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Olympia 2016: Party, Pfiffe und so einige Botschaften - die Spiele in Rio sind eröffnet

Die Eröffnung der 31. Olympischen Spiele war vor allem ein Zelebrieren von Natur, Farben und Musik. Nur einer wurde inmitten der Feierstimmung bei Olympia 2016 ausgepfiffen.

Bei der Eröffnungsfeier der Olympiade 2016 in Rio de Janeiro steigt Feuerwerk über dem bunt beleuchteten Stadion Maracana auf

Alles so schön bunt hier: Ein gewaltiges Feuerwerk steigt bei der Eröffnungsfeier der Spiele von Rio über dem Maracana-Stadion auf

Die Eröffnungszeremonie begann mit Brasiliens Bestem - der Natur. Und endete mit dem Besten - der Musik.

Dazwischen gab es noch mehr brasilianische Natur: Dschungel, Strände, Berge. Und noch mehr brasilianische Musik: Samba, Funk, Bossa Nova, Forro.

Und so einige Botschaften: Der Klimawandel ist eine reale Gefahr. Die Welt ist in einer schweren Krise. Flüchtlinge sind herzlich willkommen. Die Welt lebt von Gleichheit, Mitgefühl und Vielfalt bei Hautfarben, Ethnien, sexueller Orientierung.

Donald Trump hätte keine Freude daran gehabt. Auch Nigel Farage nicht. Oder Geert Wilders. Schon gar nicht die AFD.

Auch Brasiliens Übergangspräsident Michel Temer hatte keine Freunde. Er wurde ausgepfiffen. Als Einziger.

Aus einem Samen werden 11.000

Die Show begann mit einem einzigen Samen, der den Beginn des so fruchtbaren brasilianischen Lebens symbolisierte. Und endete mit 11.000 Samen, die die 11.000 Athleten sähen werden für die Wiederaufforstung des Regenwaldes und im Kampf gegen den Klimawandel. Dazwischen gab es viel Grün. Grün des Regenwaldes. Des Dschungels. Des Amazonasbeckens. Selbst die Olympischen Ringe waren irgendwann alle grün.

Rio 2016 wollte Peking 2008 nicht überbieten - in der technischen Perfektion. Oder London 2012 - bei Humor und Popkultur. Die Eröffnung der 31. Olympischen Spiele war vor allem ein Zelebrieren von Natur, Farben, Musik. Eher: Back to the roots. Wenig Schnickschnack.


Brasilien will Brasilien sein

Wenn es eine Botschaft gab, dann: Brasilien will Brasilien sein. Im Guten wie im Schlechten. Geht es sonst immer gern um die Klischees - Samba, Caipirinha, Strand, Fußball - so ging es diesmal auch um: Das Schicksal der Ureinwohner. Die Sklaverei. Es ging um den Pionier der Luftfahrt, Santos Dumont, und die Architektur von Oscar Niemeyer. Es ging um die Musik von Tom Jobim und die Schönheit von Giselle Bündchen, aber vor allem: um Musik und Leben der Favelas. Es mag viel Rassismus in diesem Land geben, aber auch einen starken kulturellen Einfluss der Schwarzen. Es mag viel Armut in den Favelas geben, aber auch viel Kultur. Den Regisseuren ging es darum, das wahre Brasilien zu zeigen. Nicht das Klischee in den Köpfen der Besucher.

Die Bühne im Maracana war nicht Copacabana. Nicht Ipanema. Nicht ein anderer Strand. Sondern: eine bunte Favela.

Es traten die großen Musiker auf, Caetano Veloso und Gilberto Gil, aber auch im Ausland eher unbekannte wie Anitta und Ludmilla. Ludmilla ist eine Sängerin der Musikrichtung Funk. Funk ist die Musik vieler Favelas (und Drogengangs), aber längst Mainstream. Die weiße Oberklasse echauffiert sich gern über den "obszönen" Funk. Dabei spielt ihn jede Radiostation und auf jeder Abiturfeier tanzen die Töchter aus gutem Hause dazu.

Rousseff verpasst Eröffnung von Olympia 2016

Die gewählte Präsidentin Brasiliens, Dilma Rousseff, war nicht bei der Eröffnung der Spiele. Sie wurde vom Parlament vorübergehend abgesetzt wegen Haushaltsmanipulationen. Ihr Vorgänger Lula da Silva, der die Spiele am 2. Oktober 2009 nach Brasilien holte, war auch nicht dabei. Ihm droht eine Haftstrafe wegen Behinderung der Justiz. Der Übergangspräsident Michel Temer war dabei. Er wurde gerade zu einer Strafe von 80.000 Reais verurteilt. Man versuchte ihn zu verstecken. Entgegen des offiziellen Programms wurde sein Name nicht ausgerufen. Und als es unausweichlich wurde, dass er die Spiele eröffnete, setzte ein gellendes Pfeifkonzert ein. Besser lässt sich Brasiliens Dilemma nicht zusammenfassen. Brasilien kann Musik, aber nicht Politik.

Auch der Einmarsch der Athleten hatte eine Kontroverse ausgelöst. Als erstes liefen wie immer die Griechen ein. Dann ging es in alphabetischer Reihenfolge weiter. Schon bald darauf kamen die Deutschen (zu großem Jubel). Die Vereinigten Staaten sollten am Ende kommen. So wollte es der Sender NBC, der 7,75 Milliarden Dollar in die Übertragungsrechte steckt. Die US-Zuschauer sollten bis zum Ende vor dem Fernseher ausharren und gute Quoten bringen. Aber NBC verlor den Machtkampf. Die Mannschaften marschierten - wie immer - in der alphabetischen Reihenfolge der Gastgebersprache ein. Estados Unidos lag damit schon im ersten Drittel.


Jubel für das Team der Flüchtlinge

Jubel gab es dennoch für die USA und ihren Fahnenträger, den 18maligen Medaillengewinner Michael Phelps. Noch größeren Jubel gab es für Portugal und Italien und vor allem für das erstmals antretende Team der Flüchtlinge. Und Schweigen für die Russen. Ein Drittel der Athleten wurde wegen Dopings gesperrt.
Jubel gab es zudem für die richtigen Worte von IOC-Präsident Thomas Bach: "Einheit in Vielfalt." Und auch für seine falschen Worte: Ihr habt Rio in eine moderne Metropole verwandelt.

Die ersten Spiele in Südamerika sind eröffnet. Rio hatte 2500 Tage Vorbereitungszeit und ist wie immer erst auf den letzten Drücker fertig geworden. Nicht alles funktioniert. Das Olympische Dorf kämpft mit so einigen Defekten. Drei schwedische Touristen wurden kurzzeitig entführt. Am letzten Tag musste die Fackel noch Umwege nehmen wegen politischer Proteste. Zwei Banditen versuchten den russischen Vizekonsul auszurauben. Daraufhin erschoss dieser einen der beiden Täter kurzerhand. Es ist unübersehbar in diesen Tagen: trotz 85.000 Sicherheitskräften gehört die Gewalt unweigerlich zur Stadt. So wie die atemberaubende Natur und Musik. Und der Sport.