26. September 2007, 05:35 Uhr

Polizeigewerkschaft geißelt Einsatzleitung

Der Polizeieinsatz rund um den G8-Gipfel in Heiligendamm im Sommer ist nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei liederlich geplant und durchgeführt worden. Die Polizisten seien schlecht geführt und schlecht versorgt worden, hat die Gewerkschaft in Berlin beklagt.

Harter Einsatz in Rostock: Handgemenge bei der Demonstration am 2. Juni©

Gravierende Planungsfehler, taktische Fehlentscheidungen und unzumutbare Versorgungsmängel: Der Polizeieinsatz beim G-8-Gipfel in Heiligendamm war aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei schlampig vorbereitet und schlecht ausgeführt. Der Bundesfachausschuss Bereitschaftspolizei der GdP legte am Dienstag in Berlin eine überaus kritische Bilanz vor, die sich in erster Linie gegen das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern richtet. Der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier (CDU), äußerte sich nicht zu der Kritik.

Ich erkenne keine Wasserwerferlage

Rund um das Gipfeltreffen der acht führenden Industriestaaten waren Anfang Juni rund 20.000 Einsatzkräfte aus ganz Deutschland für mehrere Tage in Mecklenburg zusammengezogen worden. Die Polizisten seien während des Einsatzes häufig gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt gewesen, die vermeidbar gewesen wären, wenn es Vorkontrollen gegeben hätte, kritisierten die Experten der Gewerkschaft. Der Vorsitzende des GdP-Fachausschusses, Bernhard Schmidt, sagte der Nachrichtenagentur AP: "Die Art und Weise, wie in Mecklenburg-Vorpommern geführt wurde, war für uns chaotisch und nicht nachvollziehbar." Er sprach von "unkoordinierter Einsatzbewältigung" gerade in der heißen Phase der Auseinandersetzung mit dem gewaltbereiten "Schwarzen Block" der G-8-Gegner. So habe beispielsweise ein Einsatzführer den vom Einsatzkommando angeforderten Wasserwerfer für den Hafen von Rostock mit den Worten abgelehnt: "Ich erkenne hier keine Wasserwerferlage." Der Einsatzführer habe sich einen Kilometer vom Geschehen entfernt befunden. "Solche gravierenden Fehler dürfen nicht passieren", kritisierte Schmidt.

Das Innenministerium schweigt

n einer Notsituation müsse die Führung anders reagieren als mit dem normalen polizeilichen Repertoire. Die Vorwürfe richteten sich in erster Linie an das Schweriner Innenministerium, das bei dem Einsatz federführend gewesen sei, sagte GdP-Sprecher Rüdiger Holecek. Von dort war am Dienstag auch auf mehrfache Nachfragen keine Reaktion zu erhalten. Das Ministerium will am 4. Oktober einen Abschlussbericht zu dem Einsatz vorlegen. Ein weiterer Fall zeigt dem Bericht zufolge die mangelnde Umsicht. Eine zwischen die Fronten sogenannter Autonomer geratene Polizeieinheit habe auf ihren Hilferuf über Funk nur die lapidare Antwort erhalten: "Schlagen Sie sich zum Wasser durch. Dort steht ein Seenotkreuzer".

Konrad Freiberg, GdP-Bundesvorsitzender, kommentierte dies mit den Worten: "Wer solche Funksprüche loslässt, dem mangelt es offenbar an ausreichender Einsatzerfahrung."

Zudem sei die Unterbringung in stillgelegten Bundeswehrkasernen völlig unzureichend gewesen. Teilweise hätten weder Duschen noch Toiletten funktioniert. Das von Catering-Firmen gelieferte Essen sei "größtenteils ungenießbar" gewesen. Bei Dienstzeiten von weit über 20 Stunden dürfe "es keine in Folie eingeschweißten Fleischstücke geben, die aussehen, wie aus der Gerichtsmedizin geklaut", kritisierte Freiberg.

AP
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
waelder (26.09.2007, 09:23 Uhr)
Polizei und Heiligendamm
Ich hatte schon seit Langem den Verdacht, dass die frühzeitige Anmeldung von Demonstration dazu genutzt wird, die Polizisten
"scharf" zu machen. Sie lange von Frau oder Freundin fernhalten, sie miese unterzubringen, sie schlecht zu beköstigen, das scheint nach einem Muster geprägt zu sein, das immer wieder auftaucht.
An der Startbahn West war es am leichtesten einen Polizisten zu provozieren, wenn man, eine junge Frau an der Hand haltend, dem Polizisten sagte, "ich weis wo meine Partnerin heute nacht schläft und mit wem - und Du?"
Wenn dann noch die schlechte Einsatzleitung hinzukommt, dann könnten einen die Uniformierten fast schon leid tun - aber eben nur fast. Denn zu Übergriffen und Gesetzesbrüchen berechtigt das auf keinen Fall.
catchme (26.09.2007, 08:34 Uhr)
Politiker sind alle gleich !
Es ist in dieser Republik überall gleich: Politiker betrachten Polizeibeamte als billige " Verfügungsmasse ", die im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf für das politische Handeln dieser Versager hinhalten müssen. Polizeibeamte sind in den Augen von Politikern nichts wert, sie werden schlecht bezahlt, ausgestattet und noch schlechter geführt, weil die Führungsbeamten bereits gemeinsame Sache mit den Politikern machen. Eigentlich ist ein Politiker es nicht wert, dass ein Polizeibeamter sein Leben für ihn einsetzt - egal ob mittelbar oder unmittelbar !
atride (26.09.2007, 08:29 Uhr)
ach so...
gefühlte 50 millionen bullen, dauer-behelikopterung, tornados, spürpanzer - und der arme staat kommt immer noch nicht klar... also: nix wie weiter aufrüsten!!!!
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