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22. Dezember 2011, 16:00 Uhr

Der Mythos von der guten Castingshow

Sehnsucht nach etwas "Authentischem"

Dieses Element sei bei "DSDS" zunehmend stärker hervorgetreten. Während anfangs der Wettbewerbsgedanke im Vordergrund stand, folgte die Show zunehmend einer von RTL inszenierten Dramaturgie. Aufgefallen sei das den Zuschauern aber erst in dem Moment, wo es eine Alternative gegeben habe. Für den Trendforscher präsentiert sich "The Voice of Germany" in vielerlei Hinsicht als Gegenteil von "DSDS": Das inszenierte Moment sei bei hier zurückgefahren worden. Denn die Zuschauer, so Wippermann, seien inzwischen für solche Inszenierungen sensibilisiert, weil sie vertrauen wollten. Es gebe die Sehnsucht nach etwas "Authentischem". Und genau das bediene die Show. "Bei "DSDS" fühlten sich die Zuschauer dagegen "in eine Freizeitpark-Welt versetzt - mit Bohlen als Animateur", so Wippermann.

Neben der von den Zuschauern als "ehrlich" empfundenen Inszenierung ist es vor allem der humane Umgangston, den die Zuschauer an dem Format schätzten: "Wir befinden uns in einer Situation, wo wir ein Interesse an positiver Harmonie haben", so Wippermann. "Es geht um Respekt."

Das ist allerdings nicht ganz neu: Schon "X Factor" hatte sich einen faireren Umgang mit den Kandidaten auf die Fahne geschrieben. Beim Publikum kam die Show jedoch bei weitem nicht so gut an. Warum das so ist, dafür hat Wippermann eine plausible Erklärung: Sarah Connor sei zu sehr leichtgewicht, "die Glaubwürdigkeit ist bei Nena und Xavier Naidoo weitaus größer." Beide verkörperten in weit höherem Maße Respekt.

Paul Potts und Susan Boyle waren auch keine Schönheiten

Vor allem profitiert "The Voice of Germany" von einem selbst geschaffenen Mythos: Nur hier hätten Sänger eine Chance, die dick und hässlich sind. Immer wieder hört man diesen Satz von Anhängern der Sendung. Dabei zeichnet genau dieser Punkt das Wesen von Castingshows generell aus. So hat "Britain's Got Talent", das Pendant zum "Supertalent", die beiden Sänger Paul Potts und Susan Boyle hervorgebracht - die mit vielem bestechen mögen, jedoch nicht mit ihrem guten Aussehen. Die Sendung profitiert also von ihrem guten Ruf, der in Teilen gar nicht berechtigt ist.

Und RTL? Am 7. Januar startet die neue Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". Wird der Konkurrenzsender nun reagieren und seine Shows dem neuen Trend anpassen? Unterhaltungschef Tom Sänger verweist im Gespräch mit stern.de auf die exzellenten Quoten der bisherigen Staffeln. "'DSDS' und 'Das Supertalent' sind absolute Erfolgsshows mit Spitzenwerten von bis zu 8 Millionen Zuschauer und 40 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen, und das über Jahre hinweg. Wie gewohnt werden wir auch in dieser Staffel die ganze Bandbreite der Kandidaten zeigen, gute und weniger gute Stimmen, eine ehrliche und unterhaltsame Jury, Emotionen, Spaß und 100 Prozent Unterhaltung." Dass derzeit so viel von "Voice of Germany" die Rede ist, dafür hat Sänger eine einfache Erklärung: "Vielleicht gab es einfach zu lange keine Showreihe bei den Kollegen von ProSieben und Sat1, die auch mal in diese hohen Marktanteilsregion gekommen ist."

Von Carsten Heidböhmer
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