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FC Bayern Fan-Kolumne

FC Bayern: Niko Kovac überrascht und gewinnt - doch für Liverpool braucht er einen Plan B

Der FC Bayern knüpft an die Siege vor der Winterpause an und schlägt Hoffenheim klar. Trainer Niko Kovac machte vieles richtig, zeigte aber erneut fehlenden taktische Finesse beim sogenannten In-Game-Coaching.

Von Stefan Johannesberg

FC Bayern - Niko Kovac und Thomas Müller beim Bundesliga-Spiel in Hoffenheim

FC Bayern-Coach Niko Kovac mit Thomas Müller in Hoffenheim: Gegen Liverpool in der Champions League braucht es einen Plan B

Getty Images

Leon Goretzka auf der Zehn, Thomas Müller als falscher Rechtsaußen, Robert Lewandowski als hängende Spitze und Mats Hummels statt Jerome Boateng: Trotz des altbekannten 4:2:3:1-Systems überraschte Niko Kovac zum Auftakt der Rückrunde bei der TSG Hoffenheim mit einschneidenden Veränderungen in der Startelf. Gnabry und James saßen trotz des Fehlens von Robbery nur auf der Bank, Sandro Wagner war gar nicht erst im Kader. 

FC Bayern: Goretzka unter Kovac Stammspieler

Neben Niklas Süle, den Kovac in der Innenverteidigung ganz klar als gesetzt ansieht, avanciert vor allem der Ex-Schalker Leon Goretzka zum Schlüsselspieler im zweikampfstarken Gegenpressing-System der Bayern. Spielte er am Ende der Hinrunde noch auf der Doppelsechs und "stopfte Löcher", wie er selbst nach dem Spiel zu Protokoll gab, so konnte er gegen Hoffenheim als Zehner seine körperliche Power und Torgefahr zur Geltung bringen. Zwei Buden von Goretzka selbst und eine überragend-dominante erste Hälfte des FC Bayern legen eindrucksvoll Zeugnis ab.

"Wir haben da mal was gefunden", frohlockte der im Fokus stehende Kovac lachend und schwärmte von dessen Stärken: "Er ist ein Spieler, der in beide Richtungen sehr gut arbeitet, der defensiv parat ist, der schnell ist, der zielstrebig ist, der auch in die Tiefe gehen kann." Besser kann man den Prototyp für Kovac-System nicht umschreiben. Befreit vom Löcher stopfen und der strategischen Spieleröffnung auf der Sechs kann Goretzka jetzt in jedem Spiel den Unterschied machen – für die nächsten Jahre.

Alte Taktik, stabilere Umsetzung in erster Hälfte

Am Anfang der Saison gegen Stuttgart oder bei den ersten 30 Minuten gegen Dortmund hatte die Gegenpressing-Taktik, damals jedoch im etwas anders gestaffelten 4:3:3, schon gut funktioniert. Gegen Hoffenheim schafften es die Bayern nun so, in einem Spitzenspiel über 45 Minuten zu dominieren. Neben Goretzka vertraut Kovac dabei vor allem auf zwei weitere zweikampf- und laufstarke sowie torgefährliche Pressing-Spieler: Thomas Müller und Robert Lewandowski.

Thomas Müller zog gegen Hoffenheim trotz nomineller Flügelrolle immer nach innen und schafft so Räume wie Torgefahr. Lewandowski, mittlerweile als dritter Kapitän, ließ sich immer wieder fallen, um ebenfalls die Abwehr auseinanderzuziehen und Anspielstationen für Thiago und Co. zu schaffen. So beschäftigte das Trio den Großteil der Gegner. Alaba und Kimmich machten derweil das Spiel breit, Coman schnitt beizeiten in die geschaffenen Räume wie das Messer durch die Butter, während Süle, Martinez und Hummels alle erpressten, langen Bälle abfingen. Die zweite Hälfte offenbarte jedoch die große Schwäche des Niko Kovac.

In-Game-Coaching: Niko Kovac mutlos und planlos

2006 und 2012 verlor Deutschland gegen Italien, weil Joachim Löw im Trainerduell gegen Lippi und Prandelli versagte. Vor allem 2012 war der Unterschied zum italienischen Trainer deutlich. Während Prandelli nach 15 Minuten Pirlo aus der Manndeckung von Kroos (sic!) nahm, hielt Löw konservativ an seiner Taktik fest – und verlor.

Kovac agiert ähnlich vorhersehbar. Als Nagelsmann sein Team nach der Pause früher angreifen ließ und anders positionierte, reagierte Kovac trotz mehrerer Hoffenheimer Chancen erst in der 72. Minute - konservativ mit einem normalen Positionswechsel, der keine Verbesserung oder Sicherheit ins Spiel der Bayern brachte. Nagelsmann sah dies so: "Wir haben versucht, mehr Druck auf die erste Reihe zu bekommen. Bayern hat etwas gebraucht, sich darauf einzustellen und erst durch die Einwechslung von James (80.) wieder besser ins Spiel gefunden. Wir haben mit Ball viel mutiger gespielt, nicht so lange gebraucht wie in der ersten Halbzeit."

Für Liverpool ist nur Plan A zu wenig

Gegen Liverpool könnte Niko Kovac auf dieselbe Startelf setzen. Um gegen die ebenfalls als Pressing-Maschine daherkommende Klopp-Truppe an der Anfield Road jedoch erfolgreich zu bestehen, braucht es zudem Lösungen und Pläne B bis D jenseits der für 45 oder 60 Minuten funktionierenden Standardvariante. Irgendwie muss Kovac seinem Team eine dichtere Defensive und ein unter Druck sicheres, schnelles Passspiel beibringen, ansonsten könnte diese Saison trotz momentan positiver Resultate seine erste und letzte gewesen sein.

In der nächsten Kolumne werfen wir einen Blick in Zukunft und Vergangenheit gleichermaßen. Wer ist der beste Bayern-Trainer aller Zeiten? Wo steht Pep Guardiola und wo reiht sich Niko Kovac nach der Saison in  der ewigen Rangliste des FCB ein?

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