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9. März 2010, 11:34 Uhr

Warum Apple uns unheimlich werden sollte

Wie Apple seine Marktmacht ausspielt

Die Erfahrung lehrt, dass Apple seine Marktmacht gnadenlos ausspielt, sobald der Konzern die Chance dazu hat. So drängt er derzeit die Anbieter von TV-Serien auf iTunes zu Preissenkungen, um seine Geräte durch günstige Inhalte attraktiver zu machen. Konkurrierenden Videoplattformen wie Hulu bleibt derweil der Zugang zu iPod, iPhone und iPad versperrt. Die weitverbreitete Flash-Software zum Abspielen von Filmen aus dem Internet funktioniert auf den Apple-Geräten nicht.

Das Programm sei zu fehlerhaft und führe immer wieder zu Systemabstürzen, so die offizielle Begründung des Konzerns. Den Protest des Flash-Herstellers Adobe wischt Jobs beiseite: "Die sind faul", watscht er die Rivalen ab. Das Programm habe ohnehin keine große Zukunft. Amen.

Ohne den Segen aus Cupertino kann kein Programm über den App-Store vertrieben werden. Bevor dieser erteilt wird, dauert es oft Monate, und die Kriterien, nach denen die Entscheidung fällt, sind nicht immer leicht zu durchschauen.

Keine Auskunft unter diesem Apfel

So wurde eine Applikation zum Lesen digitaler Bücher der Amazon-Tochter Lexycle kurzerhand beschnitten. Seither ist es nicht mehr möglich, Buchtexte per Kabel von einem PC auf das iPhone zu übertragen. Lexycle wollte sich zu den Hintergründen nicht äußern. Begründung: Apple habe dies strikt untersagt.

Die ersten Entwickler kehren Apple bereits den Rücken, weil sie sich dem Diktat aus Cupertino nicht länger unterwerfen wollen. Der bekannteste: Joe Hewitt, der die populäre Facebook-App für das iPhone entwickelt hat. "Meine Entscheidung, die iPhone-Entwicklung einzustellen", begründete er seinen Ausstieg im November, "hat einzig und allein mit Apples Genehmigungsprozess zu tun."

Verlage werden kontrolliert

Wie weit die Kontrolle reicht, durften auch deutsche Redaktionen schon erleben. So überblitzt die "Bild"-Zeitung auf ihrer iPhone-Anwendung die blanken Brüste ihrer Fotomodelle, die in der Print-Ausgabe unzensiert zu sehen sind.

Die App des Magazins "Stern" wurde sogar vorübergehend aus dem App-Store entfernt, weil eine Bilderserie den Sittenwächtern des Konzerns zu freizügig erschien. Pornografische, illegale oder die Privatsphäre verletzende Inhalte würden nicht akzeptiert, begründet Apple sein Vorgehen. "Es ist schon bemerkenswert, dass da selbst gestandene Verlage in die Knie gehen", wundert sich Medienökonom Rott.

Der Hamburger Professor fürchtet um die Pressefreiheit, sollte die Apple-Zensur auf die Medienangebote des iPad ausgeweitet werden. Denn Publikationen, die sich weigern, Apples inhaltliche Vorgaben zu füllen, droht der Ausschluss von der zukunftsträchtigen Plattform - und damit ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. "Eine quasimonopolistische Vertriebsstruktur, die keinen Regeln unterworfen ist, eröffnet Missbrauchsmöglichkeiten", warnt Rott. Angriff auf Google

Verteilungskampf um Werbeerlöse

Völlig unklar ist derzeit, was mit den Werbeerlösen der Printmedien passiert, sobald die ihre Titel digital auf dem Tablet-PC vertreiben. Die Sorge der Verlage: Apple wird auch hier seinen Anteil einfordern, sobald die Vermarktung von Anzeigen auf iPhone und iPad richtig in Schwung gekommen ist.

Die weltweiten Ausgaben für Werbung auf mobilen Geräten werden sich in den kommenden vier Jahren auf 9,3 Millarden Euro mehr als versechsfachen, schätzt die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers. Um in diesem Geschäft mitzumischen, hat Apple zu Jahresbeginn für 275 Millionen Dollar den auf Smartphones spezialisierten Werbevermarkter Quattro Wireless gekauft.

 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
wilhelm84 (10.03.2010, 12:45 Uhr)
Apple unheimlich????
Das Marktgebaren von Apple gefaellt mir nicht immer, aber man kann sich da ja auch wehren: http://www.defectivebydesign.org/ipad.
(DRM bei iTunes wurde uebrigens - zufaellig oder nicht - 4 Wochen nach einer aehnlichen Aktion von Steve Jobbs aufgehoben)

Aber Apple unheimlich? Nein, die machen (meistens) gute Produkte. Apple teuer? Dern kleinen MacBook haben wir angeschafft weil er guenstiger war als der vergleichbare Thinkpad. Ja, mein MacBook Pro ist ziemlich teuer - aber spart mir soviel Zeit, dass sich die Zusatzkosten in 6 Monaten amortisieren.

Das man beim Benutzen von Apple-Produkten persönliche Daten im Internet offenbaren _muss_, ist mir noch nicht passiert. Das das iPhone in der Herstellung nur 45 EUR kosten soll, kann sich ja wohl höchstens auf die Hardware beziehen. Ohne die Software kann man's aber nicht mal einschalten, da zahl ich dann doch lieber noch was dazu 8^)

stasicom (10.03.2010, 07:52 Uhr)
und...
hab ich vergessen:
bin seit 1997 Apple-User, auch beruflich, aber seit gut 3 Jahren durchaus kritisch eingestellt, z.B. gegenüber Apples Preisstrategie im Store... manch Musik und Filme sind echt zu teuer...
So, jetzt aber arbeiten, am Mac...
schönen Tag auch...
stasicom (10.03.2010, 06:20 Uhr)
Apple macht den Rosinenbomber...
und Ihr Medien, ob nah oder fern werdet satt werden wollen...

http://www.britishcouncil.de/d/events/airloom06.htm
dutchinmex (09.03.2010, 20:50 Uhr)
Medienökonom Armin Rott:
"Das ist ein Gerät, das ich meiner Mutter geben würde." Er gibt also seine Mutter etwas, bei wessem Gebrauch sie ihre persönliche Daten verpflichtet ins Internet offenbaren muß. Und das soll ein Medienexperte sein? Nicht weniger hirnverbrannt wie alle andere, die einige Hundert Euro für einen iPhone ausgeben, dessen Produktionskosten weniger als 45 Euro betragen. Oder 69 Euro für eine Maus, die jetzt das kann, was 10-Euromäuse schon seit Jahren können.
whismerh2 (09.03.2010, 19:46 Uhr)
unheimlich
ist wenn überhaupt microsoft,
oder was gibt es schlimmes an einem Betriebssystem auszusetzen, was ohne wie früher nur mit config.sys und autoexec.bat auskommen konnte und mussten, ohne die nun neu bekannte
windows registry die dem Anwender das Leben erschwert..
Bevor hier über das erfunde Desktop anwenderfreunfdliche Betriebssystem gemäkelt wird, würde ich mal den Herren Reporten empfehlen, sich Gedanken darüber zu machen, wie windows und Konsorten diese Möglichkeit über den Anfängen von Windows auf den markt bringen konnten, ohne Patentrechte zu verletzen .
Word und hauptsächlich Exel lassen grüßen.
Das war ein Deal.
Egal es bleibt dabei Mac´s Betriebssystem
ist und bleibt genial, auch wenn mann weniger rummfummeln kann, ich kenne aber auch genug Leute, die wollen mit diesem System Arbeiten und nicht rumexperimentieren, sprich die Anwendungsprogramme nutzen, und keine großartigen systemmäßige und abhängige Einstellungenen mehr vornehmen wollen.
MichaF (09.03.2010, 18:44 Uhr)
Wem Microsoft noch nicht schlimm genug war...
wechselte zu Apple. Die Dreistigkeit mit der Microsoft einst versuchte mit seinen Browern und Mediaplayern den Markt zu beherschen findet man bei Apple noch viel schlimmer vor.
.
Ausserdem ist das Design der meisten Apple-Produkte von einer abartigen Hässlichkeit. die sich kaum in Worte fassen lässt.
facilidad_de_ser (09.03.2010, 18:10 Uhr)
@wonderwobble
"Warum 69 Euro für eine Maus? "

Wenn Du versuchst dafür Argumente zu finden, wirkst Du von vorneherein schon unglaubwürdig. Sorry! Apple hatte jahrzehntelang die EIntastenmaus propagiert, jetzt macht Apple den Mausschwenk und Du plapperst die hohlen Argumente nach.
wonderwobble (09.03.2010, 17:00 Uhr)
@also ne
Tja, wer lesen kann, ist klar im Vorteil:

Ich habe von Spielen im App Store gesprochen und nicht für den Mac. Wer es nicht glaubt, dass die Hersteller trotz 30 Prozent Abgabe an Apple mehr verdienen als mit allen anderen Konsolen oder dem PC, sollte mal nach den jüngsten Aussagen der Geschäftsführer großer Spielehersteller, die im App-Store verkaufen, googlen.

Welcher andere Hersteller bietet mir denn für unter 200 Euro den Funktionsumfang eines iPod touch? Außerdem konnte Apple schon iPods bauen, als andere Hersteller "MP3-Player" noch nicht einmal schreiben konnten. Warum ist Apple Marktführer bei den iPods, wenn es keiner kauft?

Warum stehen Songs bei Apple im AAC-Format im iTunes-Store? Weil die Qualität die von MP3 übertrifft. Warum durfte Apple vor allen anderen auf das riesige Musiksortiment der Musikindustrie zurückgreifen? Weil Apple sich nicht zu fein war, trotz gegenteiliger Überzeugungen einen Kopierschutz anzubieten.

Welcher Anbieter hat schon vor Apple zugelassen, beliebig viele Kopien der gekauften Musik auf CD herzustellen? Richtig: Keiner. Bei Apple ging das schon immer.

Wer hat den App-Store erfunden? Richtig: Apple. Aber Nachahmer finden sich ja immer.

Warum 69 Euro für eine Maus? Richtig: Weil es keine andere Maus am Markt gibt, die diesen Funktionsumfang bietet, schon gar nicht mit Multitouch-Gesten, die sogar per Freeware frei bestimmbar sind. Und wie viel kostet denn eine gute Mouse von Logitech oder Microsoft?

Ich war auch viele Jahre Windows-User und möchte NIE MEHR zurück. Man kann sich immer alles schön reden. Das können Apple User auch. Es ist auch nicht immer alles schön bei Apple. Welcher Hersteller kann das auch von sich behaupten?

Ich frage mich nur immer, warum sich hier die Windows-User so aufregen? Nutzt doch Windows, wenn ihr wollt. Ist mir persönlich egal. Ich brauche es nicht und will es nicht. Wir leben in einer freien Gesellschaft und jeder kann für sich persönlich entscheiden, welchem Hersteller er den Vorzug geben möchte. Aber manchmal hat man das Gefühl, dass diese überzogenen Reaktionen (teils auch vom STERN) nur Neid ausdrücken, weil die verhasste Konkurrenz wieder mal die Nase vorn hat und man selbst das Geld nicht besitzt, sich so ein Produkt zuzulegen.

Ich fahre auch keinen Porsche und keinen fetten BMW. Will ich auch nicht, weil mein Auto nur vier Räder haben und fahren muss. Einen guten Neuwagen bekomme ich auch zu einem Bruchteil des Preises. Andere hingegen stufen das anders ein und geben gerne mehr Geld für das Auto aus, weil sie den Komfort mögen. Ist auch legitim. Aber deshalb schreibe ich in Foren keine Hass-Reden gegen BMW oder Porsche.

Denk mal drüber nach.....(und die STERN-Redaktion auch....denn so langsam wird dieser Apple-Hass langweilig. Oder hat Apple eure STERN-App zu oft zurück gewiesen???)
facilidad_de_ser (09.03.2010, 13:35 Uhr)
Der eine oder andere...
...wird sich fragen, wieso in Zeitschriften so oft über Apple berichtet wird.

Antwort: Apple ist es gelungen, mit Hilfe des Internets gutes Geld zu verdienen, erst durch Musik-Downloads, dann durch den Verkauf sinnloser Apps, nun sollen noch pdf Dateien für das iPad dazu kommen.

Sollte sich das auch durchsetzen, wittern die Verlage ihre Chance, Onlineinhalte auch gebührenpflichtig zu vermarkten.
Ti-Ana (09.03.2010, 13:10 Uhr)
warum Apple?
weil es einfach zu bedienen ist...

die Geschichte dazu: meine Mutter, Ende 60, brauchte ein neues Handy. Ich habe mir im Telekom Shop jede Menge Handys angeschaut, die selbst ich, Mitte 30 und versiert im Umgang mit Technik, von der Bedienung nicht verstanden habe. Wie sollte ich das dann meiner Mutter begreiflich machen? Die alternative hieß entweder iPhone oder Senioren-Handy, die nix weiter können als zu telefonieren - aber schaut euch die Dinger doch mal an: die sind größer als die allerersten Mobilfunkknochen und eher dazu gegeignet, jemanden zu erschlagen, als zu telefonieren.
Das iPhone ist simpel: für alles was du brauchst brauchst du nur auf das entsprechende Icon klicken. Kein langes Rumgesuche in Menüs und Untermenüs... es ist einfach intuitiv bedienbar.

und zur Klarstellung: ich gehöre nicht zu "Apple ist gut und MS ist böse" Fraktion: bei mir zu Hause laufen 2 schicke Win7 Rechner, ich habe einen uralten Mp3 Player von Archos und mittlerweile ein iPhone, das ich auch nicht mehr missen möchte.
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