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Schalke 04: Ein Hauch von Real im Ruhrpott

Sie haben sich verstärkt wie noch nie. Sie wollen so schön spielen wie Madrid. Und sie haben 102 Millionen Euro Schulden. In der neuen Bundesliga-Saison ist Schalke 04 zum Siegen verdammt.

Von Christian Ewers

Der Sommerwind hat gedreht, und alle Worte, die gebrüllt werden, fliegen hinaus auf den Bodensee. Oder der Witz ist hängen geblieben in den dicht belaubten Bäumen, auch das könnte sein. Jedenfalls kommt nicht mal ein Satzfetzen an bei Ailton Gonçalves da Silva, genannt Ailton. Wie in einem Stummfilm sieht er, dass sich sein Mitspieler Gerald Asamoah feixend auf die Oberschenkel schlägt. Ailton lacht einfach mit. Es ist ein nervöses Lachen, das den Brustkorb erst mächtig aufbläst und dann die Luft explosionsartig entweichen lässt. "Ailton immer Spaß machen", erzählt Ailton später, als das Trainingslager im Bodenseedorf Moos zu Ende geht. "Spaß ist gut für hier", sagt er und tippt sich an die Stirn. "Und ist gut für hier" - sein Zeigefinger deutet hinunter auf erdverklebte Stollenschuhe.

Dieses Paar Schuhe, Marke Adidas, Größe 42, wird womöglich über die Zukunft des FC Schalke 04 entscheiden. Am Freitag startet der Klub mit der Partie gegen Meister Werder Bremen in eine wegweisende Saison. Erreichen die Gelsenkirchener einen der hart umkämpften Uefa-Cup-Ränge oder gar einen der Startplätze für die Geldmaschine Champions League, dann haben sie alles richtig gemacht: die kostspielige Verpflichtung des Torschützenkönigs Ailton vom Branchenführer Bremen, der Einkauf seines ebenfalls teuren Teamkameraden Mladen Krstajic, schließlich der Transfer von Marcelo Bordon, dem brasilianischen Nationalspieler und langjährigen Abwehrchef des VfB Stuttgart.

Geht die Mission

jedoch daneben, dann ist sie da, die "kleine Katastrophe", wie Manager Rudi Assauer sagt. Drastischere Worte findet man beim Ligaverband Deutsche Fußball Liga (DFL) in Frankfurt. "Schalke geht wie einige andere Vereine auch ein gewaltiges Risiko ein", sagt ein ranghoher DFL-Funktionär. "Das Geschäftsmodell basiert allein auf der Hoffnung, dass man sich für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert. Bleibt der sportliche Erfolg aus, müssen Spieler verkauft werden." So wie beim Reviernachbarn Borussia Dortmund, der in den vergangenen Jahren viel Geld investierte, aber zuletzt keinen Erfolg mehr hatte.

Etwa 36 Millionen Euro

zahlt Schalke pro Saison fürs Personal - doch noch ganz andere Summen lasten auf dem Traditionsklub, der im Mai dieses Jahres seinen 100. Geburtstag feierte. So haben die Schalker Anleihen in Höhe von insgesamt 85 Millionen Euro bei dem Londoner Finanzmakler Schechter aufgenommen. Dafür muss der Klub Schechter für 24 Jahre die Zuschauereinnahmen überlassen. Laut Geschäftsbericht 2003 ist Schalke mit 102 Millionen Euro verschuldet. Nur mit "einem raffinierten Trick", schrieb die "Süddeutsche Zeitung", habe der Verein die Bilanz, die Grundlage für die Lizenzerteilung durch die DFL ist, einigermaßen ausgeglichen gestalten können.

Und jetzt muss es die Mannschaft auf dem Rasen richten. Muss, wie vom Manager gefordert, in den nächsten zehn Jahren "regelmäßig unter die ersten drei der Liga kommen".

Jupp Heynckes interessieren solche Zahlenspiele nicht. Er sitzt auf der Terrasse des Hotels Hoeri, vor sich ein Glas stilles Mineralwasser, im Hintergrund gleiten schneeweiße Ausflugsschiffe über den Bodensee. Heynckes sagt: "Ich bin kein Betriebswirt, ich bin Trainer." Vielleicht ist er noch mehr als das. Heynckes liebt Fußball. Wenn er darüber spricht, heben sich seine Augenbrauen fast bis zum Haaransatz, die Wangen leuchten in diesem Ampelrot, das ihm mal den Spitznamen "Osram", die Glühbirne, eingebracht hat. Heynckes, 59, schwärmt von der Schönheit des Spiels. Er will, dass seine Mannschaft den Ball schnell und druckvoll nach vorn treibt, er will Leidenschaft auf dem Platz. Heynckes malt die taktische Aufstellung des FC Barcelona unter Johan Cruyff Anfang der 90er Jahre in die Luft. Hinten Ferrer, Nadal und Guardiola, vorn Stoitchkov, Laudrup, Romario. Heynckes weiß sogar noch die Rückennummern. "Das war herrlich anzuschauen", sagt er. "Fußball braucht Mut und Klasse."

Beides fehlte dem FC Schalke, als Heynckes vor einem Jahr in Gelsenkirchen übernahm. Die Mannschaft war verunsichert, sie hatte ein chaotisches Jahr hinter sich mit Frank Neubarth und Marc Wilmots, zwei unerfahrenen Trainern. Und ihr mangelte es an Qualität. Heynckes, Champions-League-Sieger mit Real Madrid 1998, hat immer wieder zu erkennen gegeben, dass dies nicht sein Team sei, dass er lediglich ein Erbe zu verwalten habe. Nun hat er seine Wunschmannschaft bekommen, zehn Spieler gingen, neun wurden geholt. In der neuen Saison steht also nicht nur der Manager mit seinem riskanten Finanzplan vor einer schwierigen Prüfung. Sondern auch der Trainer: Jupp Heynckes muss zeigen, was er kann. Er muss beweisen, dass Madrid und Barcelona möglich sind im Ruhrpott. Wenigstens ein bisschen.

Die Sehnsucht nach Erfolg

ist bei den Fans groß. Vor drei Jahren durften sie viereinhalb Minuten lang erfahren, wie es sich anfühlt, ganz oben zu stehen und Deutscher Meister zu sein, das erste Mal seit 1958. Doch dann schossen die Bayern in der letzten Minute dieses furchtbare Tor. Die Menschen in Gelsenkirchen, die eben noch vor Glück geweint hatten, hielten sich auf einmal schluchzend aneinander fest. Schalke wurde Zweiter, gekrönt nur mit dem traurigen Titel "Meister der Herzen".

Von diesem Trauma will die Anhängerschaft endlich erlöst werden, das ist schnell zu spüren auf der Party, die die "Schalke-Freunde Blau-Weiß Bodensee e.V." während des Trainingslagers veranstalten. Als der Mannschaftsbus auf dem geschotterten Parkplatz bremst und die Türen aufspringen, hat ein Spieler größte Mühe, sich den Weg zum Bierzelt zu bahnen: Ailton, Meister und Pokalsieger mit Werder Bremen, 28 Tore.

Filzstifte und gerollte Mannschaftsposter kitzeln sein Kinn, manchmal schlägt eine Digitalkamera gegen seine Schultern. Später, als sich die Kindertraube um ihn etwas gelichtet hat, muss Ailton die bangen Fragen der Erwachsenen beantworten. "Toni, ballerst du uns zur Meisterschaft?" Ailton lächelt den fülligen Mittvierziger an und sagt: "Letztes Jahr Toni viele Tore für Bremen, jetzt für Schalke. Will ich wieder Meister werden." Der Mann, der seinen Bauch wie eine Pauke vor sich herträgt, lächelt zurück. Solche Sätze wollen sie hier hören. Man prostet sich klirrend zu am Stehtisch, und jetzt stört es auch nicht mehr, dass Ailton die Frage, ob seine Familie schon nach Gelsenkirchen umgezogen sei, mit seinem Standardsatz beantwortet: "Letztes Jahr Toni viele Tore für Bremen, jetzt für Schalke."

Tore können sie tatsächlich gut gebrauchen auf Schalke. Der Däne Ebbe Sand erzielte in der vergangenen Saison nur acht Tore - und war damit schon bester Schalker Schütze. Jetzt wirbelt der pfeilschnelle Ailton im Angriff, die Steilpässe soll er von seinem Landsmann Lincoln bekommen, und hinten in der Dreierkette steht neben dem serbischen Nationalspieler Krstajic der dritte Brasilianer: Bordon, technisch perfekt, Schalkes Mann für die Spieleröffnung. Dazu kommen noch die beiden deutschen Routiniers, Torwart Frank Rost und Flügelspieler Jörg Böhme, und auf der Bank sitzen mit Michael Delura, Mike Hanke und Fabian Lamotte einige der größten Talente des Landes.

Solch ein starkes Ensemble hat es lange nicht mehr gegeben in Gelsenkirchen.

Für die Fans bedeutet das Abschiednehmen. Wieder einmal. Vor drei Jahren erst hatten sie sich vom alten Parkstadion trennen müssen und waren in die Arena "AufSchalke" umgezogen. Hier wird der Rasen wenige Stunden vor dem Anpfiff per Hydraulikpresse ins Stadion geschoben, das kostet jedes Mal 13.000 Euro, und vor Regen schützt ein 560 Tonnen schweres Glasfaserdach. Vorbei die Zeiten, in denen man bei Wind und Wetter eng zusammenstand in der Nordkurve. Und das Pils kommt auch nicht mehr direkt vom Fass, sondern schäumt aus fünf Kilometer langen Getränkeleitungen. Wenn die gereinigt werden, gehen 2000 Liter Bier verloren. "Der Umzug war für viele von uns ein Hammer", sagt Rolf Rojek, 50, der Vorsitzende des Schalker Fanclub-Dachverbandes. "Wir haben uns ganz langsam gewöhnen müssen an die Arena."

Und nun der nächste Kulturschock: Fußball bedeutet auf Schalke nicht mehr spucken, beißen und treten - die Mannschaft von 1997, die Eurofighter, hatte sich den Uefa-Cup regelrecht ergrätscht. Dass sie es auch anders können, rasant, trickreich und mitreißend, haben die Schalker in der Saison 2000/2001 gezeigt. Mpenza, Sand und Möller begeisterten die ganze Liga. Jetzt soll Fußball dauerhaft zelebriert werden. Fallrückzieher statt Blutgrätsche, Doppelpass statt Querpass, taktische Finessen statt Hauruckaktionen. Ob das beim Publikum ankommt, das jahrzehntelang eher das ehrlich-rustikale Spiel geschätzt hat?

Rojek, der seit 44 Jahren im Fanblock steht, erst in der Glückauf-Kampfbahn, dann im Parkstadion und jetzt in der Arena, Rojek sagt: "Die Menschen in Gelsenkirchen haben ein feines Gespür dafür, ob jemand nur mal einen Übersteiger zeigen will oder ob er sich richtig reinhängt. Wenn der Einsatz stimmt, wird den Jungs alles verziehen. Dann darf auch mal ein Hackentrick danebengehen."

Rudi Assauer, der Macher

auf Schalke, sieht das sowieso alles ganz, ganz gelassen. Während des Trainingslagers kritzelt er mit stoischer Ruhe Autogramme, und später beim Interview droht er fast einzunicken. "Ach junger Mann ...", sagt er und versinkt im Sessel. "Ich weiß gar nicht, was die ganze Aufregung soll. Das Gerede über Leistungsdruck und so. Das hat doch nichts mit der Realität zu tun. Fußball vor 60 000 Zuschauern, im modernsten Stadion Europas, das ist doch die Freude pur."

Was muss der Verein tun, wenn die Mannschaft das Saisonziel nicht erreicht? "Wir werden es erreichen." Mit welchem Gefühl geht ein Manager in solch eine schicksalsschwere Saison? "Gefühl, Gefühl, was ist das?", sagt Assauer und zieht sich den Reißverschluss seiner Trainingsjacke hoch. Über Gefühle mag Rudi Assauer im Moment nicht reden. Und über Zahlen sowieso nicht.

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?