Kleine Kraxler

18. Oktober 2006, 08:11 Uhr

Die Allradwelle schwappt seit den 90er Jahren über uns hinweg. Mittlerweile sind auch immer mehr Kleinwagen mit 4x4-Technik zu bekommen. Alles nur ein Marketinggag? Oder auch hier eine sinnvolle Ergänzung?

Ab durch die Mitte - auch mit kleinem Budget©

Erst kamen die Geländewagen, dann die SUVs. Später die Sportwagen und schließlich die beliebten Lifestylekombis. Kaum eine Modellreihe auf dem Markt kommt noch ohne hauseigene Allradversion aus. Praktisch ist die Antriebstechnik allemal. Doch nach Renault Kangoo und Suzuki Ignis sind mittlerweile sogar Stadtflitzer vom Schlage eines Daihatsu Sirion oder ein Subaru Justy auf Wunsch mit 4x4-Technik unterwegs. Andere Modelle wie der Citroen C3 XTR oder VW Crosspolo treiben es noch doller. Sie machen von außen auf dicke Hose, bieten aber lediglich eine muskulöse Offroad-Optik und täuschen einen Allradantrieb aber nur vor.

Mehr Spass mit Gelände-Gang

Vor wenigen Jahren noch ging es bei Kleinwagen ausschließlich um ein putziges Aussehen, einen variablen Innenraum und sparsame Motoren. Doch damit ist es längst nicht mehr getan. Immer mehr Klein- und Kleinstwagen sollen auch Image und Lifestyle in die Reihenhaussiedlung bringen. Auch für den Zweitwagen kommt neben einer pseudo-kraftvollen Optik ein Allradantrieb gerade recht.

Und auch die Bewohner der Alpenregion können sich freuen. Hatten Sie früher allein die Wahl zwischen robusten Klettermaxen wie Mercedes G, Lada Niva oder Subaru 1800, so haben Sie nun die freie Auswahl. Der alte Fiat Panda 4x4 war bereits Ende der 80er mit einem Allradantrieb von Steyr-Puch zu bekommen. Die Nachfrage in Österreich und Norditalien war groß.

Für alle Wetter gerüstet

Mit Modellen wie dem aktuellen Fiat Panda 4x4 oder einem Suzuki Swift beginnt die Allrad-Preisskala heute bereits bei kaum mehr als 10.000 Euro. Keines der kleinen Allradmodelle möchte einem vorgaukeln, dass er genau der richtige für einen harten Geländeeinsatz ist. Vielmehr zeigen sie, dass man auch im Kleinwagen bei schlechtem Wetter, Schnee, Eis und auf unbefestigten Straßen keine bösen Überraschungen erleben muss. Ein Abstecher auf den verschneiten Waldweg zwischen Isny und Wengen im Allgäu ist dabei ebenso wenig ein Problem wie die Tour zur schneereichen Mittelstation. Netter Nebeneffekt für Skifahrer: Allrad verhindert zudem, dass man sich bei den Touristenmassen im Tal in den Skizirkus einreihen muss.

Als Motorisierung gibt es zumeist solide Hausmannkost. Abgesehen vom Fiat Panda, der mit einem schwächlichen 60-PS-Triebwerk das untere Ende der Fahnenstange bildet, ist man mit den meisten 4x4-Winzlingen flott unterwegs. Der Daihatsu Sirion 4WD kostet kaum mehr als 13.000 Euro und bietet neben einer ordentlichen Ausstattung einen drehfreudigen 1,3-Liter-Motor mit immerhin 87 PS. Reicht für Tempo 170 und ein stetes Hinwegkommen im leichten Geläuf.

Bessere Fahrleistungen

Die Vorteile sind beileibe nicht nur auf Waldwegen und schneebedeckten Straßen zu spüren. Wo Fronttriebler in engen Kehren schon einmal nervös am Steuer zucken, bringen die Allradler ihren meist überschaubaren Kraftfluss deutlich souveräner auf den Untergrund. Muss man nicht haben - aber ein Vorteil ist es gerade im Grenzbereich allemal. Schnelle Ausweichmanöver oder die flotte Fahrt durch eine verschmutzte Landstraßenkurve können einen Allradler kaum aus der Fassung bringen.

Selbst der kleine Fiat Panda 4x4 fährt sich trotz seines überschaubaren Hubraums von 1,2 Litern akzeptabel. Doch der 1.3-JTD-Motor mit 70 PS würde deutlich besser passen. Auf dem Waldweg tanzt er so sicher durch die Furchen, dass es eine wahre Freude ist. Matsch und überdimensionale Pfützen können ihn ebenso wenig aus der Fassung bringen wie den Suzuki SX4, der baugleich mit dem Fiat Sedici seit knapp einem Jahr auf dem Markt ist. Gerade mit dem 120 PS starken Dieselmotor freut man sich über ein kraftvolles Drehmoment und eine Antriebstechnik, die die 280 Nm Drehmoment souverän auf die Straße bringt.

Mehrgewicht und Mehrverbrauch

Auch bei ihm wird die Motorleistung im Normalfall nahezu komplett auf die Vorderachse übertragen. Verliert ein Antriebsrad die Haftung, wird die Motorleistung per Lamellenkupplung bis zu 50 Prozent nach hinten gebracht. Andere Modelle bedienen sich beim 4x4-Kraftfluss der ebenso günstigen wie leichten Visco-Kupplung.

Es heißt gerade in dieser Klasse, Kosten zu sparen und das Gewicht im Rahmen zu halten. Das Mehrgewicht für einen Allradantrieb liegt in dieser Klasse zwischen 50 und 80 Kilogramm. Bei Motorleistungen von um die 100 PS kann man solch einen zusätzlichen Ballast im Fahrbetrieb durchaus spüren. Daher muss man sich zumeist mit etwas schlechteren Fahrleistungen und einem realen Mehrverbrauch von 0,5 bis 1,0 Litern auf 100 Kilometern anfreunden.

Aufpreis für Allrad

Ganz ohne Preis ist der Sicherheitsgewinn ohnehin nicht. Kostet ein Fiat Panda 1.2 als gewöhnlicher Fronttriebler beispielsweise 9.790 Euro, so muss man für den kaum besser ausgestatteten Allradler stattliche 2.000 Euro mehr zahlen. Deutlich geringer fällt der Mehrpreis bei den Modellen von Daihatsu und Suzuki aus.

Der Sirion 1.3 kostet als Basisversion 11.900 Euro, der 4WD liegt bei 13.290 Euro. Beim Swift 1.3 beginnen die Preise für die 94-PS-Versionen bei 13.590 bzw. 14.790 Euro. Ob sich ein Allradantrieb und die entsprechenden Mehrkosten lohnen, sollte man vor dem Kauf für sich entscheiden.

Nur in Schneeregionen zu empfehlen

Wer nicht in einer schneereichen Gegend wohnt, dürfte sich die 4x4-Technik trotz der unzweifelhaften Traktionsvorteile sparen können. Denn nicht nur die höhere Anschaffung und die höheren Verbräuche schlagen ins Kontor, sondern auch der oftmals schlechtere Wiederverkauf. Viele Gebrauchtwagenkäufer ziehen in der Kleinwagenklasse gar nicht in Betracht, eine Allradversion zu erstehen.

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