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Andalusischer Albtraum: Schalke in Trümmern - Assauer pöbelt

Zur Geisterstunde war für den FC Schalke 04 der Spuk vorbei. Exakt um 0.00 Uhr startete der FC Sevilla mit großem Feuerwerk in eine magische Nacht, den Schalke-Profis blieb dagegen nur das Schreckgespenst des geplatzten Finaltraums.

"Die Jungs sind sehr niedergeschlagen. Es ist sehr bitter, wenn man so nah dran ist", sagte Trainer Mirko Slomka nach dem mit 0:1 (0:0) in der Verlängerung verlorenen Halbfinal-Rückspiel im Uefa-Pokal. "Riesige Enttäuschung" empfand auch Teammanager Andreas Müller. "Es wird sicher ein paar Tage dauern, bis die Mannschaft das verkraftet hat."

Nach dem 0:0 im Hinspiel machte der eingewechselte Antonio Puerta in der 101. Minute mit einem fulminanten Schuss die Schalker Hoffnung auf den zweiten Triumph nach 1997 zunichte und führte seinen Club unter dem frenetischen Jubel der 45.000 Fans, die nach dem Abpfiff den Rasen stürmten und ausgelassen mit ihren Helden feierten, zum ersten Mal in ein europäisches Finale. Die spanischen Zeitungen waren am Freitag voller Wortspiele mit dem Namen des Torschützen. Puerta heißt Tür - und so jubelte "El Mundo": "Puerta stößt die Tür zum Himmel auf." Im Finale am 10. Mai in Eindhoven will das Team von Juande Ramos nun gegen den FC Middlesbrough nach den Sternen greifen.

"Zu wenig Plan nach vorne"

"Ein Tor kann ein Spiel entscheiden. Das ist geschehen. Leider auf der falschen Seite", klagte Slomka, dessen Elf die Pleitenserie der vergangenen Wochen mit einer ängstlichen Vorstellung fortsetzte. Die Revierelf war nicht in der Lage, in insgesamt 210 Minuten gegen den keineswegs übermächtigen spanischen Tabellen-Sechsten einen Treffer und als erstes deutsches Team überhaupt im Sànchez-Pizjuàn-Stadion ein Tor zu erzielen. "Klar, dass wir nicht alles auf eine Karte setzen und zu hohes Risiko eingehen wollten", verteidigte Slomka die abwartende Spielweise, mit der seine Elf den leidenschaftlichen und stürmischen Spaniern komplett die Initiative überließ. Eigener Tordrang war erst nach dem Rückstand zu erkennen - zu spät.

"Es zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Spiele", gestand Fabian Ernst. "Wir erspielen uns zu wenig Chancen und machen zu wenig Tore." Auch Frank Rost war frustriert: "Wir haben zwar viel Kampf gezeigt, aber zu wenig Plan nach vorne." Dennoch ist der Torhüter mit dem internationalen Abschneiden nicht unzufrieden. "In der Champions League hatten wir Pech. Da fehlte nur ein Tor. Und wenn man im Uefa-Cup-Halbfinale ausscheidet, kann man nicht von Enttäuschung reden."

"Sucht euch andere zum Sprechen"

Obwohl man beide Ziele - Platz drei in der Bundesliga und den Uefa-Cup-Sieg - verfehlte, zog Müller ein ähnlich moderates Fazit. Im Gegensatz zu Slomka ("Für das Halbfinale im Uefa-Cup und Platz vier in der Bundesliga können wir uns nichts kaufen") mochte Müller nicht von einer "verkorksten Saison" sprechen. "Sicher sind wir nicht ganz zufrieden. Aber wir gehören in der Bundesliga zu den besten Vier und haben das Halbfinale im europäischen Wettbewerb erreicht." Gleichwohl forderte er mit Blick auf 2007: "Es gibt Dinge aufzuarbeiten, aber mit Ruhe und Gelassenheit."

Dagegen rumorte es in Müllers "Vorgänger", Manager Rudi Assauer, angesichts der verpassten Chance auf weitere Millionen-Einnahmen und internationalen Imagegewinn so heftig, dass er sich zunächst einen Maulkorb verpasste. "Sucht euch andere zum Sprechen und lasst mich zufrieden", zischte er, um dann doch einen kleinen Einblick in seine Gemütslage zu gewähren: "Sauer und enttäuscht ist noch untertrieben".

Bayern-Spiel als Knackpunkt

Verständlich, denn unterm Strich stehen die Knappen mit leeren Händen da. Als Wendepunkt nach starkem Rückrundenstart unter Slomka haben die Verantwortlichen das 0:3 bei Bayern München ausgemacht. Es folgten fünf weitere Ligaspiele ohne Sieg, zuletzt gab es nur einen Erfolg in zehn Pflichtspielen. Beim Bayern-Spiel habe die Mannschaft einen "Knacks" bekommen, gab Slomka zu: "Danach haben wir unsere Zielstrebigkeit, Souveränität und Vision verloren, nochmal ganz nach oben zu kommen." Selbstkritisch fiel die Bilanz von Nationalspieler Ernst aus, der mit der Saison nicht zufrieden ist: "Es kann nicht der Anspruch von Schalke 04 sein, in der Liga Vierter zu werden und keinen Titel zu holen. Im nächsten Jahr müssen wir wieder angreifen."

DPA/kbe

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