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Fußball-WM 2022 Dänischer TV-Reporter von Katar-Polizei festgehalten – wegen Videoaufnahmen von iranischen Fans

Ein Mikrofon des dänischen Senders TV2
Ein dänischer Fernsehreporter des Senders TV2 wurde in Katar kurzzeitig von der Polizei festgehalten
© Dean Pictures / Imago Images
Ein dänischer TV-Reporter wurde nach dem Spiel USA gegen Iran bei der Fußball-WM in Katar von der Polizei festgehalten. Er hatte Videos von Konfrontationen zwischen iranischen Fans gemacht. Es ist nicht das erste Mal, dass er Ärger mit der katarischen Polizei hat.

"Jetzt werde ich von der katarischen Polizei festgenommen, weil ich Iraner gefilmt habe, die von regierungsfreundlichen Iranern angegriffen wurden."

Das twitterte der dänische Fernsehreporter Rasmus Tantholdt am Dienstagabend aus Katar. Er sei kurzzeitig festgehalten worden, nachdem er einen Tumult zwischen iranischen Fans nach dem WM-Spiel zwischen den USA und dem Iran filmen wollte, berichtet der Fernsehsender TV2 aus Dänemark, für den Tantholdt arbeitet.

Konkret sei es um Konfrontationen zwischen iranischen Regierungsanhängern und Unterstützern der Proteste gegen das Regime gegangen, so der Korrespondent.

Iranische Fans fürchten um Sicherheit

Begonnen hatte demnach alles, als das italienische Fernsehen ein Interview mit einigen Iranern führen wollte, die gegen die klerikale Herrschaft im Iran sind und verschiedene Botschaften auf ihren T-Shirts trugen.

"Kurz vor der Sendung kam eine Gruppe von Iranern mit Fahnen, die ihre Unterstützung für die Regierung zeigten, und griff die Leute an, die im Fernsehen zu sehen sein sollten, indem sie sie verprügelten", so Tantholdt. Sie mussten dann hinter einen Zaun in der Nähe des Stadions fliehen, um weitere Konfrontationen zu vermeiden.

Tantholdt teilte Videos auf seinem Twitter-Profil von mutmaßlich angegriffenen, regimekritischen Fans aus dem Iran. Eine iranische Frau, die ein "women, life, freedom"-T-Shirt trägt, sagt: "Ich bin hier nicht sicher!" Ihr mutmaßlicher Begleiter sagt, sie bräuchten Security, um den Ort sicher zu verlassen. Beide diskutieren darauf mit Sicherheitsleuten.

Ein zweites Video zeigt eine Familie mit zwei Kindern. Eine Frau ruft in die Kamera: "Women, life, freedom!" Ein Sicherheitsmann versucht daraufhin, Tantholdt am Filmen zu hindern. Der Reporter sagt darauf: "Ich darf hier filmen, ich bin Journalist."

Kurze Zeit später wurde Tantholdt nach eigenen Angaben mitgeteilt, dass er gehen könne – wenn er die Videos lösche. Er weigerte sich, durfte aber dennoch gehen.

Katar mit Problemen bei Pressefreiheit

Es ist nicht das erste Mal, dass Rasmus Tantholdt während der Fußballweltmeisterschaft in Katar Ärger mit Sicherheitskräften hat. Wenige Tage vor Beginn der WM wurden er und sein Kameramann während einer Live-Übertragung in der Hauptstadt Doha von Sicherheitsbeamten gestört.

Beide wurden aufgefordert, die Kamera auszuschalten, da sie nach Aussage der Sicherheitsbeamten nicht über die erforderliche Genehmigung zum Filmen in der Öffentlichkeit verfügten.

Das Sicherheitspersonal drohte, die Kameraausrüstung zu zerschlagen, bevor sich die Situation beruhigte und die Journalisten ihre Arbeit fortsetzen konnten.

Katar liegt auf Platz 119 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit. Laut "Reporter ohne Grenzen" erlaubt das Pressegesetz von 1979 die Vorabzensur von Medien. Berichte über die Regierungspolitik, die Königsfamilie und den Islam sind nur schwer möglich. Unabhängige Nachrichtenportale hätten es schwer in Katar.

Quellen: Rasmus Tantholdt auf Twitter, TV2, Reporter ohne Grenzen

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