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Länderspiel: Ballack fällt aus

Beim Länderspiel gegen Schweden muss Bundestrainer Jogi Löw auf einige Stammkräfte verzichten. Michael Ballack verletzte sich in seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz für Chelsea.

Ohne Kapitän Michael Ballack muss Joachim Löw bei seinem Debüt als Bundestrainer auskommen. Der 29-jährige Neu-Londoner sagte am Sonntagabend für das erste Länderspiel der Saison am Mittwoch gegen Schweden (20.30 Uhr/ARD) ab. Der DFB-Kapitän musste im ersten Pflichtspiel für den FC Chelsea im Supercup-Finale gegen Liverpool wegen einer Hüftverletzung ausgewechselt werden. "Er hat starke Schmerzen und kann kaum laufen. Ballack wird in England bleiben", teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit. Zuvor mussten schon Per Mertesacker, Robert Huth und Sebastian Kehl verletzt passen. Zudem plagt sich der Dortmunder Christoph Metzelder mit einem Bluterguss im Knie.

"Ich hoffe, dass er auflaufen kann", hoffte Löw zumindest im Fall Metzelder, bei dem eine Kernspin-Untersuchung zum Glück keinen größeren Schaden ergab, noch auf eine Besserung. "Er hat Flüssigkeit im Knie. Falls es nicht geht, muss ich neu überlegen", schloss der 46-jährige Nachfolger von Jürgen Klinsmann eine Nachnominierung nicht aus. Beste Aussichten auf ein Debüt hat Manuel Friedrich, neben Jens Nowotny der einzige gesunde Innenverteidiger. Der Mainzer hatte zuvor nicht im WM-Aufgebot gestanden.

Podolski mit Stammplatz-Garantie

Schon beim Treffen der deutschen Fußball-Nationalelf am Sonntag in Berlin sagte Löw den WM-Helden Lukas Podolski, von Bayern Münchens Trainer Felix Magath zum Bundesliga-Auftakt auf die Ersatzbank verbannt, und Miroslav Klose einen Einsatz von Beginn an zu. "Beide beginnen. Das haben sie sich bei der WM erarbeitet", kündigte Löw an.

Der Bundestrainer machte vor der ersten Bewährungsprobe nach der erfolgreichen WM sofort deutlich, was er von seinem Personal erwartet. Zwar verzichtet der neue Chefcoach, der die neuen Aufgaben mit dem alten Stab einschließlich der amerikanischen Fitness-Experten angehen wird, vor seinem Debüt auf motivierende Computer-Präsentationen oder Filmvorführungen, wie sie Klinsmann eingesetzt hatte. Aber Löw sagte klar: "Die Qualifikation für die EM 2008 ist eine Selbstverständlichkeit. Wir wollen jetzt das ernten, was uns bei der WM versagt blieb, einen Titel nach Deutschland holen."

Neugier, Offenheit, Stolz, Spaß

Wie er dieses Ziel erreichen will, machte Löw am Sonntag vor Journalisten in einer fast viertelstündigen Grundsatzrede deutlich. Innovation, Neugier, Offenheit, Stolz, Spaß bei der Fortsetzung der von Klinsmann geprägten offensiven Spielphilosophie waren die Schlagworte seiner Ausführungen. Als mögliche neue Auswahl-Kandidaten nannte er neben Stefan Kießling, Eugen Polanski und Piotr Trochowski überraschend auch den Mainzer Mimoun Azaouagh. Auch Kevin Kuranyi und Fabian Ernst seien nicht abgeschrieben.

"Die Erwartungen sind sicher immens", weiß der Schwarzwälder, der ab sofort aus dem Schatten von Klinsmann treten will. Nur ein einziges Mal nach Klinsmanns Rückflug in die USA habe er noch mit seinem ehemaligen Chef in den USA ausführlich telefoniert. "Aber dabei ging es eigentlich nur um private Dinge", berichtete Löw.

Ballack und Kahn fehlen bei Ehrung

Klinsmann, Ballack und auch der aus der Nationalelf zurückgetretene Oliver Kahn werden am Montag im Schloss Bellevue fehlen, wenn Bundespräsident Horst Köhler an die WM-Helden das "Silberne Lorbeerblatt", die höchste Sportauszeichnung des Landes, verleiht. "So sehr ich mich über die Auszeichnung freue und dies als große Ehre betrachte, in Zukunft sollen bei Nationalmannschafts-Ereignissen die jüngeren Spieler im Blickpunkt stehen", begründete der 37-jährige Kahn seine Absage. Auch Klinsmann wollte den aktuellen Protagonisten die Bühne überlassen.

Vor der Neuauflage des WM-Achtelfinals gegen Schweden, das Podolski vor sieben Wochen mit zwei Toren entschieden hatte, bat Löw erst einmal um Gelassenheit, Nüchternheit und Realitätssinn: "Das große Fußball-Sommerfest ist vorbei, der Alltag kehrt allmählich wieder ein. Euphorie und Feierstimmung sind nicht von Dauer." Gegen die "Tre Kronors" werden die Nationalspieler noch nicht "hundertprozentig im Rhythmus sein", merkte Löw an. Deshalb will er in Gelsenkirchen auch so viel wie möglich ein- und auswechseln.

Gespräche mit Nationalmannschafts-Kandidaten

Für die kommende Woche kündigte Löw Gespräche mit vier bis fünf Kandidaten für den noch vakanten Co-Trainer-Posten an. Der Assistent solle dann schnell benannt werden. Sein Debüt auf der Bank neben Löw wird der neue Co-Trainer am 2. September beim ersten EM- Qualifikationsspiel in Stuttgart gegen Irland haben. "Es ist wichtig, dass er menschlich zum Team passt", sagte Löw. Zudem verlangt der neue Bundestrainer von seinem zweiten Mann hohe "taktische Kompetenz in den Bereichen 4-4-2, Raumdeckung und 4-3-3" sowie ein klares Bekenntnis zur offensiven Spielphilosophie.

Jens Mende und Arne Richter/DPA

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