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Tennis: Power Ranking - Die zehn besten Spieler der Welt

In Abwesenheit von Novak Djokovic und Roger Federer steht erstmals ein deutscher Spieler in unserer Top Ten. Dominiert wird das Ranking aber von Andy Murray. Hat der Schotte den entscheidenden Schritt nach vorne gemacht?

Da Novak Djokovic (verletzt) und Roger Federer (müde) seit den US Open pausiert haben, fehlen sie im aktuellen Power Ranking der Tennis-Herren. Somit stellt sich schnell die Frage, was die Siegesserie von Andy Murray überhaupt wert ist. Hat sich der Brite tatsächlich verbessert und ist nun bereit für den nächsten großen Karriereschritt, einen Grand Slam-Titel im kommenden Jahr?

In jedem Fall wurde die Top Ten im Oktober ordentlich durcheinander gewirbelt, denn erstmals hat es ein deutscher Spieler geschafft, zudem sind auch ein selbstbewusster Japaner und ein alter Spanier vertreten, der im Davis Cup noch auf den ganz großen Wurf hofft. Aber auch Henri Lecontes Rückkehr als Trainer ist bemerkenswert. Wie gewohnt wurden für die Rangliste die vergangenen vier Turniere eines jeden Spielers herangezogen, das Ganze im Verhältnis 40, 60, 80 und 100 Prozent für das letzte Ergebnis.

10. (neu) Florian Mayer (GER, 28 Jahre, Weltrangliste: 21) / Letzte vier Turniere: US Open (3. Runde), Bukarest (Sieg), Peking (2. Runde), Shanghai (Viertelfinale) / Power Ranking-Punkte: 402

Florian Mayer hat sich die erstmalige Aufnahme im Power Ranking redlich verdient, immerhin sorgte er mit seinem Sieg im Achtelfinale von Shanghai gegen Rafael Nadal für den Paukenschlag des Tennis-Herbstes. In Bukarest gelang ihm zudem der erste Turniersieg überhaupt auf der ATP-Tour – mit weitem Abstand ist Mayer derzeit die Nummer eins im darbenden deutschen Herrenbereich. Davis Cup-Kapitän Patrik Kühnen hofft auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr, auch in dem Wissen wie sensibel Mayer ist: "Es ist wichtig für ihn zu sehen, dass er gegen die Besten der Welt nicht nur gut spielen, sondern gegen einen Top-drei-Spieler sogar gewinnen kann." Legt er beim Masters in Paris nach, könnte sogar sein Wunsch, bei den Australian Open unter den besten 16 gesetzt zu sein, in Erfüllung gehen.

9. (neu) Kei Nishikori (JPN, 21 Jahre, Weltrangliste: 31) / Letzte vier Turniere: US Open (1. Runde), Kuala Lumpur (Halbfinale), Tokio (1. Runde), Shanghai (Halbfinale) / Power Ranking-Punkte: 418

Vor seiner Halbfinal-Teilnahme in Shanghai war Kei Nishikori für die breite Öffentlichkeit noch kein Begriff. Und ob er diesen Erfolg bestätigen kann, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen, immerhin fehlten mit Novak Djokovic und Roger Federer zwei sichere Kandidaten für das Semifinale. Nishikori selbst, der nun der in der Weltrangliste am höchsten platzierte Japaner in der ATP-Historie ist, gab sich in Shanghai sehr selbstbewusst. "Ich will die Nummer eins werden, das ist mein Ziel", sagte Nishikori gegenüber AFP. "Ich weiß aber auch, dass ich dafür noch sehr viel tun muss."

8. (neu) Gael Monfils (FRA, 25 Jahre, Weltrangliste: 10) / Letzte vier Turniere: Cincinnati (Viertelfinale), US Open (Viertelfinale), Bangkok (Halbfinale), Stockholm (Sieg) / Power Ranking-Punkte: 421

In Stockholm feierte Gael Monfils den ersten Titel der Saison und hat das Zwischentief endgültig überwunden. Wirklich zufrieden ist der Franzose aber nicht. Nach der Trennung vom langjährigen Trainer Roger Rasheed wird Monfils derzeit von Patrick Chamagne gecoacht. In Valencia und beim letzten Masters in Paris wird er aber etwas neues ausprobieren, um noch erfolgreicher zu werden. Die französische Tennis-Legende Henri Leconte wird Monfils bei diesen beiden Turnieren als Co-Trainer begleiten. "Ich mag Gael sehr, er hat großes Potenzial und eine tolle Ausstrahlung", sagte Leconte laut Sportinformationsdienst. "Es ist eine große Herausforderung für mich, die ich sehr genießen werde." Spaß im Training dürfte damit garantiert sein.

7. (10.) Andy Roddick (USA, 29 Jahre, Weltrangliste: 14) / Letzte vier Turniere: Winston-Salem (Halbfinale), US Open (Viertelfinale), Peking (1. Runde), Shanghai (Viertelfinale) / Power Ranking-Punkte: 432

Im letzten Power Ranking berichteten wir von der dünnhäutigen Antwort Andy Roddicks auf die Frage, ob sein Rücktritt bevorstehen würde. Nach seiner Niederlage in Shanghai gegen David Ferrer wurde Roddick dann etwas konkreter und seine Fans dürfen sich freuen. Der Amerikaner macht weiter, denn die Olympischen Spiele in London sind ein großes Ziel – 2008 hatte Roddick noch wegen der Vorbereitung auf die US Open verzichtet. Trotzdem weiß Roddick, wie viel Arbeit nach dem mäßigen Jahr 2011 mit nur einem Turniersieg und einer Bilanz von 31:14-Siegen auf ihn wartet. "Ich denke, das war mein schwierigstes Jahr." Ach ja, und Ehefrau Brooklyn Decker hat für 2012 auch eine Aufgabe: Roddick trägt bereits die dritte Ausgabe seines Eherings, die anderen beiden hat er einfach verloren – so etwas kommt selten gut an.

6. (6.) Jo-Wilfried Tsonga (FRA, 26 Jahre, Weltrangliste: 9) / Letzte vier Turniere: US Open (Viertelfinale), Metz (Sieg), Peking (Halbfinale), Shanghai (2. Runde) / Power Ranking-Punkte: 448

In dieser Woche spielt Jo-Wilfried Tsonga in Wien und könnte bei einem Turniersieg 250 Punkte einstreichen und für eine kleine Vorentscheidung im Kampf um die letzten Plätze für das World Tour Final in London sorgen. Derzeit steht Tsonga auf Platz acht und hat über 400 Punkte Vorsprung auf Nicolas Almagro und vor allem über 500 Zähler mehr als Janko Tipsarevic, der zuletzt mit dem Erfolg in Wien nochmals für Aufsehen gesorgt hat. In Wien wird die Teilnahme Tsongas sehr dankbar angenommen, denn wie auch bei deutschen Turnieren fehlen ohne die großen Vier die Zugpferde, Tsonga kommt dem mit seiner spektakulären Spielweise noch am nächsten.

5. (neu) Feliciano Lopez (ESP, 30 Jahre, Weltrangliste: 20) / Letzte vier Turniere: Cincinnati (2. Runde), US Open (3. Runde), Peking (Achtelfinale), Shanghai (Halbfinale) / Power Ranking-Punkte: 468

Wie bei Nishikori hat auch für Feliciano Lopwz die Halbfinalteilnahme in Shanghai für die Top Ten gereicht. Dabei wird vergessen, dass der Spanier in der Weltrangliste so gut dasteht, wie noch nie in seiner Karriere. Dabei steht für Lopez nun etwas ganz anderes im Vordergrund. Gemeinsam mit Doppelpartner Fernando Verdasco will sich der Spanier bei den Turnieren Valencia und Paris für das Davis Cup-Finale einspielen. Im Halbfinale gegen Frankreich gab es eine regelrechte Klatsche gegen Michael Llodra und Jo-Wilfried Tsonga, das soll gegen Argentinien (2. bis 4. Dezember) anders laufen.

4. (9.) Tomas Berdych (CZE, 26 Jahre, Weltrangliste: 7) / Letzte vier Turniere: Cincinnati (Halbfinale), US Open (3. Runde), Peking (Sieg), Shanghai (Achtelfinale) / Power Ranking-Punkte: 688

In Wien freuen sie sich, wenn Tsonga aufschlägt, in Basel kennen sie diese Probleme nicht. Beim Heimturnier von Roger Federer gibt es ein erlesenes Feld, denn neben Federer schlagen auch Novak Djokovic, per Wildcard Andy Murray und Mardy Fish auf. Klingt fast schon nach dem Masters-Finale, ist aber nur ein 250er Turnier. Ebenfalls am Start ist Tomas Berdych, der zuletzt in Peking groß aufspielte und derzeit die beste Ausgangsposition für London hat. Noch, denn letztlich werden wenige Punkte entscheiden und in Basel dürfte für Berdych wohl nicht so viel zu holen sein.

3. (neu) David Ferrer (ESP, 29 Jahre, Weltrangliste: 5) / Letzte vier Turniere: Cincinnati (Achtelfinale), US Open (Achtelfinale), Tokio (Halbfinale), Shanghai (Finale) / Power Ranking-Punkte: 888

Diese Sorgen hat David Ferrer nicht, der Spanier kann ganz entspannt in die letzten Wochen gehen. Er hat sich als fünfter Spieler für London qualifiziert und konnte seine gute Form mit dem Halbfinale in Tokio und der Finalniederlage gegen Murray in Shanghai bestätigen. "Dafür habe ich das ganze Jahr gearbeitet", sagte Ferrer, nachdem seine Qualifikation feststand. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Saison und kann es gar nicht erwarten nach London zurückzukehren. Die Atmosphäre dort ist wirklich unglaublich."

2. (2.) Rafael Nadal (ESP, 25 Jahre, Weltrangliste: 2) / Letzte vier Turniere: Cincinnati (Viertelfinale), US Open (Finale), Tokio (Finale), Shanghai (Achtelfinale) / Power Ranking-Punkte: 1122

Aus deutscher Sicht sorgte Rafael Nadal zuletzt für zwei positive Schlagzeilen. Gegen Mayer erreichte der Spanier nie seine Bestform und hatte so auch seinen Anteil am Erfolg des Deutschen, aber auch die immer wahrscheinlicher werdende Teilnahme am Rasenturnier in Halle sorgte für Freude. "Die Wahrheit ist, Halle ist ein fantastisches Turnier", sagte Nadal am Rande des Turniers in Shanghai laut Sportinformationsdienst. "Und die Organisatoren wollten mich schon sehr lange verpflichten." Auch Nadal hatte sich zuletzt über den Turnierkalender beschwert und einen Streik nicht ausgeschlossen. Zumindest steht fest, wie er in Zukunft seine freien Wochen gestalten wird. Spanische Medien berichteten zuletzt, Nadal habe sich die Nummer neun beim Fußballclub Inter Manacor gesichert und werde immer mal wieder für den Regionallisten auflaufen.

1. (3.) Andy Murray (GBR, 24 Jahre, Weltrangliste: 3) / Letzte vier Turniere: US Open (Halbfinale), Bangkok (Sieg), Tokio (Sieg), Shanghai (Sieg) / Power Ranking-Punkte: 1838

Von einem Muster ohne Wert zu sprechen, wenn Novak Djokovic und Roger Federer fehlen, ist ziemlich hart. Trotzdem kam der Titel-Hattrick ohne zwei der drei großen Konkurrenten von Andy Murray zustande, im Finale von Tokio besiegte er immerhin Rafael Nadal. Deshalb haben die letzten Wochen der Saison für den Schotten durchaus eine große Bedeutung, auch wenn der ersehnte Grand Slam-Titel erst im kommenden Jahr zu holen ist. Kann Murray in Paris und insbesondere in London nachlegen, könnte das den entscheidenden Schub für die bisher unvollendete Karriere bedeuten. Noch streiten sich die Experten, nun liegt es an Murray, diesen zu beenden.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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