HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

P. Köster: Kabinenpredigt: Die Tage der Champions League sind gezählt

Der FC Bayern wird die Bundesliga nicht verlassen. Stattdessen sind die Tage der Champions League gezählt.  stern-Stimme Philipp Köster will den Bayern ihre Ambitionen nur bedingt vorhalten - und hat einen Rat an die Mittelklassevereine.

Uli Hoeneß, Dieter Mayer und Karl-Heinz Rummenigge auf der Tribüne beim FC Bayern: Drang nach höherer Rendite

Uli Hoeneß, Dieter Mayer und Karl-Heinz Rummenigge auf der Tribüne beim FC Bayern: Drang nach höherer Rendite

DPA

Muss die Bundesliga bald ohne den FC Bayern auskommen? Spielen die Münchner künftig samstags gegen Arsenal und Barcelona statt gegen Dortmund und Schalke? Wer am Wochenende in die Gazetten und Online-Portale blickte, konnte den Eindruck gewinnen, der FC Bayern München melde sich noch vor Weihnachten vom nationalen Spielbetrieb ab und wechsele in eine neue europäische Superliga.

Dazu wird es nicht kommen, so viel steht fest. Schon weil für die englischen Spitzenklubs aus Liverpool, London und Manchester ein Ausscheiden aus der Premier League ökonomischer Wahnsinn wäre. Aber auch für den FC Bayern wäre das Verlassen der Bundesliga eine hochriskante Unternehmung mit ungewissem Ausgang. Kein Funktionär, der wirtschaftlich einigermaßen bei Verstand ist, würde einen solchen Exodus betreiben – ungeachtet der horrenden Gelder, die in einer neuen Liga winken würden.

Die Champions League wird ersetzt werden

Klar ist aber auch, dass in wenigen Jahren die Champions League durch eine neue Liga der Großklubs ersetzt werden wird. Das liegt an der kapitalistischen Logik, dass die marktbeherrschenden Unternehmen nach immer mehr Rendite gieren. Das liegt aber auch daran, dass die Champions League schon seit längerem nicht mehr ihr Produktversprechen erfüllt, stets ausgesuchten Spitzenfußball zu zeigen. Streng genommen ist der Vorrundenbetrieb der vermeintlichen Königsklasse im Herbst und Winter nicht viel mehr als ein müheloses Schaulaufen der großen Klub. Erst im Viertelfinale ist es ein durchgehend hochklassiger Wettbewerb, der allerdings auch immer wieder von den gleichen Klubs bestritten wird – eben jenen Befürwortern der neuen Superliga.

Die Faszination für ein solches Konstrukt wird natürlich durch den Blick auf ähnliche brachial durchkommerzialisierte Konzepte in den USA genährt. Sich irgendwann so vermarkten zu können wie es die Franchises etwa der Football-Liga NFL bereits jetzt tun, ist der feuchte Traum vieler Funktionäre. Fußballkulturelle Werte sind da nebensächlich.

FC Bayern: Mit neuer Liga drohen, um die Uefa zu erpressen

Man kann den Drang nach immer mehr Kommerz und Rendite der großen Klubs als moralisch verwerflich denunzieren. Derlei Appelle werden allerdings wirkungslos verhallen. Denn die Großklubs sehen sich seit Jahren in einem rücksichtslos geführten Wettbewerb, in dem in beeindruckendem Tempo globale Claims abgesteckt werden. Wer da allzu solidarisch mit kleineren Klubs oder Verbänden daherkommt, erntet in den geheimen Zirkeln der Spitzenklubs nur ein mitleidiges Lächeln, das große Geschäft machen dann eben andere. Es ist insofern auch dem FC Bayern nur bedingt vorzuhalten, sich mit den juristischen Folgen einer Ligagründung auseinanderzusetzen. Schließlich wollen sie weiter im Konzert der Großklubs mitmischen. Und dazu gehört es eben auch, mit einer neuen Liga zu drohen, um die Uefa zu erpressen und noch mehr Geld aus den Champions-League-Töpfen zu erhalten. Die Funktionäre inbesondere des FC Bayern sollten das nur offen und ehrlich verkünden, anstatt so zu tun, als seien sie allein dem Wohlergehen des deutschen Fußballs verpflichtet.

Für den Rest der Fußballwelt kann es derweil nur darum gehen, sich möglichst weit von den Spitzenklubs und ihren Egoismen zu entfernen. Um es klar zu sagen: Kein deutscher Mittelklasseverein wird jemals wieder konkurrenzfähig zu den Großklubs. Stattdessen muss es für all die deutschen Profiklubs darum gehen, die Zuschauer wieder neu für den Fußball zu begeistern. Dafür braucht es keine zusätzlichen Investoren, keine neu erfundenen Pokale, keine Anstoßzeiten am frühen Morgen, sondern Nähe zum Publikum, moralische Integrität und vor allem das klare Bewusstsein dafür, dass Fußball am Ende nicht nur Entertainment ist, sondern Volkssport.

Thomas Müller, Joshua Kimmich und Franck Ribéry vom FC Bayern München gehen mit gesenkten Köpfen vom Platz

Wissenscommunity