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Eishockey: Die große DEL-Vorschau, Teil II

Im zweiten Teil der großen DEL-Vorschau präsentieren wir die verbliebenen Vereine von Hannover bis Augsburg.

Neben einem kurzen Rückblick auf die vergangene Saison gibt es zu jedem Team eine Auflistung der wichtigsten Ab- und Zugänge, einen Überblick über die Vorbereitungsspiele sowie einer abschließenden Aussage über das vermutete Abschneiden des Teams.

Hannover Scorpions

Rückblick

Eine rasante Saison haben die Scorpions hinter sich. Zwischen Platz 1 und 10 gab es nicht viele Ränge, die die Scorpions nicht irgendwann belegten, am Ende der Hauptrunde schien kurzzeitig sogar der Playoffplatz in Gefahr. Am Ende schaffte der Titelverteidiger aber noch den Sprung ins Viertelfinale, wo man gegen Krefeld den Kürzeren zog.

Abgänge

Einhergehend mit einer erneuten Etatkürzung kam es zu einigen namhaften Abgängen, die jedoch nicht ausschließlich mit der geringen finanziellen Ausstattung des Clubs zusammenhängen. Mit Tore Vikingstad verlässt ein Spieler die Liga Richtung Heimat, der mit seiner Spielweise nicht nur bei seinen ehemaligen Clubs Anhänger hatte. Verabschiedet haben sich auch Tino Boos, Aris Brimanis, Thomas Dolak, Matt Dzieduszyck, Klaus Kathan, Patrick Köppchen, Adam Mitchell oder David Wolf. Insgesamt haben 15 Spieler den Club verlassen.

Neuzugänge

Dementsprechend groß ist auch die Anzahl der Neuverpflichtungen, wobei man sich bei den Scorpions hauptsächlich innerhalb der DEL bedient hat. Aus Ingolstadt kommen Bryce Lampman, Patrick Buzas und Stephan Daschner. Von den Grizzlies wurde Jeff Hoggan verpflichtet. David Sulkovsky und Andreas Morczinietz kommen aus Wolfsburg. Von den Tigers aus Straubing hat man Dimitri Pätzold und Stephan Wilhelm verpflichtet. Neben Hoggan dürften Ex-Adler Scott King sowie natürlich Eric Regan die interessantesten Neuzugänge für die Offense sein.

Vorbereitung

In der Vorbereitung gab es Siege gegen die Haie, zwei Niederlagen gegen die DEG, Wolfsburg und Malmö. Erfolgreich waren die drei abschließenden Partien gegen Esbjerg, Halle und Hamburg.

Prognose

Nach Jahren der Kontinuität müssen die Scorpions diesmal eine größeren Umbruch verkraften, die Erfahrung der letzten Jahre bei anderen Teams zeigen, dass dies nicht immer einfach ist. Für die Scorpions könnte es eine Zittersaison werden.

Platz 7-12

Hamburg Freezers

Rückblick

Zum zweiten Mal in Folge haben die Freezers den Einzug in die Playoffs verpasst, nirgendwo in der DEL scheinen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderzuklaffen wie beim Team von der Elbe. So hangelt sich der Club von Übergangssaison zu Übergangssaison, auch in diesem Jahr birgt der Kader nur wenig Kontinuität.

Abgänge

Den Club verlassen haben unter anderem Alex Barta, Chad Bassen, Matt Cohen, J.P. Coté, Sean Curry, Alex Dotzler, Alex Dück, Thomas Holzmann, Jason King, Michel Ouellet, Danny Taylor, Joey Tenute, Mats und Mats Trygg. Dabei fallen Barta und King unbedingt in die Kategorie Leistungsträger. Insgesamt waren es sechzehn Akteure, dazu müsste man noch Nicolas Krämmer zählen, der zwischenzeitlich verpflichtet, sich dann doch für die USA entschied.

Neuzugänge

Die zehn verbliebenen Spieler aus der letzten Spielzeit wurden ergänzt durch ein Trio aus Hannover: David Wolf, Thomas Dolak und Patrick Köppchen. Aus Düsseldorf ist Rob Collins zu den Freezers gewechselt, aus Dänemark kamen Daniel Nielsen und Jesper Jensen, beide waren auch im dänischen Kader bei der letzten WM. Aus der Schweiz kamen Spätverpflichtung Brendan Brooks, Charlie Cook und er bekannteste unter den Neuzugängen, Serge Aubin.

Vorbereitung

Die Hamburger spielten während der Vorbereitung vier Spiele in Skandinavien, kamen dabei zu Siegen gegen Sönderjysk, Herning, Malmö und Rögle. Gegen Wolfsburg gab es jeweils einen Sieg und eine Niederlage. Zum Abschluss der Testspielphase unterlag man nach Verlängerung bei den Scorpions sowie in einer weiteren Partie gegen Malmö.

Prognose

Die Freezers sind und bleiben für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Ein großes Manko der letzten Jahre ist die fehlende Kontinuität im Kader, daran scheint sich auch in diesem Jahr wenig geändert zu haben. Das Potential zum Erreichen der Playoffs ist allemal vorhanden, abzuwarten bleibt, ob die Teamchemie stimmt.

Platz 2-14

Düsseldorfer EG

Rückblick

Nach einer Orientierungsphase zu Saisonbeginn spielte die DEG in der letzten Spielzeit mit das attraktivste Eishockey, das in der DEL geboten wurde. Belohnung war ein zweiter Platz nach der Hauptrunde für das torgefährlichste Team der Liga. Im Halbfinale musste man sich schließlich dem späteren Meister geschlagen geben.

Abgänge

Die DEG gehört zu den Teams der DEL, deren Kader die wenigsten Veränderungen zu verkraften hat. Mit Rob Collins hat sich jedoch ein absoluter Leistungsträger Richtung Hamburg verabschiedet. Ebenfalls den Club verlassen haben Mark McCutcheon, Mark Murphy und Sasha Pokulok.

Neuzugänge

Neu im Kader sind Jeff Ulmer, ehemals in Hamburg und Frankfurt aktiv, aktuell aus Linköping in die DEL zurückgewechselt. Vom KEV hat man Justin Kelly geholt, aus München wechselt René Kramer an den Rhein.

Vorbereitung

Den Vorbereitungsauftakt bildete eine Niederlage gegen Iserlohn, gefolgt von Siegen gegen Hannover (2) und Duisburg. Zum Abschluss setzte es Niederlagen gegen Köln (2) und Krefeld.

Prognose

Sportlich stimmt es bei der DEG, finanziell kämpft man bei den Rheinländern nach dem Ausstieg des Hauptsponsors jedoch ums Überleben für die Zeit nach der kommenden Spielzeit. Ein Ausstieg des Traditionsclubs hätte nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die benachbarten Teams Köln, Krefeld und Iserlohn. Da wird die Playoffteilnahme schon fast überlebenswichtig. Gelingt es, den Abgang der Center zu verkraften, dürfte das jedoch kein Problem sein.

Platz 4-8

Thomas Szabo Ice Tigers

Das Minimalziel Viertelfinale konnte in der letzten Saison nicht erreicht werden. Nach der Hauptrunde lagen die Ice Tigers auf dem zehnten Platz und mussten in den Preplayoffs gegen Mannheim weichen. Ein besseres Abschneiden verhinderte eine Pleitenserie zu Saisonende, als sie sechs der letzten sieben Spiele verloren und so die direkte Qualifikation für die Playoffs deutlich verpassten.

Abgänge

Mit acht Akteuren haben relativ wenig Spieler den Verein verlassen, Colin Beardsmore, Sean Blanchard, Fredrik Eriksson, Jeff Likens, Jan Platil, Petr Prikryl, Sebastian Stefaniszin und Clarke Wilm. Mit Likens und Eriksson sind darunter also auch zwei wichtige Defender, die Scorerqualitäten unter Beweis gestellt haben.

Neuzugänge

Die Neuzugänge sind fast durchweg Spieler, die sich in der DEL bereits auskennen, also kaum Zeit brauchen dürften, um sich sonderlich umgewöhnen zu müssen. Aus Mannheim kommen Sven Butenschön und Rückkehrer Jame Pollock. Paul Traynor wechselt von Wolfsburg zu den Franken. Dazu kommen Chris Collins, der nach einem Gastspiel in der AHL, zuvor war er in Augsburg aktiv, in die DEL zurückkehrt. Bleiben noch Shane Joseph (Iserlohn), Jan Benda und Tyler Moss als zweiter starker Goalie, der aus Hannover zu den Ice Tigers gekommen ist.

Vorbereitung

Die Ice Tigers bestritten neun Vorbereitungsspiele, kassierten Niederlagen gegen Ingolstadt, Augsburg, München und zweimal Straubing. Siege gab es gegen Bad Tölz, Augsburg und den beiden letzten Spielen, bei erneuten Matches gegen Augsburg und München.

Prognose

Die Ice Tigers bieten ein Team auf, das über viel Erfahrung verfügt. Routine ist Trumpf, dazu blieb ein großer Teil der Mannschaft den Franken erhalten. Die könnte zu einer der Trumpfkarten in der neuen Saison werden.

Platz 6-11

Grizzly Adams Wolfsburg

Rückblick

Vor drei Jahren war für Wolfsburg im Viertelfinale Schluss, vor zwei Jahren scheiterten die Grizzlies im Halbfinale, in der letzten Saison war erst im Finale gegen Berlin Endstation. Die Niedersachsen haben sich in dieser Zeit als echtes Spitzenteam etabliert. Gelingt in der neuen Spielzeit der ganz große Wurf?

Abgänge

Verabschiedet hat sich der Mann, der dafür steht, dass Vokalvielfalt überschätzt wird: Jan-Axel Alavaara, das personifizierte Abwehrbollwerk der Grizzlies. Gegangen sind auch Toni Dahlmann, schmerzhafter ist da der Verlust von Jeff Hoggan. Nicht zu halten waren Ken Magowan und Jochen Reimer, immerhin in der letzten Saison der beste Goalie der DEL. Jason Ulmer ist nach München gewechselt, zum niedersächsischen Konkurrenten Hannover wechselten Andi Morczinietz und David Sulkovsky, soweit die wichtigsten Abgänger.

Neuzugänge

Gut zu verkraften dürfte der Abgang von Reimer sein, mit Daniar Dshunussow hat man immer noch den zweitbesten Goalie der letzten Saison unter Vertrag. Dazu kommt neu Lukas Lang als Backup. Aus der DEL hat man sich ferner mit Matt Dzieduszycki, Benedikt Kohl, Benedikt Schopper, Colin Beardsmore und André Huebscher verstärkt. Die Alavaara-Lücke soll durch Nathan Paetsch ausgefüllt werden, der ebenso wie Patrick Davis und David Laliberté aus der AHL nach Wolfsburg übersiedelt.

Vorbereitung

In acht Vorbereitungsspielen gab es drei Niederlagen gegen Kladno, Krefeld und Hamburg. Erfolgreich war man gegen Usti nad Labeem, Hannover, Hamburg und den letzten beiden Partien gegen Angstgegner Berlin und Iserlohn.

Prognose

Für Grizzlies-Verhältnisse gab es in dieser Saison einen verhältnismäßig großen Personalaustausch, die Erfolge erwecken natürlich Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz, siehe Ken Magowan. Dennoch werden die Niedersachen auch diesmal wieder oben mitspielen.

Platz 3-6

Adler Mannheim

Rückblick

Nur Platz 7 nach der letzten Spielzeit, und das Viertelfinale über den Umweg Nürnberg erreicht, für die Ansprüche der Adler muss das zu wenig sein, dementsprechend enttäuschend war die letzte Spielzeit. Wie üblich mit starkem Kader ausgestattet, agierten die Adler zu häufig nicht als Team.

Abgänge

Wenn Mannheim "ausmistet", dann auf hohem Niveau. Da gehen dann Spieler, die bei der Konkurrenz gerne und mit Begeisterung beschäftigt wurden und dort auch plötzlich wieder besser funktionieren und zu dem werden, was ihnen in Mannheim zu selten gelang, sie werden wieder Leistungsträger. Zu nennen seine unter anderem Francois Methot, Jame Pollock, Scott King, Manuel Klinge. Gegangen sind daneben auch Sven Butenschön, Nicholas Dimitrakos, der invalide Justin Papineau, Steven Reinprecht und Mario Scalzo. Auch der inzwischen verstorbene Robert Dietrich hinterlässt eine schwer zu schließende Lücke.

Neuzugänge

Aber natürlich haben die Kurpfälzer auch gut eingekauft. Mit Adam Michell und Ken Magowan kommen zwei gefährliche Scorer an den Rhein, deren Qualitäten man schon kennt. Und die Rückkehr von Christoph Ullmann aus Kön ist auch nicht unbedingt eine Schwächung. Aus Köln kommt Chris Lee, Florian Kettemer kommt vom AEV. Erst Erfahrungen auf europäischem Eis müssen Steve Wagner und Jaime Sifers sammeln. Damit kennen sich Yanick Lehoux (Schweiz) und Patrick Galbraith (Schweden) schon besser aus.

Vorbereitung

Wie die Eisbären absolvierten die Adler eine Vorbereitungszeit mit höherem Anspruch. Denn auch sie waren in der European Trophy aktiv. Bilanz: Vier Siege (Wien, Brünn, Pardubice und Liberec) und vier Niederlagen (Linköping, Jonköping, Göteborg und Prag) und das Ausscheiden. Am Ende traf man sich zu zwei Spielen mit Ingolstadt, die die Adler beide gewinnen können.

Prognose

Gelingt es Harold Kreis, aus dem Ensemble ein Team zu schmieden, werden die Adler sich wohl ganz oben mit festsetzen können. In einigen Spielen in der Vorbereitung haben die Kurpfälzer bereits angedeut, was das Team zu spielen in der Lage ist.

Platz 1-4

Augsburger Panther

Rückblick

Im einen Jahr die Vizemeisterschaft, im Jahr darauf am Ende der Hauptrunde Tabellenletzter, der Absturz der Panther im vergangenen Jahr war erheblich. Auch das Chaos um den Stadionneubau hat die Lage bei den Oberschwaben nicht gerade entspannt. Sportlich ist das Auf und Ab bei einem Club, der regelmäßig damit Leben muss, die besten Akteure abzugeben, nicht überraschend.

Abgänge

Mal wieder war der Aderlass beim AEV in der Sommerpause gewaltig: Darin Olver, Barry Tallackson, Noah Clarke, Grand Stevenson, Jonathan D’Aversa - für die Konkurrenz wurde die clubinterne Scorerwertung der Panther praktisch zu einer Einkaufsliste. Von den zehn besten Scorern insgesamt ist nur Justin Fletcher dem Team erhalten geblieben. Neben den obengenannten haben sich u.a. auch Riley Armstrong, Sean Bentivoglio, Thomas Jörg, Florian Kettemer, Johnathan Paiement, Mike Radja und Peter Zingoni verabschiedet. Und last but not least ist natürlich Dennis Endras zu nennen, der mit Olver zusammen eine der prägenden Gestalten der Panther in den letzten Spielzeiten war.

Zugänge

Bei soviel Substanzverlust ist klar, dass Larry Mitchell die neue Mannschaft praktisch von Null auf wieder aufbauen muss. Denn aus der Vorsaison sind nur acht Spieler übriggeblieben. Aus Nordamerika hat man Goalie Tyler Weiman geholt. Ebendort ist man auch fündig geworden in Sergio Somma, John Zeiler, T.J. Trevelyan, Daryl Boyle, Brian Roloff und Greg Moore. Mit Chad Bassen (Hamburg), Tobias Draxinger (Straubing), Kyle Helms (München) und Christian Chartier (Ingolstadt), einem Rückkehrer, konnte man auch vier Spieler aus der DEL nach Augsburg lotsen. Im Endeffekt gilt es, sechzehn neue Spieler zu integrieren, Larry Mitchell hat gezeigt, manchmal gelingt das, manchmal bereitet es Probleme.

Vorbereitung

Durchwachsene Ergebnisse gab es in der Vorbereitung mit zwei Niederlagen gegen Nürnberg, einer gegen München und Ingolstadt sowie gegen Fribourg. Siege gelangen lediglich gegen Straubing und Graz. Man mag das auch als Hinweis darauf interpretieren, dass die Integration der Neuzugänge einfach noch nicht abgeschlossen ist, sein kann.

Prognose

Es wird eine normale Saison für den AEV, das heißt, die Panther werden voraussichtlich bis zum letzten Spieltag um einen Preplayoffplatz kämpfen müssen. Entscheidend wird sein, ob man verlorenen Scorerqualitäten adäquat ersetzen konnte.

Platz 9-14

Fazit

Zusammengefasst würde sich in etwa folgende Tabelle ergeben.

1. Berlin
2. Mannheim
3. Wolfsburg
4. Ingolstadt
5. Düsseldorf
6. Köln
7. Iserlohn
8. Nürnberg
9. Krefeld
10. Hannover
11. München
12. Straubing
13. Augsburg

Für die Hamburg Freezers müsste ich den Joker in Anspruch nehmen.

Olaf Edig

 

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