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Fifa droht neuer Korruptionsskandal: WM-Vergabe für 2018 und 2022 wird zur Farce

Das wird Sepp Blatter gar nicht schmecken: Medienberichten zufolge sind kurz vor der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 am Donnerstag neue Korruptionsvorwürfe gegen die Fifa aufgetaucht. Inzwischen werden die geheimen Absprachen der Bewerberländer noch nicht einmal mehr bestritten.

Dem Fußball-Weltverband FIFA droht ein weiterer Korruptionsskandal, durch den die gleichzeitige Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 am Donnerstag in Zürich zunehmend zur Farce gerät. Nach neuen Betrugsvorwürfen stehen drei weitere hochrangige Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees (Exko) unter Verdacht der Bestechlichkeit. Es soll sich dabei um Issa Hayatou aus Kamerun, Ricardo Teixeira aus Brasilien und Nicolas Leoz aus Paraguay handeln. Unterdessen werden von anderen Funktionären geheime Absprachen zwischen Bewerberländern für die beiden Weltmeisterschaften schon gar nicht mehr bestritten.

Wie der Schweizer Tages-Anzeiger am Montag berichtete, sollen die drei Exko-Mitglieder Hayatou, Teixeira und Leoz in den 90er Jahren von der damaligen FIFA-Hausagentur ISL Bestechungsgelder kassiert haben. Hayatou, Chef der afrikanischen Konföderation CAF, war 2002 Gegenkandidat von FIFA-Boss Joseph S. Blatter bei der Präsidentenwahl auf dem FIFA-Kongress in Seoul.

Auch die englische BBC machte Zahlungen aus den Büchern der seit 2001 bankrotten ISL publik. Zudem sollen auch zwei Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bestochen worden sein. Insgesamt sollen Zahlungen in Höhe von 138 Millionen Schweizer Franken an FIFA- und IOC-, und Verbands-Mitglieder geflossen sein.

Cameron fürchtet um Englands WM-Chancen

Im Mutterland des Fußballs fürchtet man, die Enthüllungen könnten die Kandidatur Englands für die Endrunde 2018 negativ beeinflussen. Bewerbungschef Andy Anson hat der BBC sogar "unpatriotisches" Verhalten vorgeworfen, die Sendung so kurz vor der WM-Vergabe auszustrahlen. Großbritanniens Premierminister David Cameron reagierte entsetzt: "Das ist natürlich frustrierend. Aber dies ist ein freies Land. Ich denke, die FIFA versteht das", sagte Cameron.

"Es war ein Fehler, beide Weltmeisterschaften gemeinsam zu vergeben", kritisiert Fifa-Exko-Mitglied Franz Beckenbauer die gleichzeitige WM-Vergabe. "Der Grund war die Planungssicherheit - vielleicht kann man zwei Weltmeisterschaften hintereinander besser vermarkten als eine. Im Nachhinein sind alle der Meinung, dass es ein Fehler war."

"Wir ziehen das durch"

Dass die für Donnerstag vorgesehene Entscheidung über die Austragungsorte der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 wegen der neuen Enthüllungen abgesagt werden könnte, glaubt Beckenbauer indes nicht. "Du kannst es wieder neu ausschreiben, aber dazu wurde schon viel zu viel Geld investiert. Zum Schluss hat man gesagt, trotz aller Korruptionsvorwürfe einzelner Mitglieder: Wir ziehen das durch. Am 2.12. werden jetzt beide Weltmeisterschaften entschieden", sagte Beckenbauer, der aus privaten Gründen im kommenden Jahr nicht mehr für einen Sitz in der Regierung des Weltfußballs kandidieren wird.

Wegen des neuen Korruptionsskandals könnte es in den kommenden Tagen für Fifa-Präsident Blatter ungemütlich werden: Mitte des Monats hatte der Weltverband bereits mehrjährige Sperren gegen sechs Fußball-Funktionäre, darunter die Exko-Mitglieder Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti), verhängt. Adamu und Temarii wurden für drei beziehungsweise ein Jahr von jeglichen Tätigkeiten im Fußball suspendiert, nachdem sie des Verstoßes gegen mehrere Artikel der FIFA-Ethik-Regeln für schuldig befunden worden waren. Sie hatten ihre Stimme für die WM-Vergabe feilgeboten.

Absprache zwischen Spanien und Katar?

Am Montag sorgte zudem FIFA-Exekutiv-Mitglied Mohamed Bin Hammam aus Katar für helle Aufregung. Bin Hammam beurteilt einen möglichen Deal zwischen Katar und Spanien/Portugal keineswegs kritisch. Angeblich soll es Absprachen zwischen ihm und dem spanischen FIFA-Vize-Präsidenten Angel Maria Villar Llona geben; Spanien kandidiert zusammen mit Portugal für die WM 2018, Katar für die Endrunde 2022.

"Wenn es einen Deal gibt zwischen mir und Angel Maria aus Spanien oder anderen Beteiligten des Exekutivkomitees - dann sehe ich das nicht als Problem. Vielleicht sehen Sie das aus europäischer Perspektive als Problem", sagte Bin Hammam, Chef der asiatischen Konföderation, in der ARD-Sportschau.

Gary Lineker hofft auf eine faire Wahl

"Beschweren Sie sich nicht bei Katar oder Spanien. Schuld ist das System, dass zwei Weltmeisterschaften am gleichen Tag entschieden werden", sagte Bin Hamman und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Beckenbauer. Nach den Sperren von Adamu und Temarii sind derzeit noch 22 Exekutiv-Mitglieder stimmberechtigt. Allerdings droht aktuell drei weiteren Mitgliedern die Suspendierung.

Für die WM in acht Jahren kandidieren England, Russland sowie die Doppelbewerber Belgien/Niederlande und Spanien/Portugal. Bewerbungen für 2022 liegen aus den USA, von Australien, Japan, Katar und Südkorea vor. Zumindest das Fußball-Mutterland England hat den Glauben an eine faire Wahl noch nicht verloren. "Nein, das auf keinen Fall. Ob es einen Favoriten gibt, kann ich nicht sagen. Aber wir haben eine starke Bewerbung. Und ich rechne damit, dass die Wahl fair sein wird", gibt sich Englands Stürmer-Ikone Gary Lineker zuversichtlich.

be/DPA/SID / DPA

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