VG-Wort Pixel

Bundesliga-Check: FC Augsburg Totgesagte leben länger


Der FC Augsburg will vermutlich dem kaufmännischen Geschick der Fugger entsprechen, denn in Sachen Neuzugänge bleibt Jos Luhukay bescheiden. Unter den Abgängen finden sich allerdings der beste Stürmer, der Kapitän und der Architekt des Erfolges. Wir haben dennoch Hoffnung.

Für die meisten Fußballfans stand bereits vor Saisonbeginn fest, der FCA spielt nur eine Saison im Konzert der Großen mit. In den letzten vier Spielen der Rückrunde konnte der FC Augsburg aber den VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach schlagen und erreichte ein Unentschieden gegen den HSV.

Diese Erfolgserlebnisse geben dem Tabellenvorletzten Hoffnung auf den Klassenerhalt. Nachdem Augsburg sich nun 17 Spiele lang auf der großen Bühne präsentieren durfte, wagen wir einen weiteren Ausblick.

Im Sommer war unser Fazit eindeutig: Der Kader der Augsburger ist nicht bundesligareif. Unter diesen Voraussetzungen macht Jos Luhukay einen guten Job. Der FCA zeigte in der zweiten Hälfte der Hinrunde, dass er mithalten kann. Die Defensive agierte zunehmend stabil und Augsburg wurde auch bei den Niederlagen keineswegs an die Wand gespielt.

Gegen Bayern hätten sie um ein Haar remis gespielt. Dennoch heißt der Status quo Tabellenplatz 17 und die Ausbeute liest sich bei drei Siegen aus 17 Spielen bescheiden.

Falschester Satz aus dem Sommer-Check

Die Leistungen der Augsburger bestätigten unsere Einschätzungen des Sommerchecks größtenteils. Wir haben uns mal den Satz rausgepickt:
"Auch nach dem Aufstieg holten die Schwaben nur Verstärkungen mit Zweitligaformat wie Sascha Mölders (FSV Frankfurt), Dominic Peitz (FC Union), Sebastian Langkamp (Karlsruher SC), Edmond Kapllani (SC Paderborn), oder gar aus der 3. Liga wie Patrick Mayer (FC Heidenheim).“ Zumindest Sascha Mölders und Sebastian Langkamp konnten mit Abstrichen unter Beweis stellen, dass sie im Abstiegskampf der ersten Bundesliga durchaus verlässliche Größen für den FCA darstellen.

Größte Enttäuschung

Kapitän Uwe Möhrle wurde vor der Saison als Stammspieler und Leistungsträger eingeplant. Nach einem schwachen Saisonstart wurde er zunächst auf die Bank verbannt, kämpfte sich zurück ins Team, bis eine Verletzung ihn erneut aus der ersten Elf beförderte. Insgesamt fehlte ihm der nötige Rückhalt und das Vertrauen der Verantwortlichen, um weiter in Augsburg bleiben zu wollen. Nach viereinhalb Jahren wechselte Möhrle Ende Dezember nach Cottbus. Energie bot ihm einen Vertrag bis 2014, zudem eine Zukunft außerhalb des Rasens an.

Neben dem enttäuschenden Abgang und Umgang mit Michael Thurk, ist die Flucht des Kapitäns die zweite Enttäuschung der Hinrunde. Damit nicht genug, wurde auch außerhalb des Platzes ein schmerzlicher Abgang bekannt. Manager Andreas Rettig verlässt den Verein zum Saisonende. Neben einigen Abgängen gibt es aber auch neue Gesichter und somit neue Hoffnung in Augsburg.

Hoffnungsträger

Jan Moravek wurde vom FC Schalke 04 bis zum Saisonende ausgeliehen. Der talentierte Tscheche (1 Länderspiel) half in der vergangenen Saison entscheidend dabei mit, den 1. FC Kaiserslautern vor dem Abstieg zu bewahren. Moravek erzielte fünf Tore und gab zwei Vorlagen im Trikot der Roten Teufel. "Jan Moravek ist ein Offensivspieler, der unserem Spiel durch seine Kreativität zusätzliche Impulse geben kann und uns helfen wird, unser großes Ziel des Klassenerhaltes zu erreichen“, ist Trainer Jos Luhukay von den Qualitäten des Schalkers überzeugt.

Die größte Schwäche des Augsburger Kaders ist die Offensivabteilung. Mit nur 15 geschossenen Toren ist der FCA-Angriff hinter Kaiserslautern (13 Treffer) die zweitschlechteste Abteilung Attacke der gesamten Liga. Ob die Verpflichtung von Jan Moravek ausreicht, um hier entscheidend an Schlagkraft hinzuzugewinnen, ist fraglich. Ein weiterer Offensivakteur mit Bundesligaerfahrung wäre sicherlich nötig. Wir haben einen Experten befragt, ob die Riege Sascha Mölders, Edmond Kapllani, Stephan Hain, Nando Rafael sowie Torsten Oehrl und Daniel Baier für den Klassenerhalt ausreicht.

Frage an den Fachmann

Gerade in der Offensive ist der FCA qualitativ dünn besetzt. Auch nach der Ausleihe von Jan Moravek, der auch als offensiver zweiter Sechser zum Einsatz kommen könnte, bleibt der Angriff der Augsburger eine relativ stumpfe Waffe. Ist das wirklich das Hauptproblem der Augsburger, und wie könnte dieser Schwäche entgegengewirkt werden?

Robert Götz (Sportredaktion, Augsburger Allgemeine):

Es war schon eine Riesenüberraschung für alle Beobachter als der FCA seine Gallionsfigur im Sturm, Michael Thurk (35), kurz vor Saisonstart suspendierte. Im 4-2-3-1-System von Trainer Jos Luhukay war Neuzugang Sascha Mölders gesetzt, die FCA-Verantwortlichen hatten Angst, dass Thurk sich mit seiner Rolle als Ersatzspieler nicht zufrieden geben würde. Damit hatte sich der FCA natürlich einer guten Option im Sturm beraubt.

Zuerst schien die Rechnung aber aufzugehen, da Sascha Mölders in den ersten beiden Spielen drei Tore erzielte. Doch dann war der Überraschungseffekt dahin, die Gegner stellten sich immer besser auf das defensiv ausgelegte Spiel des FCA mit zwei Sechsern ein. Besonders auf den Außenbahnen fehlte dem FCA im Verlauf der Vorrunde die Durchschlagskraft. Selten gelang es hinter die gegnerische Abwehr zu kommen. Sascha Mölders stand oft im Sturmzentrum allein auf weiter Flur. 12 Spiele blieb er darum auch ohne Treffer.

Neben qualitativen Defiziten und Anpassungsschwierigkeiten an das Bundesliga-Niveau hatte der FCA auch großes Verletzungspech in der Offensive. Nando Rafael, Marcel Ndjeng, Torsten Oehrl, Stephan Hain, Patrick Mayer und auch Mittelfeldspieler Axel Bellinghausen fielen mehr oder weniger lange aus. Zudem konnte Nando Rafael nach seiner Verletzung nicht an seine Form aus dem Aufstiegsjahr anknüpfen.

In der Rückrunde hat Trainer Jos Luhukay jetzt wieder mehr Alternativen. Besonders Torsten Oehrl als Zehner hinter den Spitzen könnte für mehr Druck nach vorne sorgen. Wichtig wird es sein, dass der FCA seine Effektivität auf den Außenbahnen steigert. Wie weit Neuzugang Jan Moravek dazu beitragen kann, wird man sehen. Gut möglich, dass der FCA auch noch einmal auf dem Transfermarkt tätig wird.

Egal wie, ein großes Offensiv-Feuerwerk wird der FCA aber auch in der Rückrunde nicht abbrennen. Trainer Jos Luhukay setzt im Kampf um den Klassenerhalt zuerst auf eine gesicherte Defensive. Er wird nicht groß von seinem System mit einem Stürmer abgehen, aber mit den größeren personellen Auswahlmöglichkeiten, sollte der FCA-Sturm in der Rückrunde mehr als ein laues Lüftchen sein.

Prognose

Augsburg ist und bleibt der Underdog der Liga. Der Kader besitzt nur, wenn einige Spieler (Hosogai, Mölders, Langkamp, de Jong, Baier) ihre absolute Leistungsspitze erreichen, dauerhaft Konkurrenzfähigkeit. Jan Moravek ist eine sinnvolle Verstärkung, allerdings haben auch die direkten Konkurrenten gehandelt. Paul Verhaegh benennt die abstiegsunwilligen Mitstreiter: "Freiburg, Nürnberg und Kaiserslautern werden unsere stärksten Konkurrenten im Abstiegskampf sein“, so der Niederländer laut Augsburger Allgemeine.

Kaiserslautern holte mit Nicolai Jörgensen und Jakub Swierczok zwei Stürmer, Nürnberg verstärkte sich mit Adam Hlousek und Hanno Balitsch und der SC Freiburg holte mit Fallou Diagné einen neuen Innenverteidiger und nicht zuletzt gab es einen Wechsel auf der Trainerposition. Am Ende könnte der FCA mit seiner vorsichtigen Transferpolitik die finanziellen Rahmen einhalten, aber den Klassenerhalt verpassen. Die überwiegende Mehrzahl der Prophezeiungen und Vorhersagen wären damit eingetroffen.

Michel Massing 

sportal.de sportal

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker