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Kabelfernsehen: Zurück zum Monopol

Drei Jahre überlebte der Versuch, im deutschen Kabel-TV ein wenig Wettbewerb durchzusetzen. Nur noch das Kartellamt steht zwischen der Kabel Deutschland GmbH und der Übernahme ihrer drei Konkurrenten.

Nur etwa drei Jahre hat der Versuch gehalten, im deutschen Kabelfernsehen wenigstens eine Spur von Wettbewerb durchzusetzen. Mit der Übernahme der regionalen Kabelgesellschaften ish, iesy und Kabel BW durch die Kabel Deutschland GmbH (KDG) wird der Zustand zu Zeiten der Telekom-Vormacht wieder hergestellt, nur dass das Monopol, die Zustimmung des Kartellamts vorausgesetzt, dann einem Konsortium dreier internationaler Kapitalgesellschaften gehört.

"Einen Fortschritt kann man das nicht nennen", kritisierte der Direktor der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM), Norbert Schneider. Das Kabelnetz sei eine wesentliche Voraussetzung zur Umsetzung von Rundfunkfreiheit in Deutschland. Es sei Besorgnis erregend, dass es zum reinen Objekt von Finanzspekulationen werde.

Sechs Netze gingen gleich an KDG

In den Jahren 2000 und 2001 hatte die Telekom begonnen, sich vom Verlustbringer Breitbandkabel zu trennen und zunächst die Regionalnetze in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg an US-amerikanische und britische Investoren verkauft.

Die Übernahme der sechs restlichen Netze in Bayern, Berlin/Brandenburg, Bremen/Niedersachsen, Hamburg/Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz/Saarland und Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen durch die amerikanische Liberty Media war im Februar 2002 am Veto des Bundeskartellamts gescheitert, weil Liberty auch als Programmanbieter auftritt. Ein mit Fernsehen ansonsten nicht beschäftigtes Investorenkonsortium von APAX, Goldman Sachs und Providence erhielt schließlich den Zuschlag für KDG zum Schnäppchenpreis von rund 1,7 Milliarden Euro.

Fast eine Verdoppelung der Kundenzahl

Zu den bisher rund zehn Millionen Kunden von Kabel Deutschland kommen somit rund 4,2 Millionen Anschlüsse bei ish in Nordrhein-Westfalen, 2,3 Millionen Kabelnutzer in Baden-Württemberg und 1,3 Millionen Nutzer bei iesy in Hessen. Für die Fernsehzuschauer ändert sich durch das neue Monopol zunächst nichts: Sie hatten ja schon bisher in der jeweiligen Region nicht die Auswahl zwischen unterschiedlichen Kabelbetreibern.

Allerdings könnten die Preise steigen. Ein bundesweiter Alleinanbieter könne die Preise diktieren, weil er keinen öffentlichen Druck wegen Preisunterschieden zwischen Regionen zu fürchten habe, meinte der LfM-Sprecher Peter Widlok.

Konkurrenz droht nur noch aus dem Äther

Konkurrenz für das Kabel naht freilich von anderer Seite: Digitales Fernsehen, DVB-T, das über eine normale Antenne oder gar per Zimmerantenne empfangen werden kann und das immerhin 24 Kanäle bietet. In Berlin ist die Fernsehversorgung bereits vollständig auf DVB-T umgestellt, die analogen Sender sind schon abgeschaltet. Am 24. Mai soll das digitale Fernsehen in den Räumen Köln/Bonn, Hannover/Braunschweig und Bremen/Unterweser eingeschaltet werden, weitere Ballungsräume sollen im Herbst folgen.

Vorteil von DVB-T sind die Kosten: Knapp 100 Euro fallen für die Ausstattung mit Stabantenne und Set-Top-Box an, und das war's auch schon. Monatsgebühren kommen nicht dazu. Nachteil: Es gibt nur 24 Kanäle. Im analogen Kabelnetz sind es normalerweise schon bis zu 35 Kanäle, aber nur gegen monatliche Gebühr.

Digitale Angebote per Kabel, wie das im November in vier Regionen Nordrhein-Westfalens eingeführte ish-Plus, bieten stolze 56 zusätzliche Kanäle, neben den ohnehin eingespeisten digitalen Angeboten von ARD und ZDF. In dieser Programmflut in verschiedenen Paketen und zu unterschiedlichen Monatspreisen finden sich auch Filme auf Bestellung gegen entsprechende Einzelzahlung sowie zusätzlich zu bezahlende Pornos.

Breitband-Internet würde sich lohnen, zunächst Investitionen erfordern

Viele Zuschauer dürften mit den 24 Kanälen des DVB-T, die immerhin die komplette Palette der auch im Kabel meistgesehenen Programme umfassen, durchaus zufrieden sein und somit vom Kabel abwandern, sollten die Preise zu sehr anziehen, meinen Medienfachleute. Um die wirkliche Stärke des Breitbandkabels auszuspielen, seien erst einmal Milliardeninvestitionen nötig: Diese Stärke liege in der Möglichkeit, einen Rückkanal zu schalten und das Breitbandkabel nicht nur für Fernsehen, sondern auch als schnellen Internetzugang zu nutzen.

Bis das Breitbandkabel einigermaßen flächendeckend für Internet und sogar zum Telefonieren genutzt werden kann, dürfte es freilich noch einige Jahre dauern. Die finanziellen Probleme, in die ish geraten war, waren nicht zuletzt dem teuren Ausbau geschuldet. Aber bei ish sind bisher nur ein Viertel der Anschlüsse rückkanalfähig.

Joachim Sondermann, AP / AP