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P. Köster: Kabinenpredigt: Warum der Confed Cup große Unterhaltung ist!

Was wurde über den Confed Cup gelästert: Konfetti Cup. Billiger Füller der Sommerpause. Reservistenwettbewerb. Alles Quatsch! Das Turnier bietet beste Unterhaltung, findet stern-Stimme Philipp Köster.

Die deutsche Nationalmannschaft beim Confed Cup in Russland

Der zweite Anzug sitzt: Das Reserve-Ensemble Deutschlands hat die Vorrunde mit Bravour gemeistert

Selten wohl ist eine Mannschaft mit geringeren Erwartungen in ein offizielles Turnier gestartet als das deutsche Team in den Confederations Cup in Russland. Weil die Hälfte der Stammbelegschaft entweder geschont wurde oder sich mit Verletzungen entschuldigte, für die man nicht mal früher im Zivildienst einen gelben Schein bekommen hätte, entstand der Eindruck, Löw fahre mit einer übergewichtigen Freizeittruppe nach Russland, die sich in den ersten Spielen gegenseitig über den Haufen rennen wird wie früher in den Dick & Doof-Filmen.

Nach der ganz erfolgreich absolvierten Vorrunde gegen allenfalls halbstarke Gegner ist jedoch aus der Thekenmannschaft plötzlich eine Art Jahrhundertteam geworden – überall neue Alternativen, starke Auftritte, neue Entdeckungen. Die Darbietung mancher Kicker wird bestaunt, als hätten die nie zuvor ein Profispiel absolviert. Hätten Sie gewusst, dass , der gegen Chile bester deutscher Spieler war, beim FC Liverpool unter Vertrag steht? Und dass Stürmer Sandro Wagner tatsächlich in der Bundesliga spielt und dort schon das eine oder andere Mal ins Tor getroffen hat? Alle Wetter!

Pfiffe gegen Timo Werner als Ansporn

Neben der ulkigen Euphorie um "Die Mannschaft", die blöderweise noch immer niemand außer der PR-Abteilung des DFB so nennt, sorgen auch die Kicker für das eine oder andere humoristische Highlight. Timo Werner zum Beispiel, der ja auch im DFB-Dress stets ausgepfiffen wird, was beim Confed Cup nicht so sehr auffällt, weil sich nur ein sehr überschaubares Häufchen deutscher Anhänger nach gereist ist. Als Werner nun gegen Kamerun zweimal auf schöne Weise traf, hätte er sich ja gemütlich zurücklehnen und seine Tore für sich sprechen lassen können. Stattdessen bekam offenbar jeder, der sein Mikrofon nicht rechtzeitig wegzog, von Werner nochmal mitgeteilt, dass die Pfiffe erstens ungerecht und zweitens sogar Ansporn seien. Was wiederum fast als Aufforderung an die Anhänger gelesen werden konnte, künftig noch kräftiger zu pfeifen. Einfach, um den Timo noch ein bisschen stärker zu machen.

Mindestens ebenso unterhaltsam war der Videobeweis, der inzwischen verlässlich in fast jedem für eine Art zusätzliche Drittelpause sorgt, in der Spieler und Schiedsrichter ratlos auf dem Feld herumstehen, bis nach einer gefühlten Ewigkeit sich der sogenannte Videoschiedsrichterassistent per Funk zu Wort meldet und dann noch nicht mal verlässlich richtig liegt. Eine ulkige Zwangspause, in der der Fernsehzuschauer zudem ganz beruhigt Bier holen oder Wasser abschlagen kann, um in der richtigen Halbzeitpause nicht zu verpassen, wie Mehmet Scholl uralte Schwulenwitze aufwärmt.

Doping-Vorwürfe gegen Russland

Und das alles immer noch nichts gegen das komödiantische Talent der Organisatoren, trotz der oft halbleeren Stadien so zu tun, als ginge in den Stadien mal so richtig die Post ab. Mochte also auf den Rängen auch eine Stimmung wie in einer gut gelüfteten Aussegnungshalle herrschen, im Fernsehen sah man davon wenig. Schon weil die Führungskamera zwanghaft nur die unteren und einigermaßen passabel gefüllten Ränge abfilmte. Man konnte sich das richtig gut vorstellen, wie die Kamera immer wieder sanft nach unten gedrückt wurde, wenn sie in die Nähe der leeren Schalensitze auf den Oberrängen schwenkte.


Und damit nicht genug. Das Bemühen der Fifa, durch einen fröhlichen und unproblematischen Confed Cup zu suggerieren, dass auch das große Turnier im nächsten Sommer eine ganz normale Veranstaltung wird, geriet am Wochenende endgültig durch einen Bericht der englischen "Daily Mail" ins Wanken. Glaubt man der Zeitung, so wird nicht gegen einen, auch nicht gegen zwei oder fünf oder sieben, sondern gegen 23 Mitglieder der russischen WM-Mannschaft von 2014 wegen Dopings ermittelt, von denen wiederum fünf Kicker auch beim Confed Cup mit dabei sind. Perfektes Timing.

Alles in allem ist der Confederartions Cup also große . Jetzt muss das deutsche Team nur noch den Pott holen. Notfalls per Videobeweis.

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