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Vor dem Viertelfinale Warum England nicht Europameister wird und Belgien jetzt endlich mal dran ist

Belgische Spieler feiern den Einzug ins EM-Viertelfinale
Belgiens Spieler feiern den Einzug ins Viertelfinale. Jubeln sie auch am Ende? Dran wären die Roten Teufel mal.
© Alexander Hassenstein / AFP
Gewöhnen wir uns daran: Wenn es richtig spannend wird bei den großen Turnieren, ist Deutschland nicht mehr dabei. Es tröstet wenig, dass das vorweggenommene Endspiel in München steigt. Was steht sonst noch an bei der EM?

Endlich wieder richtig guter Fußball in der Münchner EM-Arena. Gerade weil die Löw-Truppe nicht mehr im Turnier ist und dementsprechend nicht auf dem Platz steht. Am Abend (21 Uhr / live im ZDF, auf MagentaTV und im stern-Ticker) steigt in dem wieder nicht bunt erleuchteten Stadion vielmehr das "vorweggenommene Finale", und da hat "die Mannschaft" – seien wir ehrlich – in ihrer aktuellen Verfassung ebenso wenig verloren wie im tatsächlichen Finale am kommenden Sonntag.

Wer ist jetzt Favorit? England nicht!

Im Gegensatz zu den Belgiern und den Italienern, die nach den bisherigen Leistungen durchaus Endspiel-tauglich sind. Vor allem die Azzurri beeindrucken mit einer neuen Leidenschaft: sie schießen Tore! Und was die einstigen Großmeister des 1:0-Sieges so stark macht ist, dass sie trotzdem hinten dicht halten – zuletzt 30 Spiele lang, ehe gegen Österreich mal wieder ein Ball im eigenen Netz zappelte. Seit rund zwei Jahren hat Italien kein Länderspiel mehr verloren. Der Wert solcher Serien beweist sich aber erfahrungsgemäß erst in den entscheidenden Phasen eines großen Turniers, also jetzt!

Belgien ist schon länger die Nummer eins der Fifa-Weltrangliste und mit seiner aktuellen Generation eigentlich mal dran mit einem Titel. Es wäre unseren Nachbarn zu wünschen, denn sie haben tatsächlich noch nie einen EM- oder WM-Pott hochreißen dürfen. Am nächsten dran waren sie bei der EM 1980, aber da war im Finale Horst Hrubesch vor. Blöd, dass ihre Superstars Kevin de Bruyne und Eden Hazard ausgerechnet jetzt nicht auf der Höhe sind. Ob sie spielen können? Unklar. Aber auch ohne die beiden haben die Roten Teufel eine Mannschaft, die Italien schlagen kann.

Und wer kommt noch für den Titel in Frage? England auf jeden Fall nicht. Sie glauben, weil sie Deutschland mal geschlagen haben, seien sie auf dem Weg zum Titel. Speziell diesmal ist das ein Trugschluss. Sie waren nur die bessere von zwei eher biederen Mannschaften. Dagegen ist Spanien immer besser geworden. Das Team läuft inzwischen wie ein gut geölter Motor. Wer braucht Stars von Real Madrid wenn er 26 Spieler gleichen Typs und gleicher Klasse haben kann, die jeden schwindelig spielen können. Coach Luis Enrique jedenfalls nicht. Er hält seine Truppe für die bisher stärkste des Turniers. Aber nur, wenn sie nicht wieder dem Chancenwucher verfallen.

+++ Den Überblick und die Live-Ticker für die kommenden EM-Spiele finden Sie hier +++

Mit wem können wir jetzt halten?

Am frühen Abend (18 Uhr / live im ZDF, auf Magenta TV und im stern-Ticker) muss die Furia Roja erst einmal gegen "Weltmeisterkiller" Schweiz ran. Weltmeisterkiller Schweiz, klingt komisch, ist aber so. Die Eidgenossen-Auswahl ist die Truppe, die uns jetzt am nächsten ist – wegen der Sprache und wegen der vielen Spieler, die in der Bundesliga spielen oder mal gespielt haben. Da könnte man sich bei Bedarf mit identifizieren. Vor allem als Gladbach-Fan. Gefühlt besteht die Truppe von Vladimir Petkovic zur Hälfte aus aktuellen und ehemaligen Spielern von Borussia Mönchengladbach. Eine erweiterte Fohlenelf als Europameister? Klingt komisch und wird auch nicht so kommen. Dann schon eher Dänemark. Schon jetzt Europameister der Herzen könnten es die Dänen bis ins Finale schaffen, wenn sie der Spirit, für ihren kollabierten Teamkollegen Christian Eriksen spielen zu können, weiter trägt. Dann sollte auch England im Halbfinale zu packen sein.

Kommen bald "Hansis Hasardeure"?

Die DFB-Stars lecken derweil ihre Wunden und hoffen auf bessere Zeiten. Mit "Jogis Jungs" hat es sich. Vielleicht kommen ja jetzt "Hansis Hasardeure" und setzen dem Tiki-Taka den Flick-Flack entgegen. Schön wär's ja. Toni Kroos will da nicht mehr mitmachen; vielleicht besser so. Er möchte mehr Zeit für die Familie haben, sagt er. Dazu passt die 2022er WM in der Vorweihnachtszeit nun wirklich nicht. Die ab sofort Ex-Kollegen brauchen noch Zeit, um sich zu berappeln. "Die Enttäuschung sitzt tief und es ist wirklich schwierig für mich das Ganze zu verarbeiten", beschrieb Joshua Kimmich auf Instagram seine Enttäuschung. Der Bayern-Star hat offenbar allen Ernstes geglaubt, die deutsche Mannschaft könnte Europameister werden. Vielleicht beim nächsten Mal. Aber nur, wenn man wirklich wieder guten Fußball spielt. Den gibt's heute Abend. In der Münchner Arena. Ohne Deutschland. Vorerst.


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