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Mehr Sport Rugby WM-Favoriten - Neuseeland


Im letzten Teil unserer Serie der Favoriten auf die Rugby-WM stellen wir Ihnen den Gastgeber vor: Neuseeland. Die All Blacks sind das erfolgreichste Team der Rugby-Geschichte und haben gegen jeden Gegner weltweit eine positive Bilanz. Wir erzählen Ihnen die Geschichte des Rugby-Sports in Neuseeland.

Wie eigentlich bei jeder Rugby-Weltmeisterschaft ist Neuseeland vor Beginn des Turniers der große Favorit, zumal die WM im eigenen Land stattfindet, aber durch zwei Niederlagen zum Abschluss des Tri Nations in Südafrika und in Australien ist man bei den All Blacks ins Grübeln gekommen: Wird der World Cup wieder mit einer Enttäuschung enden, wie bereits so oft zuvor? Wir erzählen Ihnen die Geschichte des Rugby in Neuseeland.

Alles nahm 1870 in Nelson seinen Anfang

Der Sport kam 1870 nach Neuseeland und wurde durch Charles John Munro, dem Sohn des Sprechers des neuseeländischen Representantenhauses David Munro, eingeführt. In seiner Zeit am Christ's College Finchley in London hatte Munro den Sport kennen- und lieben gelernt.

Nach seiner Rückkehr führte er Rugby am College von Nelson ein und am 14. April 1870 kam es bereits zur ersten offiziellen Partie zwischen dem Nelson College und dem Nelson Football Club. Ein Besuch Munros in Wellington hatte das erste Spiel zwischen Nelson und Wellington zur Folge. Das Spiel verbreitete sich rasend schnell und wurde Mitte der 1870er Jahre bereits in vielen Regionen der Kolonie gespielt. Die erste Auswahlmannschaft aus Vereinen aus Auckland tourte 1875 über die Südinsel.

Ab 1879 wurden langsam feste Strukturen etabliert und Regionalverbände gegründet. 1882 war mit einem Auswahlteam aus New South Wales erstmals eine ausländische Mannschaft zu Gast in Neuseeland. Zwei Jahre später reiste eine neuseeländische Mannschaft nach Australien, damals noch in blauen Trikots mit goldenem Farn.

1888 kommen die Briten

1888 kam erstmals eine Auswahl der britischen Inseln nach Australien und Neuseeland, noch im selben Jahr besuchten die New Zealand Natives, eine hauptsächlich aus Māori bestehende Mannschaft, Großbritannien. Generell spielte der Sport eine wichtige Rolle bei der Integration der Māori in die britisch geprägte Gesellschaft.

Rugby kam den physischen Fähigkeiten der Māori sehr entgegen und so wurden sie schnell als vollwertige Mitglieder in die Mannschaften integriert. Die enge Verbindung zwischen den Māori und dem Sport wird auch heute noch durch die große Zahl der māorischen Spieler und der Tatsache, dass die All Blacks vor jedem Spiel den Haka aufführen, einen rituellen Kriegstanz der Māori.

1905 wird der Name All Blacks geboren

Der berühmte Name All Blacks etablierte sich aber erst zwischen 1905 und 1906 als die "Original All Blacks" eine Tournee durch Großbritannien, Frankreich und durch die USA absolvierten. Von 35 Spielen ging nur eines gegen Wales knapp verloren. Diese Tour begründete den Ruf Neuseelands, die zu diesem Zeitpunkt vielleicht beste Mannschaft der Welt zu sein.

Waren die All Blacks zunächst noch aufgrund ihrer Härte berüchtigt, so entwickelten sie in den 1930er Jahren ein immer feineres Spiel und legten viel Wert auf Technik und Taktik. Nach einer kleine Schwächephase nach dem 2. Weltkrieg steigerte sich die Mannschaft bald wieder und dominierte in den 60er Jahren die Gegner beinahe nach Belieben.

All Blacks kaum zu stoppen

1964 verpassten sie den Grand Slam gegen die Home Nations nach Siegen gegen Irland, Wales und England nur durch ein 0:0 gegen Schottland. Drei Jahre später verhinderte nur der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien nach drei Siegen die vierte Partie gegen Irland. Zwischen 1965 und 1970 blieben die All Blacks in 17 Länderspielen in Folge ungeschlagen.

1978 gelang auch endlich der erste Grand Slam gegen die Home Nations. Allerdings durch ein umstrittenes 13:12 gegen Wales. Sensationell verloren die All Blacks auf dieser Tour aber ein Spiel gegen eine Provinzmannschaft in Limerick mit 0:12, was den irischen Theaterregisseur John Breen zum Stück Alone it Stands inspirierte.

Die Duelle mit Südafrika - eine traurige Geschichte

Kontrovers waren immer die Duelle zwischen Neuseeland und Südafrika, da sich die All Blacks meist gegen den allgemeinen Boykott gegen die Springboks aufgrund der Apartheid in Südafrika hinwegsetzten und trotzdem Spiele austrugen. Dies ging soweit, dass zahlreiche afrikanische Mannschaften den Ausschluss Neuseelands von den Olympischen Spielen 1976 forderten, doch das IOC ging darauf nicht ein, da Rugby keine olympische Sportart war. Dies hatte zur Folge, dass 28 afrikanische Staaten die Spiele von Montreal boykottierten.

Einen Tiefpunkt fanden die Spiele 1981, als Südafrika für drei Partien nach Neuseeland kam. Es kam zu zahlreichen Protesten und ein Spiel musste abgebrochen werden, da Demonstranten das Spielfeld stürmten. Erst 1985, als erneut eine Tour geplant war, verbot das oberste neuseeländische Gericht diese und bis zur Aufhebung der Apartheid 1994 gab es nun keine Länderspiele mehr zwischen den Teams.

Neuseeland erster Weltmeister

Bei der ersten Weltmeisterschaft 1987 wurde Neuseeland seiner Favoritenrolle - zum einzigen Mal bei einer WM - gerecht. Nach fünf deutlichen Siegen gegen Italien, Fidschi, Argentinien, Schottland und Wales trafen die All Blacks im Finale auf Frankreich, das sie beim 29:9 auch nach Belieben dominierten.

1991 kam eine überalterte neuseeländische Mannschaft zwar ins Halbfinale, verlor dort aber gegen Australien. Nach der WM gab es zahlreiche Rücktritte und ein Neuaufbau mit jungen Spielern folgte, die aber zunächst nicht an die Erfolge des Vorgängerteams anknüpfen konnten und unter anderem zwei Heimspiele gegen Frankreich verloren.

Eine Magengrippe stoppt die All Blacks

1995 gingen die All Blacks wieder als Favorit ins WM-Turnier, marschierten dort auch souverän ins Endspiel, wo sie aber mit vielen durch eine Magengrippe geschwächten Spielern Gastgeber Südafrika mit 12:15 nach Verängerung unterlagen. Bis heute halten sich in Neuseeland hartnäckig Gerüchte, dass die Krankheit kein Zufallsereignis war.

Vier Jahre später folgte ein ähnlich souveräner Durchmarsch ins Halbfinale, wo die All Blacks zur Pause gegen Frankreich bereits mit 17:10 führten, danach aber völlig den Faden verloren und am Ende mit 31:43 geschlagen vom Platz schlichen. 2003 folgte ein weiteres Scheitern im Halbfinale, diesmal unterlag man Gastgeber Australien 10:22.

Der Tiefpunkt 2007

2007 folgte das schlechteste WM-Abschneiden überhaupt. Nachdem die All Blacks als Sieger des Tri Nations erneut die Top-Favoriten auf den Titelgewinn waren, scheiterten sie diesmal bereits im Viertelfinale an Frankreich. 

Nun soll also im eigenen Land endlich der zweite WM-Titel her. Nachdem man die ersten vier Spiele der Tri Nations souverän gewonnen hatte, wuchs der Favoritenstatus beinahe täglich, doch die beiden abschließenden Partien in Südafrika und Australien gingen recht deutlich verloren und so gewannen die Wallabies das Turnier und vielleicht erhielt Neuseeland diesmal rechtzeitig vor der WM einen Dämpfer um den Titel zu gewinnen.

Henning Schulz

sportal.de sportal

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