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Olympia-Team: 60 Medaillen sind das Ziel

So langsam macht sich das Olympia-Kribbeln breit: Kurz vor dem Auftakt der Spiele in Peking hat Chef de Mission Michael Vesper den deutschen Olympioniken eine klare Zielvorgabe mit auf den Weg gegeben: Mit mindestens 60 Medaillen soll die Bilanz von Athen übertroffen werden. Das erste Gold wird schon für Samstag erwartet.

Die schwarz-rot-goldene Olympia-Mission in Peking begann mit einem Fauxpas, ansonsten soll bei der ersten olympischen Bewährungsprobe für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aber nichts mehr schiefgehen. Bei der Vorstellung des Fahnenträgers der deutschen Mannschaft für die Eröffnungsfeier am Freitag verhaspelte sich DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. "Unser Fahnenträger ist Gerd Nowitzki, äh, Dirk Nowitzki", sagte der Chef de Mission bei der Präsentation des Basketball-Superstars im Deutschen Haus.

Doch Vespers Versprecher soll nicht symptomatisch für den Verlauf der Spiele sein. Für den DOSB ist Peking die erste Standortbestimmung seit der Fusion des Deutschen Sportbundes (DSB) mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) vor etwas über zwei Jahren und den damit verbundenen Änderungen in den Strukturen. "Wir sind ja mitten im olympischen Zyklus im Jahr 2006 eingestiegen und haben nie einen Zweifel daran gelassen, dass für uns das Olympische eine herausragende Bedeutung hat", betonte Vesper. "Wir haben alles dafür getan, uns hier gut vorbereitet zu präsentieren."

Mit der Wahl von Nowitzki zum Fahnenträger ging die DOSB-Führung zumindest schon einmal einen ungewöhnlichen Weg. Der 2,13 Meter lange NBA-Profi von Dallas Mavericks ist nach der ehemaligen DDR- Handballerin Kristina Richter in Moskau 1980 erst der zweite Mannschaftssportler, der an der Spitze eines deutschen Olympia-Teams geht. "

Das Ziel: Mehr Medaillen als in Athen

Nowitzki wird bei der Eröffnungsfeier ein Team in das Nationalstadion führen, von dem die DOSB-Funktionäre überzeugt sind, das es mindestens an die Bilanz von Athen 2004 herankommt. In Griechenland hatten die Athleten 13 Mal Gold, 17 Mal Silber und 30 Mal Bronze für Schwarz-Rot-Gold geholt. Im Medaillenspiegel belegte Deutschland Platz sechs.

Die Mannschaft habe Potenzial, sagte DOSB- Sportdirektor Bernhard Schwank: "Wir wollen keinen Zweifel daran lassen: Wir sind hier, um Leistung zu bringen. Wir sind hier, um erfolgreich zu sein."

Nach der verletzungsbedingten Absage des Hochspringers Eike Onnen werden in der chinesischen Hauptstadt, in Hongkong (Pferdesport) und in Qinhuangdao (Segel-Wettbewerbe) 437 Sportlerinnen und Sportler (193 Frauen, 244 Männer) für Deutschland starten. Der DOSB hat damit zahlenmäßig das viertstärkste der 205 Länder-Teams nach China gesandt. Betreut werden die deutschen Athleten von über 300 Ärzten, Physiotherapeuten, Technikern und Mannschafts-Leitern.

Erstes Gold durch Pfeilschifter?

Für einen gelungenen deutschen Auftakt zu den insgesamt 302 Entscheidungen soll am Wochenende in erster Linie Schützin Sonja Pfeilschifter sorgen. Die 37 Jahre alte Sportsoldatin aus Ismaning gilt am Samstag im Wettbewerb mit dem Luftgewehr als Topfavoritin und könnte die erste Goldmedaille der Spiele in Peking gewinnen. Auch die Radprofis Stefan Schumacher, Fabian Wegmann, Gerald Ciolek, Bert Grabsch und Jens Voigt gehen nicht ohne Chancen in das 245 Kilometer lange Straßenrennen.

Schwimm-Europarekordlerin Britta Steffen und Co. werden nach dem Vorlauf über 4 x 100 Meter Freistil wissen, ob es bei ihnen "flutscht". Paul Biedermann betrachtet die 400 Meter Freistil als Testlauf für das 200-Meter-Rennen, in dem der Europameister am 12. August Außenseiterchancen auf eine Medaille hat.

Das erhoffte erste Erfolgserlebnis aus deutscher Sicht durch die deutschen Fußball- Frauen blieb zwei Tage vor dem offiziellen Beginn aber aus: Die Weltmeisterinnen kamen in Shenyang gegen Brasilien in der Neuauflage des WM-Finals 2007 nur zu einem insgesamt glücklichen 0:0.

Vesper im Zentrum von Kritik

Vesper, der als Chef de Mission seine Olympia-Premiere erlebt, weiß, dass die Spiele in Peking nicht nur eine sportliche, sondern auch eine politische Dimension haben. Menschenrechts-Verletzungen, fehlende Pressefreiheit und Internetzensur sowie starke Militär- und Polizeipräsenz werfen einen Schatten auf die Spiele in dem kommunistischen Staat. "Diese Spiele, das wissen wir alle, finden im politischen Raum statt wie selten Spiele zuvor", sagte der ehemalige Minister in Nordrhein-Westfalen, der aber zugleich die Olympia- Organisation lobte.

Der 56-Jährige war in den vergangenen Tagen selbst in die Kritik seiner ehemaligen Politikkollegen geraten. Sein ungeschickter Vergleich der Internetzensur in China mit dem Sperren von rechtsradikalen Webseiten in Deutschland stieß in der Heimat auf Unverständnis und sorgte für heftige Reaktionen. "Ich bin ein strikter Gegner von Internetzensur", bemühte sich das Grünen-Mitglied um Schadensbegrenzung.

Er verwies darauf, dass er sich nach Bekanntwerden der Zensur dagegen eingesetzt und ganz klar erklärt habe, "dass diese Sperrung von Internetseiten nicht akzeptabel ist". Die Bundesregierung ließ über den stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg mitteilen, dass sie die Klarstellung Vespers begrüße.

DPA / DPA

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