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EM 2016: Die Vorrunde konnte alles - außer Spannung

Für viele Fans geht die EM 2016 erst jetzt los, weil es in die K.O.-Runde geht. Dabei hatte auch die Vorrunde schon deutlich mehr zu bieten als Langeweile. Eine Zwischenbilanz.

Drei Bilder zeigen Jérôme Boateng bei seiner Rettungstat, Cristiano Ronaldo auf dem Platz und feiernde irische Fans im Stadion

Schon in der Vorrunde der EM 2016 hat es Szenen gegeben, die wohl in Erinnerung bleiben werden

Nun ist sie vorbei: die Vorrunde dieser EM, die sich unangenehmer zog als ein Kaugummi zwischen heißem Asphalt und Schuhsohle. Nach 36 Spielen stand bei den meisten Fußball-EMs längst der Sieger fest. Doch die EM-Vorrunde hat auch positive Überraschungen gebracht. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

"Ich habe fünf Stunden Fußball geschaut und fast ein Tor gesehen", sagte Homer Simpson einst. So fühlte man sich teilweise beim Schauen der Vorrunden-Spiele. Die so genannten "kleinen" Mannschaften, die im Kampf mit den "Großen" alles in die Waagschale "Defensive" warfen, hatten Erfolg. Am Ende der Vorrunde stehen im Schnitt 2,1 Tore pro Spiel zu Buche. Mit dem Sechs-Tore-Spiel Ungarn-Portugal feierte die Vorrunde immerhin einen versöhnlichen Ausklang.

Ungarn überrascht nicht nur die Österreicher

Wer hätte gedacht, dass in diesem Spiel zwei der Überraschungsmannschaften der bisherigen EM aufeinandertreffen? Und zwar Ungarn als positive Überraschung und Portugal als negative. Zuerst bekamen es die Österreicher mit den Ungarn zu tun - und kassierten im Auftaktspiel prompt eine 0:2-Schlappe. Die Österreicher wirkten gelähmt vom Erwartungsdruck an ihr Team, das so souverän wie kein anderes die EM-Qualifikation gespielt hatte. Den Ungarn merkte man dagegen die Freude an, endlich mal wieder bei einem großen Turnier dabei zu sein. Und so schaffte Ungarn noch ein Unentschieden gegen Island und eben das spektakuläre 3:3 gegen Portugal.

Mit zwei Toren und einer Vorlage zeigte Cristiano Ronaldo gegen Ungarn endlich mal, was er auf dem Platz kann. Zuvor war er fast nur negativ aufgefallen. Nach dem Unentschieden gegen Island hatte Ronaldo geätzt: "Sie haben gefeiert, als wären sie Europameister geworden, es war unglaublich. Meiner Meinung nach zeugt das von kleiner Mentalität, deswegen werden sie nichts erreichen." Immerhin ist Island als Tabellenzweiter der Gruppe F - und somit vor Portugal - ins Achtelfinale eingezogen. Ronaldo verschoss gegen Österreich einen Elfmeter, posierte aber nach dem Abpfiff mit einem Flitzer für ein Selfie. Vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Ungarn warf er dann genervt das Mikrofon eines Reporters in einen See. Mit seinem Auftritt im Spiel konnte Ronaldo seine Götterdämmerung aber doch noch abwenden.

Cristiano Ronaldo Selfie

Zlatan Ibrahimovic verlässt die große Bühne

Anders erging es einem anderen Ego-Monster: Zlatan Ibrahimovic. Kein Tor. Kein Ibrakadabra. Stattdessen ein unspektakuläres Ende seiner Nationalmannschaftskarriere. Nicht nur er selbst hatte sich von der EM in Frankreich mehr erhofft. "Es fühlt sich hart an, es fühlt sich enttäuschend an", sagte Ibrahimovic, als er die Arena weit nach Mitternacht im feinen Zwirn verließ.

Wer überraschenderweise seinen Frankreich-Aufenthalt verlängern darf, ist das Team aus Island. Sie haben nicht nur Ronaldo genervt, sondern sich gegen Ungarn nur mit einem späten Eigentor um den Sieg gebracht. Und richtig Stimmung gemacht haben die isländischen Fans ebenfalls. Wenn das Team am Montag auch noch das Achtelfinale gegen England gewinnen sollte, platzt dem Kommentator des isländischen Fernsehens wahrscheinlich der Kopf.

Noch sympathischer als die isländischen Fans kamen nur die Iren rüber. Egal, ob die Fans eine schöne Frau besingen oder ein Autodach wieder ausbeulen, das sie selbst eingedellt hatten - spaßigere Aktionen hat keine Fangruppe in Frankreich gebracht.

Ganz anders einige Idioten aus Russland, England, Kroatien und Deutschland. Dass Hooligans wieder einmal für so viel Ärger sorgen, hatte vor der EM wohl kaum jemand erwartet. Schade, dass es solche Szenen achtzehn Jahre, nachdem deutsche Hooligans den französischen Gendarmen Daniel Nivel fast totgeprügelt haben, noch immer gibt.

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Bis ins Finale der EM 2016 - mindestens

Und aus deutscher Sicht? Das DFB-Team hat zu Turnierstart noch kein Offensivfeuerwerk abgebrannt, aber ist mit zwei Siegen, einem Unentschieden und ohne ein einziges Gegentor durch die Vorrunde gekommen. Letzteres ist auch Jérôme Boateng und seiner grandiosen Rettungstat gegen die Ukraine zu verdanken. Die Szene, wie er den Ball volley von der Linie tritt und dabei rücklings ins Tor fliegt, wird den deutschen Fans noch sehr lange in Erinnerung bleiben.

Nun also startet die K.O.-Runde der EM 2016. Bleibt zu hoffen, dass die kommenden Spiel mehr Spannung und mehr Tore bringen - und das DFB-Team es bis ins Finale schafft. Mindestens. 

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