Der amerikanische Apple-Partner AT&T zahlt für den Erfolg des iPhone einen hohen Preis: Wiederholte Netzausfälle in Metropolen wie San Francisco oder New York haben den US-Konzern viel Renommee gekostet.
"Das iPhone hat die Erwartungen der Kunden an die Fähigkeiten eines mobilen Geräts geändert", konstatiert AT&T-Manager Jeff Bradley. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, diese Erwartungen zu erfüllen." Angesichts der von Apple angestrebten Monatspauschale von 30 Dollar für jeden iPad-Nutzer dürfte das so schnell nicht zu schaffen sein. Telekom-Chef René Obermann hat längst erkannt, dass Serviceangebote für sein Unternehmen eine immer größere Rolle spielen. Er hat nur ein Problem mit dem Tempo.
Während Apple davonprescht, beraten in Bonn noch die Arbeitsgruppen über den von Obermann angeordneten "kompletten Bruch mit der Vergangenheit". Erst im Frühjahr soll die "Strategie 2.0" verkündet werden.
Bei Steve Jobs können sich die Telekom-Strategen abschauen, wie sich mithilfe Zehntausender Partner binnen wenigen Monaten ein bisher nie da gewesenes Serviceangebot für Handynutzer aufbauen lässt: Mehr als 140.000 Anwendungen zum Herunterladen bietet der Mitte 2008 eröffnete App-Store. Mit den Miniprogrammen lassen sich Börsenkurse oder die Wettervorhersage abrufen, Twitter-Meldungen lesen oder Musikstücke erkennen. Sie verwandeln das iPhone in ein Gitarrenstimmgerät, eine Wasserwaage oder einen Staumelder. Viele Programme sind umsonst, einige kosten ein paar Euro, und Apple bekommt - na, klar - 30 Prozent der Verkaufserlöse.
Emsige Programmierer fügen immer neue Apps hinzu. Jede Sekunde wandern mehr als 100 Anwendungen auf die Handys der Apple-Kunden, mehr als drei Milliarden in den vergangenen 18 Monaten.
Sie machen das iPhone zu einem digitalen Schweizer Messer. Je mehr Apps zur Wahl stehen, desto attraktiver wird das Gerät. Und je attraktiver das Gerät, desto mehr Entwickler drängen mit ihren Programmen auf die Plattform und schaffen so eine Gravitationskraft, die Apples Marktmacht im mobilen Internet wachsen und wachsen lässt.
Inzwischen haben die anderen Handyhersteller das berührungsempfindliche iPhone-Display imitiert. Doch die grenzenlose Vielfalt der Apps hat Apple konkurrenzlos gemacht. Selbst Nokia, trotz geschrumpften Marktanteils bei Smartphones die Nummer eins, findet kein Rezept gegen Jobs' App-Offensive. Die eigene Internetplattform Ovi liegt weit hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. "Momentan ist offensichtlich, dass Apple das beste Verständnis für das hat, was im Markt geschieht", sagt Roman Friedrich, Partner bei der Unternehmensberatung Booz & Company.