Dank der umfangreichen Zusatzangebote besitzen die Kalifornier einen direkten Zugang zu ihren Kunden, kennen deren Konsumverhalten und deren Zahlungsgewohnheiten. Weltweit 125 Millionen Menschen haben dem Konzern die Daten ihrer Kreditkarten anvertraut und bereits mehr als zwölf Milliarden Produkte heruntergeladen. Wer einmal registriert ist, braucht zum Online-Shopping bei Apple nur noch ein Passwort.
Natürlich ist die Sammelwut bei Apple noch weniger ausgeprägt als bei Google. In jedem Fall aber sind die Kundendaten ein solides Fundament, um auch mit dem iPad schnell in neue Sphären aufzusteigen. "Wir haben über 75 Millionen iPhones und iPod Touch verkauft", sagt Steve Jobs. "Es gibt also mehr als 75 Milionen Leute, die bereits wissen, wie man das iPad benutzt."
Am Durchbruch des iPad wird nicht gezweifelt Wenn der Tablet-Computer den Durchbruch schafft, wie die meisten Experten erwarten, könnte Apple ganz nebenbei ein neues Zeitalter einläuten. Die Ära des Personalcomputers gehe dann zu Ende, sagt der amerikanische Wissenschaftspublizist Nicholas Carr. Das iPad stehe schon jetzt für "eine neue Ära in der Computertechnik, in der Medien und Programme in der Internetwolke verschmolzen sind".
"Das iPad verspricht eine echte Markterweiterung", sagt der Hamburger Medienökonom Armin Rott. Er könne dem Konzern völlig neue Zielgruppen erschließen. "Das ist ein Gerät, das ich meiner Mutter geben würde."
Digitales Buch, portables Fernsehgerät, vielleicht sogar elektronischer Notizblock für Krankenhausärzte oder Schulbuchersatz - viele Anwendungen sind denkbar. Mit iTunes U hat Apple in Kooperation mit Universitäten bereits eine Plattform etabliert, von der aus Videos von Vorlesungen und Lern-Podcasts heruntergeladen werden können.
Sollte das iPad an den Erfolg des iPhone als Spielekonsole anknüpfen, sind das düstere Aussichten für Sony, Microsoft und Nintendo. Ähnlich revolutionär wie die Maus
"Das iPad ist nicht nur ein neues Produkt, sondern ein neues Paradigma", sagt der Zukunftsforscher Paul Saffo. Der zu erwartende Umbruch sei vergleichbar mit der Einführung von Maus und grafischer Bildschirmoberfläche, die Apple vor drei Jahrzehnten ebenfalls maßgeblich vorangetrieben hat.
Mit dem iPad habe der Konzern eine völlig neue Benutzerschnittstelle geschaffen, eine ganz andere Art, mit Geräten umzugehen. "Damit eröffnen sich Möglichkeiten für Anwendungen, die es vorher nie gab", so der ehemalige Direktor des Institute for the Future im Silicon Valley.
Genau darauf setzen die Verleger von Zeitungen und Zeitschriften, die seit Jahren zumeist vergeblich versuchen, die Einbrüche im angestammten Printgeschäft über Einnahmen aus dem Internet zu kompensieren. Über das iPad könnten sie ihren Lesern künftig ein zeitgemäßes Angebot machen.
Und dann, so die Hoffnung, wären diese wieder bereit, für die Inhalte aus dem Netz zu bezahlen. Über den handlichen Tablet-PC lassen sich Zeitschriften im bewährten Layout präsentieren, ergänzt um weitere Informationsebenen wie vertiefende Texte, Statistiken oder Videos. Alles durch Abruf per Fingertipp.