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Branche im Niedergang: Videothekensterben in Deutschland: "Dann kam das böse Internet"

Sie brachten ab den 1980ern Hollywood ins Wohnzimmer – doch ein Sehnsuchtsort sind Videotheken schon lange nicht mehr. Die Branche befindet sich im Niedergang. Hat das Konzept in Zukunft noch eine Chance?

Videothek in Stralsund

Die besten Jahre haben viele Videotheken hinter sich

Picture Alliance

Es gibt sie noch, die Videotheken um die Ecke. Aber ihren Zenit haben sie bereits seit Jahren überschritten, wie Daten des Interessenverbandes des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) mit Sitz in Düsseldorf belegen. Dort sind nach Verbandsangaben rund 80 Prozent der deutschen Videotheken Mitglied. Demnach ist ihre Zahl allein von 2014 bis 2018 auf weniger als ein Drittel zurückgegangen: Von 1544 Betrieben blieben 440. 

"Die Anzahl der Abspielgeräte nimmt bei der jüngeren Generation ab", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Oliver Budzinski von der Technischen Universität Ilmenau. Ohne Abspielmöglichkeiten für DVDs oder Blu-rays beim Verbraucher kämpfen die analogen Videotheken im Zeitalter von Streaming-Anbietern wie Netflix und Amazon Prime Video ums Überleben. Längst wirbt Maxdome mit dem Titel: "Deutschlands größte Online-Videothek". 

Ein Familienbetrieb vor dem Aus

Nur noch selten verirren sich Kunden in die Videothek, so wie hier bei "Video Buster" in Erfurt

Nur noch selten verirren sich Kunden in die Videothek, so wie hier bei "Video Buster" in Erfurt

DPA

Wie gehen die Offline-Videotheken mit diesem Druck um? In Neudietendorf, einem Thüringer Ort zwischen Erfurt und Gotha, lebt Michael Heiter. Seit 2012 leitet er zusammen mit seinem Bruder den Videotheken-Betrieb "Dein Buster". "Wir sind ein klassisches Familienunternehmen", sagt der 38-Jährige. Übernommen haben sie die Videotheken von ihren Eltern, die den Betrieb in den frühen 1990er Jahren gegründet hatten. Damals seien die Reparaturwerkstätten von Fernsehern und Radios in der DDR nicht mehr gefragt gewesen. Aus ihnen seien die ersten Videotheken entstanden. Seinen Höhepunkt habe der Betrieb 2006 mit 40 Läden in ganz Deutschland erreicht, sechs davon in Thüringen. "Dann kam das böse Internet mit den illegalen Seiten", sagt Heiter. Heute sind es nur noch drei "Dein Buster"-Geschäfte in Thüringen, ein weiteres gibt es in Sachsen. Immerhin, fügt Heiter hinzu: "Jetzt habe ich keine Konkurrenz mehr." In ganz Thüringen gab es 2018 nur noch 15 Videotheken. 

Teenies testen Walkman

Schlechtes Internet hilft Videotheken über die Zeit

Online-Piraterie von Filmen sieht IVD-Vorstand Jürgen Weinrich als Problem, für das politische Lösungen gefragt seien: Illegale Seiten müssten effizienter gesperrt, Betreiber am Upload gehindert und verstärkt von der Polizei angegangen werden. "Leider gehen deswegen nicht nur jüngere Leute weniger in Videotheken", sagt Weinrich. Das Durchschnittsalter der Kunden tendiere definitiv nach oben.

Langfristig sieht Wirtschaftswissenschaftler Budzinski für Videotheken keine Zukunft. Dass Deutschland vor allem im Bereich des Breitbandausbaus noch Entwicklungsland sei, helfe, diesen Prozess um einige Jahre zu verzögern. 

Vor allem am Wochenende ist Heiter zufrieden: Gerade einkommensschwächere Menschen, die nicht das Geld für eine Kino-Karte oder ein Sky-Abonnement hätten, könnten bei ihm fündig werden.

Um auch in Zukunft bestehen zu können, stellen sich Michael Heiter und sein Bruder aber zunehmend breiter auf. Seit einiger Zeit verleihen sie auch Hüpfburgen. Das soll vor allem im Sommer zusätzliche Einnahmen bringen.

wue / DPA