzten Jahr und angesichts des schlechten Wirtschaftsklimas hatten wir mit der Frage gekämpft, ob wir in der Formel 1 weitermachen sollten", sagte Toyoda und erklärte: "Wir ziehen uns komplett aus der Formel 1 zurück. Ich entschuldige mich zutiefst bei den vielen Toyota-Fans, dass wir nicht in der Lage waren, die Resultate zu erzielen, die wir angepeilt hatten."

Betroffen vom Formel-1-Ausstieg der Japaner ist vor allem die Motorsport-Abteilung in Köln mit zurzeit 750 Mitarbeitern, die auch erst am Mittwochmorgen von der Entscheidung erfuhr. Neben der Konzentration auf einen neuen Straßensportwagen wird jetzt nach anderen Motorsport-Projekten gesucht, die aus Köln betreut werden können.

In Frage kommen könnten eine Rückkehr zu den 24 Stunden von Le Mans oder der Einstieg in die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft. Auf per Option mögliche Vertragsverlängerungen mit den Fahrern Timo Glock (Wersau) und Jarno Trulli (Italien) hatte Toyota verzichtet, Glock steht vor einem Engagement bei Renault. Erst kurz vor dem Saisonende hatte der bisherige Motoren-Kunde Williams seinen Vertrag vorzeitig gekündigt. In der Königsklasse sind 2010 als Hersteller jetzt nur noch Ferrari, Mercedes und Renault vertreten. Profiteur des Toyota-Ausstiegs ist dagegen das bisherige BMW-Sauber-Team.

Weiterer Schlag für die japanische Motorsportszene

Nach dem Ausstieg von BMW und dem Verkauf an die aus dem Mittleren Osten finanzierte Schweizer Stiftung Qadbak war der Rennstall aus Hinwil vom Automobil-Weltverband FIA nur als 14. Team und damit erster Nachrücker für die Saison 2010 geführt worden. Toyota war 2002 in die Formel 1 eingestiegen und mit rund 300 Millionen Euro Budget pro Saison seitdem der Krösus in der Königsklasse. Erfolge blieben dennoch aus. In 140 Rennen fuhren Toyota-Piloten lediglich dreimal auf die Pole Position (Trulli 2005 beim Skandal-Rennen in den USA 2005 und 2009 in Bahrain, Ralf Schumacher 2005 in Japan). Im Rennen gab es fünfmal Platz zwei: durch Trulli 2005 in Malaysia und Bahrain sowie 2009 in Japan und durch Glock 2008 in Ungarn und 2009 in Singapur.

Durch den Rückzug droht Toyota jetzt allerdings eine Konventionalstrafe. Im Sommer hatte der Konzern noch das neue Concorde Agreement unterschrieben und sich damit eigentlich bis 2012 zur Teilnahme an der Formel 1 verpflichtet. Aus finanziellen Gründen hatte das Unternehmen, das in der Wirtschaftskrise erstmals in der Firmengeschichte Verluste einfuhr, bereits zuvor die Austragung des Japan-GP 2010 auf der konzerneigenen Rennstrecke in Fuji zurückgegeben, das Rennen findet jetzt wie in diesem Jahr in Suzuka statt, auf einer Piste des japanischen Rivalen Honda.

Honda war Ende 2008 aus der Königsklasse ausgestiegen, das Nachfolgeteam Brawn holte in dieser Saison die Konstrukteurs-WM und durch den Briten Jenson Button auch den Fahrertitel. Im Sommer hatte dann BMW den Ausstieg zum Jahresende verkündet und sein Team verkauft. Für die japanische Motorsportszene bedeutet der Toyota-Ausstieg einen weiteren Schlag. Erst am Montag hatte Bridgestone überraschend bekannt gegeben, sich nach Ende des laufenden Vertrages Ende 2010 als Reifen-Lieferant aus der Formel 1 zurückzuziehen. 2008 hatte sich bereits Subaru und Suzuki aus der Rallye-WM sowie Kawasaki aus der MotoGP zurückgezogen.

sid/DPA

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