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Basketball-EM: Dirk Nowitzki heißt der große Wurf

Er ist die Lichtgestalt des deutschen Basketballs: Vor allem Dirk Novitzki ist es zu verdanken, dass die deutsche Mannschaft um den Meistertitel mitspielt.

"Wahnsinn, einfach sensationell!" Wenn der deutsche Basketball-Bundestrainer Dirk Bauermann in Superlativen spricht, kann er nur einen gemeint haben: Dirk Nowitzki. Der 2,13 Meter große Flügelspieler des nordamerikanischen NBA-Clubs Dallas Mavericks ist nicht nur der Superstar des deutschen Teams, sondern auch ein ganz heißer Anwärter auf den Ehrentitel "wertvollster Spieler" (MVP) der Europameisterschaft in Serbien und Montenegro.

Der 27 Jahre alte Würzburger kann dies natürlich nur dann werden, wenn die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) möglichst lange im Turnier bleibt. So wie bei der Weltmeisterschaft 2002 in Indianapolis, wo Nowitzki beim Gewinn von WM-Bronze zum MVP gewählt wurde. Bei der EM 2001 in der Türkei war er mit durchschnittlich 28,7 Punkten pro Partie der Top-Korbjäger und Garant für die zweitbeste deutsche Platzierung (4. Rang) der EM-Geschichte.

Siege dank Nowitzki

Dafür, dass die Mannschaft von Bauermann bei dieser EM noch im Geschäft ist, sorgte Leitwolf Nowitzki als zwei Mal herausragender Korbschütze. Bei der unglücklichen 82:84-Niederlage nach Verlängerung gegen Italien am Freitag erzielte er ebenso 27 Punkte wie beim souveränen 84:58-Erfolg im zweiten Vorrundenspiel am Samstag gegen die Ukraine. Seine Effektivität beschränkte sich aber nicht nur auf das Punktesammeln. Gegen Italien pflückte er 15 Rebounds, im Spiel gegen die Ukraine verurteilte der nicht gerade als Verteidigungsriese geltende Nowitzki seinen NBA-Kollegen Stanislaw Medwedenko von den Los Angeles Lakers zur Bedeutungslosigkeit.

"Medwedenko ist kein Schlechter. Wie Dirk ihn abgemeldet hat, war schon sensationell", schwärmte Bauermann von seinem Juwel in den höchsten Tönen. Der ukrainische Co-Trainer Igor Jatschenko bezeichnete den besten deutschen Basketballspieler als "Meister, der mit seiner Energie der deutschen Mannschaft in allen Elementen hilft". Für Amerika-Kenner Bauermann zählt Nowitzki neben den NBA- Top-Stars Tim Duncan und Shaquille O'Neal zu den drei besten Basketballspielern der Welt. "Man neigt dazu, seine Leistungen als etwas Selbstverständliches hinzunehmen. Aber es ist ein Wahnsinn, was Dirk alles leistet", meinte Bauermann.

"Es gibt immer noch etwas zu verbessern"

Dabei hatte die deutsche Basketball-Lichtgestalt im Vorrunden- Spielort Vrsac seine Wurf-Effizienz noch gar nicht ausgeschöpft. "Es gibt immer noch etwas zu verbessern, vor allem auch bei der Wurfauswahl", sagte der selbstkritische Nowitzki. Entsprechende Hilfestellung leistet wie immer sein mit Argusaugen auf der Tribüne sitzender Entdecker und Mentor Holger Geschwindner. Der 59-jährige Kapitän des deutschen Olympia-Teams von München 1972 greift immer dann korrigierend ein, wenn es bei seinem Zögling klemmt.

Die Präsenz seines Individualtrainers, der im Vorfeld der EM fünf Wochen in Untersuchungshaft wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung saß und nur auf Antrag reisen darf, ist für Nowitzki von extremer psychologischer Wichtigkeit. Sein "zweiter Vater" (Nowitzki über Geschwindner) feilt weiter an der Perfektion seines Schützlings, den er zu einem "kompletten Spieler" machen will. "Ich muss noch eine Schippe drauflegen", sagte Nowitzki vor dem Weg weisenden letzten Vorrundenspiel am Sonntagabend gegen Russland.

Reinhard Schwarz, DPA / DPA

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