Der legendäre Walkman ist Geschichte. Wer heute unterwegs Musik hört, trägt weiße Kopfhörer. Mehr als 250 Millionen iPods hat Apple seit der Markteinführung 2001 verkauft und nebenbei den globalen Musikmarkt unter seine Kontrolle gebracht.
Seit 2008 ist der Onlineshop iTunes der größte Musikladen der Welt, ein milliardenschwerer Umsatzbringer mit immer noch zweistelligen Zuwachsraten. Dank seiner Marktmacht kann Apple der Musikindustrie die Bedingungen diktieren. Jahrelang legte der iPod-Hersteller den Preis pro Titel auf einheitliche 99 Cent fest. Ein attraktives Angebot, der Absatz der digitalen Musikspieler florierte.
Die Plattenfirmen dagegen klagten, der knapp kalkulierte Einheitspreis beschleunige den Verfall des CD-Geschäfts, ihrer Haupteinnahmequelle. Doch Apple ließ sich nicht erweichen.
Als Nächstes zeigte der Konzern aus Cupertino der Telekombranche, wie das Geschäft funktioniert. Die großen Mobilfunkbetreiber standen 2007 Schlange, um an die exklusiven Vertriebsrechte für Jobs' "Jesus-Phone" zu kommen. Das Apple-Handy versprach endlich den Durchbruch für das mobile Internet im Massenmarkt - und zusätzliche Erlöse durch wachsenden Datenverkehr. Jobs konnte sich seine Partner aussuchen und die Konditionen vorschreiben.
Die Netzbetreiber subventionierten den Verkaufspreis des iPhone und beteiligten Apple sogar noch an ihren Umsätzen. So viel Frechheit hätten sich Nokia und andere niemals leisten können.
Bis heute stehen die Telefongesellschaften in der Ecke, in die Apple sie am Nasenring geführt hat. Und dort dürften sie auf absehbare Zeit bleiben. Mit dem iPad wird Apple seinen Zugriff auf die margenträchtigen Teile des Zukunftsgeschäfts sogar noch verstärken. Dank des breiteren Bildschirms dürfte das neue Gerät im Din-A4-Format den Verkauf von Filmen und TV-Serien über iTunes ankurbeln.
Mit dem Onlinebuchladen iBooks greift Jobs in einem weiteren Geschäftsfeld an. Als erste große Zeitung ist die "New York Times" bereits auf dem iPad zu lesen, andere Zeitungs- und Zeitschriftenverlage dürften folgen. Für jede Ausgabe kassiert Apple mit. Der Computerkonzern wird so zu einem der mächtigsten Torwächter des Internets. Passieren darf nur, wer zahlt. Und was zu sehen ist, bestimmt die Zentrale in Kalifornien.
Den Telekomkonzernen bleibt nur, die Datenautobahnen hin zu Apples Mauthäuschen zu asphaltieren, die wegen des Ansturms der Massen und immer größerer Informationsmengen laufend verbreitert werden müssen. So hatten sich die Deutsche Telekom , Vodafone und all die anderen das neue mobile Zeitalter nicht vorgestellt.
Die Rolle, die Jobs und seine Mannen den Telefonriesen zugedacht haben, ist undankbar. Sie allein trifft die anschwellende Kritik der Kunden über lückenhafte und kapazitätsschwache Datennetze. Um die Nutzer nicht vollends zu verprellen, müssen die Konzerne investieren, bei gleichzeitig sinkenden Margen.