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19. Mai 2008, 07:18 Uhr

200 Helfer unter Lawinen verschüttet

Sie sind ihren Landsleuten zur Hilfe geeilt und haben mit dem Leben dafür bezahlt: Bei Aufräumarbeiten im chinesischen Erdbebengebiet sind binnen zwei Tagen mehr als 200 Helfer verschüttet worden. Nicht nur ihnen gilt die dreitägige Staatstrauer im Reich der Mitte.

Helfer bergen eine weitere Verschüttete© Reuters

Wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Peking mitteilte, handelt es sich bei den vermissten Helfern um Straßenarbeiter und Mitglieder anderer Hilfsmannschaften. Die Betroffenen seien durch Schlammlawinen und Erdrutsche verschüttet worden. Diese wurden vermutlich durch schwere Regenfälle und starke Nachbeben ausgelöst, die das Katastrophengebiet am Wochenende heimgesucht hatten.

Unterdessen trauert China um die bis zu 50.000 Opfer des Erdbebens: Mit einer Flaggenzeremonie bei Sonnenaufgang am Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) begann die dreitägige Staatstrauer. Die Nationalfahne und alle anderen Flaggen im Land wehten auf halbmast. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Volksrepublik, dass auf diese Weise für die Opfer einer Katastrophe getrauert wird. Bisher wurde eine solche Staatstrauer nur nach dem Tod von Staatsführern angeordnet. An der morgendlichen Flaggenzeremonie um 4.58 Uhr Ortszeit nahmen laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua rund 2600 Chinesen teil.

Auch der olympische Fackellauf in China wird drei Tage lang unterbrochen. Alle Unterhaltungsaktivitäten im Land sind so lange ausgesetzt. Drei Tage sollen Vergnügungsstätten wie Karaoke-Bars oder Diskotheken ihren Betrieb einstellen. Im Internet mussten alle Spieleseiten oder Unterhaltungsseiten gesperrt und mit Hinweisen auf die Trauer versehen werden. Bei Zuwiderhandlung droht die Schließung der Portale. Alle Suchfunktionen für Musik oder Videos in Suchmaschinen wurden gesperrt. Die großen Webportale erschienen in den chinesischen Trauerfarben Weiß, Schwarz und Gelb und widmeten sich vor allem der Berichterstattung über die Opfer der Katastrophe.

Ausländische Botschaften in Peking hissten ihre Flaggen auf halbmast. In allen chinesischen Botschaften im Ausland lagen Beileidsbücher aus.

Durch das verheerende Erdbeben wird Chinas Wirtschaftswachstum einem staatlichen Medienbericht zufolge dieses Jahr um bis zu 0,7 Prozentpunkte einbüßen. Die jährliche Zuwachsrate werde um 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte schrumpfen, zitierte das "China Securities Journal" Analysten der BOC International China. Ein Ökonom der CITIC Securities wurde dagegen mit den Worten zitiert, es handle sich um eher kurzfristige Auswirkungen, die die Konjunktur im Jahresverlauf nur 0,2 Prozentpunkte kosteten. Später werde die Wirtschaft möglicherweise durch einen massiven Wiederaufbau sogar an Fahrt gewinnen. Chinas Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bislang sind 32.500 Tote bestätigt, doch geht der Krisenstab von mehr als 50.000 Todesopfern aus. Rund 220.000 Menschen wurden verletzt. Mehr als 100.000 Verletzte werden in Hospitälern oder Lazaretten behandelt. Tausende Opfer liegen noch unter den Trümmern begraben. Viele Dörfer in den Bergen sind weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Bergungsmannschaften haben am Sonntag nur noch einige wenige Überlebende gerettet. Eine Frau wurde 150 Stunden nach dem Beben in der Stadt Yingxiu nahe dem Epizentrum im Landkreis Wenchuan geborgen. Doch mussten Retter ihr bei der Bergung die Beine amputieren. Immer neue Nachbeben erschwerten die Hilfsmaßnahmen. In der Stadt Yingxiu wurde auch ein 53-jähriger Mann nach 146 Stunden noch lebend aus den Trümmern gezogen. Mehr als 110.000 Soldaten sind im Einsatz, um Opfer zu bergen oder die Hilfe für die Überlebenden zu organisieren. Die Seuchengefahr wächst. Rund fünf Millionen Menschen sind obdachlos.

Drei Menschen sterben bei Nachbeben

Bei dem schweren Nachbeben der Stärke 6 in der Nacht sind erneut drei Menschen ums Leben gekommen und rund 1000 verletzt worden, berichtete Xinhua. Eine große Zahl Häuser sei eingestürzt. Straßen seien weiter beschädigt worden. Auch seien sechs Brücken eingestürzt. Nach einer Krisensitzung in Peking hat die Regierung angekündigt, dass alle Obdachlosen in den nächsten drei Monaten pro Tag jeweils zehn Yuan (92 europäische Cent) Unterstützung und 500 Gramm Nahrungsmittel bekommen sollen. Die Angehörigen von Erdbebentoten erhalten einmalig 5000 Yuan (460 Euro) Unterstützung.

Die Regierung hat bereits 5,78 Milliarden Yuan (532 Millionen Euro) aus dem Zentralhaushalt zur Verfügung gestellt. Aus dem Inland und Ausland kamen 8,94 Milliarden Yuan (823 Millionen Euro) an Geldspenden oder Hilfslieferungen zusammen. Die für Anfang Juni geplanten nationalen Prüfungen für die Aufnahme in Universitäten werden in 40 betroffenen Landkreisen und Distrikten der Provinz Sichuan auf unbestimmte Zeit verschoben. Studenten, die ihre Eltern verloren oder Behinderungen durch das Beben davongetragen haben, sollen bei einer Aufnahme von Studiengebühren ausgenommen werden und Unterstützung für ihren Lebensunterhalt bekommen.

DPA/AFP
 
 
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