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1. Bundesliga: Fünf Fragen an den 32. Bundesliga-Spieltag 2012/2013

Wenn Schalkes Coach Mike Büskens am Wochenende in Fürth spielt, dann könnte das für seinen Ex-Club ein bitterer Tag werden. Dafür hoffen Kölner Fans auf die Rückkehr von Lukas Podolski, der HSV steht vor einem schwierigen Dilemma und Marc-André ter Stegen spielt gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber. Darum geht es im April 2013.

Noch drei Spieltage der Saison 2012/2013 sind zu absolvieren. Atemlose Spannung allerorten, ob im Titelkampf oder in der Abstiegszone. Wir haben exklusiv für Sie schon jetzt die wichtigsten Fragen zusammengestellt, die an diesem Wochenende entschieden werden können.

1) Stößt Mike Büskens die Spielvereinigung Fürth zurück in die 2. Liga?

Schalkes Trainer Mike Büskens wird nicht gerne auf seinen Weggang aus Fürth angesprochen, der ihm im vergangenen Sommer so schwer gefallen war "wie noch keine Entscheidung in meinem Leben". Besonders schwer ums Herz wird dem Coach, wenn er nun zum ersten Mal seit seinem Wechsel nach Schalke an den Ronhof zurückkehrt.

Das Kleeblatt hatte unter Büskens-Nachfolger Ralf Loose lange Zeit eine gute Rolle in der Bundesliga gespielt, steht aber nach 31 Spielen auf dem Relegationsplatz und hat nach dem Schalke-Spiel noch das schwere Sechs-Punkte-Spiel beim HSV und das Gastspiel des FC Bayern vor sich.

Für Sentimentalität ist beim emotionalen Büskens aber kein Platz, denn seine Schalker haben nach wie vor die Chance auf den ersten Meistertitel des Clubs seit 55 Jahren - was das bittere Champions League-Aus in Paris in den Hintergrund rücken könnte. Der Dreierwettlauf an der Bundesligaspitze droht, den heldenhaften Kampf der Franken in den Hintergrund zu drängen. Doch Manager Rachid Azzouzi ist darüber nicht verbittert: "Wir haben in jedem Fall eine tolle Saison gespielt und müssen uns keine Vorwürfe machen. Vor allem ist die Spielvereinigung finanziell gesund und hat mit dem neuen Stadion erstklassige Perspektiven - egal, in welcher Liga".

2) Kehrt Lukas Podolski nach Köln zurück?

Der Verkauf von Podolski-Trikots half Arsenal im Herbst dabei, so manche Stadionrate abzubezahlen. Doch nach seiner zweimonatigen Verletzungspause verlor der Deutsche seinen Platz in der Startelf der Gunners an Aaron Ramsey. Seit dem Ligapokalspiel gegen Norwich City im Januar (1:2) stand der Kölner nicht einmal mehr in der Startelf der Londoner.

Die Sorge um seinen Platz in der Nationalelf konnte ihm Joachim Löw zwar nehmen, und Poldis beeindruckende Leistungen in den beiden WM-Qualispielen gegen Kasachstan (drei Tore, ein Assist) scheinen seine Stellung in der DFB-Auswahl tatsächlich zementiert zu haben. Aber glücklich ist Podolski in London nicht mehr. Auch wenn sein Vertrag noch bis 2016 läuft und er aus finanzieller Sicht nicht klagen kann, bahnt sich nach Informationen einer Boulevardzeitung nun ein spektakuläres Comeback an.

Wie die Zeitung erfahren haben will, hat ein Konsortium um Pierre Littbarski und Hanspeter Latour, das das seit eineinhalb Jahren anhaltende Machtvakuum beim FC beenden und endlich wieder eine professionelle Führung installieren will, Kontakt zum Idol aufgenommen. "Wer mich kennt, weiß, dass mein Herz immer noch am FC hängt", wird Lukas Podolski in der Zeitung zitiert.

Vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, in dem der FC seine letzte Chance auf den Wiederaufstieg wahrnehmen will, ist das für viele Kölner Fans ein Hoffnungsschimmer. Coach Friedhelm Funkel aber ärgert der Zeitpunkt der Medienenthüllung: "Ich denke nur an das Fortuna-Spiel. Alles andere wird von Ihnen hereingetragen".

3) Werden Frankfurter Fans im Mainzer Stadion auftauchen?

Nach "den guten Erfahrungen" mit dem polizeilichen Verbot des Verkaufs von Auswärtskarten für das DFB-Pokal-Achtelfinalspiel Kaiserslautern gegen Eintracht Frankfurt vor Weihnachten hatte die Polizei Rheinland-Pfalz ihren Beschluss bekräftigt, auch beim Bundesligaspiel des FSV Mainz 05 gegen die Eintracht einen leeren Auswärtsblock im Stadion zu verfügen.

Die DFL hatte ihren Widerstand gegen solche Maßnahmen bereits im Februar eingestellt, nachdem das Oberverwaltungsgericht der Freien Hansestadt Bremen das Verbot des Verkaufs von Karten für das Nordderby an HSV-Anhänger in zweiter Instanz bestätigt hatte. Damals waren zahlreiche Hamburger Anhänger dennoch nach Bremen gereist, von denen die meisten allerdings nicht durch die engmaschigen Personenkontrollen am Bremer Hauptbahnhof gelangt waren.

Während der FC St. Pauli weiter nach Nebenklägern für seinen Weg an den Europäischen Gerichtshof sucht, scheint sich die Liga inzwischen mit den neuen Verhältnissen abgefunden zu haben. Fachleute und Fanforscher beklagen jedoch einen zunehmende Skrupellosigkeit unter den Anhängern. Zwar wurden die HSV-Fans, die sich in grünen Schals ins Stadion geschlichen hatten, inzwischen von vielen anderen Supporters geächtet, aber "um Nachahmer abzuschrecken, brauchen wir dringend einen verbindlichen Fanausweis, in dem jeder Anhänger sich nur für einen Verein registrieren lassen darf - und nur für den bekommt er dann auch Karten", so ein Sprecher der Polizeigewerkschaft.

4) Wird Marc-André ter Stegen zum Anti-Matthäus?

Lothar Matthäus und Dante haben es getan. Marc-André ter Stegen kann das am Wochenende nicht passieren, wenn er gegen seinen künftigen Club Borussia Dortmund antritt. Sollte es einen Elfmeter für den BVB geben, kurz vor Schluss, dann besteht nicht mehr die Gefahr, dass der Nationalkeeper seinem alten Verein mit einem  möglichen Patzer schweren Schaden zufügt. Denn nach dem dramatischen 4:3-Sieg in Leverkusen ist Gladbach endgültig gerettet.

Stattdessen droht Ter Stegen ein Dilemma ganz anderer Art. Denn mit Glanzparaden gegen die Dortmunder könnte er seinen zukünftigen Arbeitgeber den Titel kosten. Nachfragen zu der Konstellation kontert der Schlussmann professionell: "Bis zum 30. Juni bin ich Angestellter von Borussia Mönchengladbach. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen". Willkommen heißen werden die Fans Ter Stegen so oder so. "Koan Ter Stegen"-Plakate wurden jedenfalls bisher nicht in Dortmund gesichtet.

Überhaupt gab es anders als beim Tauziehen zwischen Bayern und Dortmund um die Verpflichtung des Stuttgarter Senkrechtstarters Daniel Didavi kaum böses Blut um Ter Stegens Transfer. Selbst am Niederrhein ist man entspannt, bringt der Keeper-Wechsel doch genug Geld in die Kassen, um auch in der nun anstehenden Saison ohne Europacup problemlos das Budget  halten zu können. Sportdirektor Max Eberl gibt sich zudem seit Wochen selbstzufrieden. Mit dem Fürther Max Grün glaubt er einen  zwar nicht gleichwertigen, aber doch bundesligatauglichen Ersatz verpflichtet zu haben.

5) Sollte der HSV sich die Relegation sparen?

Sparen ist weiter das Gebot der Stunde beim HSV. Nach dem geglückten Klassenerhalt der Vorsaison war der Etat bekanntlich um weitere fünf Millionen Euro reduziert worden, denn, so Vorstandsvorsitzender Carl-Edgar Jarchow damals: "Wir können nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen".

Die junge Mannschaft von Thorsten Fink bewegt sich fast die gesamte Saison hindurch schon knapp über den Abstiegsplätzen, kann sich aber nicht absetzen. An diesem Wochenende bestünde nun die Chance dazu, eine Vorentscheidung für den Klassenerhalt herbeizuführen, wenn die Rothosen zu Gast in Freiburg sind. Sollte der HSV hier gewinnen und anschließend das Sky-Topspiel der Woche Nürnberg gegen Paderborn unentschieden enden, dann könnten die Hamburger nicht mehr schlechter als Sechzehnter werden - was vor dem Spiel gegen Fürth nächste Woche nicht unwichtig wäre.

Doch manche Stimmen in Hamburg fragen sich, ob man ein Relegationsspiel gegen den FC St. Pauli, das angesichts des momentanen Tabellenplatzes des Lokalrivalen nicht unwahrscheinlich anmutet, so leichtfertig aufgeben sollte. Schlließlich würde wohl jeder HSV-Fan verstehen, dass für so ein episches Duell ein Zuschlag auf den Topzuschlag fällig wäre - von den Fernsehgeldern ganz zu schweigen.

Riskant, sicher, aber Uwe Seelers Frau "hat das mal durchgerechnet" und kam zu dem Schluss, dass die Verschuldung des Clubs durch das Extraspiel signifikant gesenkt werden könnte. Vor allem, wenn der in Geheimdossiers geplante Eilantrag durchkommt, die Karten für den leer bleibenden Gästebereich doch noch an eigene Fans zu veräußern.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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