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Champions-League-Halbfinale gegen Real Bayern triumphiert im Elfer-Drama


Die Bayern stehen im Finale von München: In einem packenden Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid fiel die Entscheidung im Elfmeterschießen - mit einem Helden auf der Linie.
Von Tim Schulze

Die Bayern haben sich ihren Traum erfüllt: Nach dem Sieg im Elfmeterschießen gegen Real Madrid sind sie in das Champions-League-Finale eingezogen, das am 19. Mai in München stattfindet - die Bayern sind jetzt "dahoam" und haben die große Chance, zum fünften Mal in ihrer Clubgeschichte den Champions-League-Titel bzw. den Landesmeisterpokal zu gewinnen. Der Gegner heißt FC Chelsea, das am Dienstag sensationell Barcelona aus dem Wettbewerb geworfen hatte.

Nach 90 Minuten stand es im Rückspiel im Bernabeustadion 2:1 für Real Madrid, mit dem gleichen Ergebnis hatten die Münchner das Hinspiel zu Hause gewonnen. Als in der Verlängerung kein weiterer Treffer fiel, ging es ins nervenaufreibende Elfmeterschießen. Das war die Stunde von Bayern-Keeper Manuel Neuer, der die beiden ersten Strafstöße Reals durch Cristiano Ronaldo und Kaka parierte. Real zog zwischenzeitlich gleich, weil Toni Kroos und Philipp Lahm ebenfalls vergaben. Doch nach einem weiteren Patzer durch Sergio Ramos, der den Ball in den Nachthimmel beförderte, behielt Bastian Schweinsteiger die Nerven und schoss den deutschen Rekordmeister ins Finale von München.

Badstuber, Gustavo und Alaba fehlen im Finale

Nach dem Siegtreffer gegen das Team von José Mourinho, der während des Elfmeterschießens am Spielfeldrand gekniet hatte, riss sich Schweinsteiger das Trikot vom Leib und jubelte wie entfesselt mit den heraneilenden Mitspielern. Eine bittere Note hat der Erfolg: Luiz Gustavo, Holger Badstuber und David Alaba fehlen wegen ihrer dritten gelben Karte im Endspiel in der Allianz Arena.

Bayern-Coach Jupp Heynckes, der mit Real Madrid 1998 den Champiopns-League-Titel gewonnen hatte, war dennoch überglücklich: "Das war eine magische Nacht. In den ersten 15 Minuten hatten wir große Schwierigkeiten. Dann haben wir über weite Strecken überragenden Fußball geboten. Ich freue mich besonders für meine Spieler und die Verantwortlichen im Club." Auch Elfmeter-Killer Neuer gab sich selbstbewusst: "Wir haben alle hart daraufhin gearbeitet. Wir waren in beiden Spielen mindestens auf Augenhöhe und haben am Ende verdient gewonnen. Ich wollte unbedingt die Elfmeter halten. Das Glück spielt natürlich auch eine Rolle. Schön, dass wir noch zwei Finals haben." Neben dem Endspiel in der Königsklasse stehen die Bayern im DFB-Pokalfinale, das am 12. Mai in Berlin gegen den deutschen Meister Borussia Dortmund ausgetragen wird.

Bayern erwischt Fehlstart

Dabei starteten die Münchner denkbar schlecht gegen Real Madrid. Sie wurden durch Cristiano Ronaldos Doppelschlag eiskalt erwischt, kämpften sich aber bravourös zurück. Angetrieben von Toni Kroos und Robben, der sich durch eine vergebene Großchance zu Beginn nicht entmutigen ließ, erarbeiteten sich die Bayern in der packenden Partie dennoch ein Chancenplus. Im Abschluss fehlte allerdings die Entschlossenheit. Allen voran Mario Gomez vergab mehrfach in aussichtsreicher Position. Auch die anfangs überforderte Abwehr steigerte sich und ließ später kaum noch etwas zu.

Gerade einmal acht Sekunden waren gespielt, als Manuel Neuer beim Abschlag am Ball vorbeitrat, und diese Szene hatte fast Symbolcharakter. Konnte Neuer in der 3. Minute gegen den frei zum Schuss kommenden Sami Khedira noch ein Gegentor verhindern, so war er wenig später gegen Tormaschine Ronaldo machtlos. Der Portugiese traf vom Elfmeterpunkt aus, nachdem David Alaba einen Schuss von Angel di Maria aus kurzer Distanz mit der Hand abgeblockt hatte, und erzielte im 58. Pflichtspiel der Saison sein 61. Tor.

Robben hat Nerven

Die Bayern steckten den Rückstand aber erstaunlich gut weg und hätten postwendend durch Robben ausgleichen müssen. Dem Niederländer spielten allerdings ähnlich wie zwei Wochen zuvor beim 0:1 in Dortmund die Nerven einen Streich, als er Alabas Flanke aus fünf Metern über den Kasten jagte (8.). Doch schon nach knapp einer Viertelstunde schien das Konzept der Münchner mit dem zweiten Gegentreffer endgültig über den Haufen geworfen. Nach Ballverlust von Kroos bediente Mesut Özil Cristiano Ronaldo, der Neuer mit einem platzierten Flachschuss aus 14 Metern keine Chance ließ.

Erst ein Schubser von Reals Abwehrspieler Pepe gegen den zum Kopfball ansetzenden Mario Gomez brachte die Bayern ins Spiel zurück. Trotz seines frühen Fehlschusses schnappte sich Robben den Ball und trat zum Strafstoß an, mit dem er Iker Casillas zum Anschlusstor überwand. Sieben Minuten später verpasste Gomez die große Chance zum 2:2, als er frei vor dem Real-Tor zum Abschluss kam, aber Casillas anschoss. Dann scheiterte Robben per Freistoß am spanischen Nationalkeeper (45.+1). Die Bayern hatten in der temporeichen und hochklassigen Partie endgültig die Spielkontrolle übernommen.

Neuer geht volles Risiko

Die Gäste setzten auch nach der Pause das erste Achtungszeichen, als Gomez' Kopfball knapp am Real-Gehäuse vorbeiflog (48.), weitere Offensivaktionen waren allerdings Mangelware. Dafür gelang es nun immer häufiger, die Spanier trotz manch guter Idee von Özil vom eigenen Tor fernzuhalten. Auch der anfangs so starke Ronaldo konnte sich nun kaum noch in Szene setzen - vielleicht auch eine Folge der Belastung durch den Clasico am Samstagabend gegen den FC Barcelona.

Je länger das Spiel dauerte, desto vorsichtiger agierten die beiden Kontrahenten – ein Tor zu diesem Zeitpunkt hätte wohl die Entscheidung bedeutet. In den Schlussminuten der regulären Spielzeit übernahmen die Bayern noch einmal das Kommando und Mario Gomez vergab in der 86. Minute nach starker Vorarbeit von Alaba und Robben die Entscheidung. In der Verlängerung gab es auf beiden Seiten noch einige brenzelige Situationen allerdings ohne klare Torchancen. Der Kraftverlust war bei beiden Teams deutlich spürbar. Manuel Neuer riskierte noch einmal alles, als er im Strafraum in einen Zweikampf mit dem eingewechselten Esteban Granero ging. Als der sich fallen ließ, zeigte der stets sehr souveräne, ungarische Schiedsrichter Victor Kassai dem Spanier die gelbe Karte wegen einer Schwalbe. Dabei hatte Neuer Granero leicht am Trikot gezupft.


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