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14. Mai 2008, 10:00 Uhr

Apple iPhone, frisch geklaut vom Lkw!

Ein Plasmafernseher zum Schnäppchenpreis, das wäre schon was. Besonders billige Angebote sind gerne mal "vom Lkw gefallen", wie der Volksmund sagt. In Wahrheit ist solche Hehlerware das Produkt von Lkw-Diebstählen in Hafen oder Raststätte. Die Polizei ahnt inzwischen, wann die Kriminellen kommen. Von Christoph M. Schwarzer

32 Standardcontainer mit 20 Fuß Länge ("20 ft-Container") und 9 im Doppelmaß von 40 Fuß wurden letztes Jahr gestohlen© Roland Magunia/DDP

Ralf Kunz kennt sich aus mit Unterhaltungselektronik. Was der Sprecher der Hamburger Polizei über den Diebstahl direkt von Lkw-Ladeflächen, den Sattelaufliegern oder ganzen Containern berichtet, spricht für eine gute Organisation bei den Dieben: "Wenn in den USA ein neues Gerät von Apple auf den Markt kommt, das in Deutschland noch nicht erhältlich ist, sind wir alarmiert." Das sei zum Beispiel beim iPhone anfangs der Fall gewesen. Sobald ein solcher Überseecontainer im Hafen ankomme, wären auch die Diebe zur Stelle, um gezielt zuzuschlagen. "Die Kriminellen sind offensichtlich gut informiert." Die Polizei ist aber auch auf Zack, weiß, wann neue elektronische Spielerchen übers Meer am Kai anlanden und fischt die Diebe ab.

Ganz verhindern kann sie den Lkw-Klau nicht. Im letzten Jahr gab es in Hamburg 104 Aufbrüche, bei denen vor allem Unterhaltungselektronik vom Luxusfernseher bis zur Spielekonsole sowie Zigaretten gestohlen wurden. Das, so Polizeisprecher Kunz, sei ein Saisongeschäft: Wenn im Hafen und damit beim Umschlag auf die Brummis viel los sei, wären eben auch mehr Diebe unterwegs. Wie dreist die teilweise vorgehen, zeigt ein Blick auf die Zahl der komplett geklauten Container: 32 Standardboxen mit 20 Fuß Länge ("20 ft-Container") und 9 im Doppelmaß von 40 Fuß wurden gemopst.

Ab nach Russland und Afrika

Ebenso mussten 118 Sattelauflieger dran glauben, von denen einige allerdings nicht geklaut, sondern irrtümlich aufgeladen und abtransportiert wurden. Durch Festnahmen und Sicherstellungen kennt die Polizei inzwischen das Ziel der Auflieger, die nicht das Opfer von Irrtümern, sondern von krimineller Energie wurden: Erst nach Kiel und dann auf die See Richtung Russland oder Afrika. Die Gesamtzahlen wären aber eher gering, und komplette Zugmaschinen würden so gut wie nie geklaut. "Auch einen Anstieg der Statistik im Lauf der Jahre können wir nicht feststellen", ergänzt Polizeisprecher Kunz.

EU will für Sicherheit sorgen

Die Europäische Union ist da weniger optimistisch. In den 27 Ländern wächst der Transportverkehr ständig an. Und Einbruchdiebstähle oder sogar Raubüberfälle mit vorgehaltener Waffe wären auf dem Vormarsch. Angeblich liegt der wirtschaftliche Schaden pro Jahr bei mehr als acht Milliarden Euro. Die Reaktion der EU heißt SETPOS, was für "Secure European Truck Parking Operational Services" steht, frei übersetzt etwa "Dienst für Sicherheitsparklätze". Auf anfangs fünf besonders verkehrsstarken Parkplätzen wurden im Rahmen von SETPOS Sicherheitszonen eingerichtet.

Eine davon liegt auf dem Rasthof Uhrsleben in Sachsen-Anhalt an der Ostwestachse A2. Im offenbar von der Formel 1 inspirierten "Parc fermé" werden 52 Stellplätze vorgehalten, die pro Tag 25 oder pro Stunde 3,50 Euro kosten. Ein 3,20 Meter hoher Stahlzaun plus Stacheldraht und 16 Videokameras sichert das Gelände. Bei der Einfahrt werden Fahrer und Beifahrer von Sicherheitspersonal kontrolliert und fotografiert. Der Frachtraum wird zum Schutz der Ladung verplombt. Und vielleicht ist das ja alles wirklich wichtig, wenn der Raub einer Lkw-Ladung - ein Laster voller Zigaretten ist etwa 1,5 Millionen Euro wert - lukrativer als ein Bankraub ist.

Komplettklau? Fehlanzeige.

Für den betroffenen Bereich auf der A2 im Bereich des BAB-Polizeireviers Börde scheint das aber nicht so zu sein. Auf Nachfrage von stern.de konnte man zwar von Kraftstoffdiebstählen, Ersatzrad- und gelegentlichem Ladungsklau berichten. Von massiven Überfällen oder dem Komplettklau eines Lkw mit Auflieger und Ladung hatte man aber keine Kenntnis. Auch durch das Bundeskriminalamt konnte eine Notwendigkeit für die massenweise Einführung von Sicherheitsparklätzen auf SETPOS-Niveau nicht bestätigt werden. Zwischen 2002 und 2005 bewegte sich die jährlich geklaute Zahl von "Lkw/ Anhänger/ Ladung" zwischen 39 und 31. Solche Delikte sind zwar nicht meldepflichtig, bleiben aber Peanuts angesichts der riesigen Zahl von Brummis, die jeden Tag durch Deutschland fahren. Und selbst die Versicherungswirtschaft hat keine Anzeichen dafür, dass ihre Werte in den letzten Jahren angestiegen sind.

Hehlerware kaufen ist strafbar

Zurück zu Polizeisprecher Kunz in Hamburg, der auf die Strafbarkeit beim Kauf von Hehlerware hinweist: "Wer ein teures Gerät zum Billigstpreis erwirbt, muss stutzig werden." Wer sogar wisse, dass er von Lkws gestohlenes Diebesgut kaufe, mache sich selbst der Hehlerei schuldig. Sein Rat: Immer die Kaufquittung oder andere Originalbelege zeigen lassen. Dann kann jeder sicher sein, dass die Ware nicht "vom Lkw gefallen" ist.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
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