Seit Monaten werkeln Verlage wie Time Inc. aus den USA oder der schwedische Bonnier-Konzern an einer iPad-Version ihrer Titel. In den USA, Japan und Deutschland haben Medienkonzerne gemeinsame Initiativen gestartet, um eigene Plattformen für den Tablet-PC zu entwickeln - hierzulande unter der Führung des Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr, der auch Capital herausgibt.
Man sei offen für eine Kooperation mit Apple, heißt es in den meisten Verlagshäusern. Doch hinter den Kulissen sind die Verleger weit weniger gelassen, als es den Anschein hat. "Wir müssen da rein, das Ding wird fliegen", drängt ein hochrangiger deutscher Verlagsmanager. "Aber wenn wir schnell mit Apple ins Geschäft kommen wollen, ist die Gefahr groß, dass wir uns über den Tisch ziehen lassen. Wir möchten nicht das Schicksal der Musikindustrie erleiden." Die Sorge ist berechtigt. Apple werde versuchen, auch den Pressezaren die Geschäftsbedingungen vorzuschreiben, glaubt David Yoffie, ein auf Technologie spezialisierter Managementprofessor an der Harvard Business School. "Wenn das iPad erfolgreich ist, wird Apple mit diesem Modell erhebliche Kontrolle ausüben können - und das sollte alle nervös machen, weil Apple von jedem in dieser Kette erhebliche Gewinnanteile verlangen kann."
Noch gibt es in der Printbranche nur Vermutungen darüber, wie hoch der Preis für die Kooperation mit Apple sein könnte. Erwartet wird, dass die Konditionen denen des App-Stores ähneln.
Wenn 30 Prozent der Vertriebserlöse abgezwackt würden, wäre das immer noch besser als beim Onlineversender Amazon, der gegenwärtig mit seinem Lesegerät Kindle den Markt dominiert.
Auch die Buchverlage können bei Apple offenbar auf großzügigere Bedingungen und mehr Freiheiten bei der Preisgestaltung hoffen - zumindest solange sie als Futter für das iPad gebraucht werden und es gilt, Amazon auszustechen.