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EM 2008: Heiße Phase im "Titelunternehmen 2008"

Vor der EM-Generalprobe gegen Serbien sorgt der formschwache Keeper Jens Lehmann für Diskussionen. Bundestrainer Joachim Löw stärkt seiner Nummer eins zwar weiterhin den Rücken. Gleichwohl darf sich der 38-Jährige keine weiteren Patzer mehr erlauben.

Erst gewinnen, dann erholen: Bevor Joachim Löw seine 23 EM-Spieler noch einmal in einen zweitägigen Kurzurlaub schickt, sollen die Anhänger mit einer überzeugenden Generalprobe gegen Serbien in Europameisterschafts-Optimismus versetzt werden. "Wir sehen das Spiel auch als Dank an die Fans und als Verabschiedung, bevor wir zum Turnier in die Schweiz reisen", erklärte der Bundestrainer zum letzten EM-Test am Samstag (17.30 Uhr/ARD) in Gelsenkirchen. Vor allem aber geht es darum, die Zweifel an der Titel-Tauglichkeit des deutschen Fußball-Nationalteams zu zerstreuen. "Wir erwarten eine gute Mannschaft, die uns nochmal alles abverlangt, das brauchen wir", betonte Michael Ballack, der für den letzten EM-Test das "Einspielen" der vermutlichen Stammelf gefordert hatte.

Löw wird den Wunsch seines Kapitäns zum großen Teil erfüllen, aber im Angriff will er weiter experimentieren. "Michael ist schon ein wichtiger Spieler. Wir sind da nicht weit auseinander", erklärte Löw-Assistent Hansi Flick am Freitag vor der Abreise des DFB-Trosses von Palma nach Dortmund und der anschließenden Weiterfahrt in die Sportschule Kaiserau. "Auf der einen oder anderen Position" sollen sich gegen die Serben, die mit einer ähnlichen Spielweise und Aggressivität erwartet werden wie EM-Auftaktgegner Polen, nochmals nachdrängende Akteure beweisen. "Gegen Weißrussland haben Miro Klose und Lukas Podolski gespielt", sagte Flick und kündigte an, dass "dieses Mal ein anderes Pärchen beginnt". Das dürfte vom Schalker Kevin Kuranyi und dem Stuttgarter Mario Gomez gebildet werden.

"Nicht egal, wie er spielt"

Kapitän Ballack und auch Chef Löw wissen genau, dass nur eine deutliche Steigerung gegenüber dem jüngsten 2:2 gegen Weißrussland die Debatten um die derzeitigen Baustellen im Team beenden oder zumindest abmildern kann. "Den unbedingten Willen, um den uns auch andere Nationen beneiden - das müssen wir wieder hinbekommen", betonte Ballack. Acht Tage vor dem Ernstfall am 8. Juni in Klagenfurt werden die Blicke vor allem auf den zuletzt wieder flatternden Torwart Jens Lehmann und den um seine Form ringenden Innenverteidiger Christoph Metzelder gerichtet sein.

Zwar ist die sportliche Leitung weiter überzeugt, "dass beide Spieler schnell in Form kommen", wie Flick sagte. Er schloss aber auch deutliche Erwartungen für das Serbien-Spiel in Richtung Lehmann an: "Es ist nicht egal, wie er spielt." Explizit strich die rechte Hand des Bundestrainers die "tollen Trainingsleistungen" von Robert Enke und René Adler in den knapp zwei Wochen auf Mallorca heraus: "Auch von da ist Druck da." Ein Plan B, falls Lehmann im letzten EM- Test erneut schwächelt, ist im "Drehbuch" von Löw und Flick für das "Titelunternehmen 2008" allerdings nicht vorgesehen.

"Feinschliff" im Tessin

Trotz der Fragezeichen vor allem zur Leistungsfähigkeit des Defensiv-Verbundes zeigten sich die Verantwortlichen des DFB-Teams mit den elf Tagen auf der Sonneninsel - allerdings mit viel Regen - zufrieden. "Es war eine sehr wichtige Zeit für die Spieler", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff und verwies insbesondere auf die professionelle Fitness-Schulung, das Team-Building und auch auf den Anteil der drei aussortierten Profis Jermaine Jones, Patrick Helmes und Marko Marin. "Wie ich höre, ist es von der Atmosphäre und vom Klima gut gelaufen", ergänzte DFB-Präsident Theo Zwanziger, der sich selbst mit einem Muskelfaserriss herumplagt. "Besser ich als Ballack", witzelte der DFB-Chef am Freitag bei einem Termin in Bonn.

Dass alle 23 Spieler inklusive der zuletzt angeschlagenen Bastian Schweinsteiger und Marcell Jansen gesund aus Mallorca zurückkehren konnten, wertete Bierhoff als gute Grundlage für den "Feinschliff" in der kommenden Woche im Tessin. Der Konkurrenzkampf wird auch dort weitergehen, besonders unter den fünf hochkarätigen Stürmern. "Jetzt muss jeder beweisen, was er kann", sagte Kuranyi zur "heißen Phase", die mit dem Serbien-Spiel beginnt.

Kapitän Ballack spricht vom EM-Titel

Vor Lehmann wird auf Schalke die Viererkette mit Philipp Lahm, Per Mertesacker, Metzelder und Jansen getestet. Im Mittelfeld dürften Clemens Fritz, Torsten Frings, Ballack und Schweinsteiger auflaufen, obwohl Löw für die linke Mittelfeldseite im Training auch Thomas Hitzlsperger testete. Und vorn sollen zunächst Kuranyi und Gomez auf Torejagd gehen. Die EM-Erwartungen im WM-Land von 2006 sind hoch, wie DFB-Sportdirektor Matthias Sammer am Freitag nochmals verdeutlichte. "Ich will den Druck nicht erhöhen. Aber ich gehe trotzdem davon aus, dass wir Europameister werden", übermittelte der Europameister von 1996 - ganz unbescheiden - aus Bonn.

Jens Mende und Klaus Bergmann/DPA / DPA

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