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9. Mai 2008, 07:07 Uhr

UN will Hilfslieferungen fortsetzen

Die Vereinten Nationen (UN) wollen jetzt doch weitere Hilfslieferungen nach Myanmar schicken. Zuvor hatte sich der Streit zwischen den UN und der Militärregierung zugespitzt, weil die Junta Hilfslieferungen beschlagnahmt hatte. Außerdem waren Helfer des Landes verwiesen worden.

Die Militärregierung in Myanmar behält es sich vor, die Hilfsgüter von der Armee verteilen zu lassen© Rungroj Yongrit/DPA/EPA

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen will nach einer vorübergehenden Unterbrechung seine Hilfsflüge nach Myanmar am Samstag wiederaufnehmen. Das WFP habe beschlossen, nun doch wie geplant zwei Hilfsflüge nach Myanmar zu schicken, teilte die UN-Organisation in Genf mit. Gleichzeitig würden die Gespräche mit der Militärregierung über die Verteilung der eingetroffenen, aber noch nicht verteilten Lebensmittel fortgeführt. Kurz zuvor hatte das WFP wegen der "nicht hinnehmbaren Beschränkungen" seiner Hilfslieferungen durch die Militärjunta die Unterbrechung der Flüge bekanntgegeben. Laut WFP-Birma-Direktor Chris Kaye landeten am Freitagmorgen zwei Flugzeuge mit Lebensmitteln in Myanmar, die immer noch nicht entladen wurden.

Zuvor hatte sich der Streit zwischen der Militärjunta und den UN zugespitzt: In einem beispiellosen Affront gegen hatte das Militärregime in Myanmar Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms beschlagnahmt. Die Regierung wies diese Darstellung zurück. Zudem verweigerten die Generäle auch knapp eine Woche nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" ausländischen Helfern die Einreise - auch das ist ein nach UN-Angaben in der Geschichte der humanitären Arbeit noch nie dagewesener Vorgang.

WFP-Sprecher Paul Risley teilte in Bangkok mit, "alle Lebensmittelhilfe und Ausrüstung wurden beschlagnahmt, die wir bislang geschafft haben hinein zu bringen". Es sei unklar, warum die Hilfslieferung - darunter 38 Tonnen energiereiche Kekse - beschlagnahmt worden sei.

Die Verweigerungshaltung der Militärjunta rief in aller Welt Besorgnis und Kritik hervor. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte an die Generäle, so schnell wie möglich die dringend benötigte Hilfe ins Land zu lassen. Merkel nehme "mit großem Unverständnis zur Kenntnis", dass die myanmarische Regierung die Einreise von Hilfsorganisationen blockiere und damit die Situation für die notleidenden Menschen erschwere, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg.

Merkel sei für eine UN-Sicherheitsratssitzung über "Nargis" und die Folgen des Sturms. Nach dem Zyklon vom vergangenen Wochenende kamen mehr als 62.000 Menschen ums Leben oder werden vermisst. Mit der Situation, dass die Regierung keine ausländischen Helfer ins Land lasse, "kann sich die internationale Staatengemeinschaft nicht einfach abfinden", sagte Steg. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an die Junta, die Grenzen zu öffnen und Hilfsorganisationen ins Land zu lassen. Hilfe, etwa die des Deutschen Roten Kreuzes oder des Technischen Hilfswerks, könnte bereits laufen, wenn Visa erteilt wären. "Im Augenblick zählt jede Stunde", sagte Steinmeier.

"Ich verliere die Geduld"

Der UN-Koordinator für humanitäre Aktionen, John Holmes, sagte der französischen Zeitung "Le Monde", er wisse nicht, warum die Behörden ausländischen Helfern und Organisationen den Zugang zur Not leidenden Bevölkerung verhindere. "Ich verliere die Geduld", zitierte die Zeitung Holmes. Aber es gebe keine andere Möglichkeit, als die Verantwortlichen von der Notwendigkeit zu überzeugen, ihre Politik zu ändern. Es gehe um die Versorgung von bis zu 1,5 Millionen von "Nargis" betroffenen Menschen.

Das myanmarische Außenministerium erklärte, man sei zwar dankbar für Versorgungsgüter aus dem Ausland, wolle diese aber selbst verteilen. Am Donnerstag sei in Rangun ein Flugzeug mit Rettungskräften gelandet, die keine Einreisegenehmigung gehabt hätten. Die Maschine sei zurückgeschickt worden. Erst am Donnerstag waren außerdem die ersten Flugzeuge des Roten Kreuzes und des Welternährungsprogramms (WFP) mit Versorgungsgütern in Myanmar gelandet. Amerikanische Militärflugzeuge mit Hilfsgütern wurden weiter abgewiesen.

USA um Luftbrücke bemüht

Bei Botschaften Myanmars in aller Welt seien Visa-Anträge für Katastrophenhelfer gestellt worden, sagte WFP-Sprecher Risley. Bislang sei noch keiner davon genehmigt worden. Die USA bemühen sich dessen ungeachtet um die Zustimmung der Militärregierung für eine Luftbrücke ins Katastrophengebiet. Das Abwerfen von Hilfsgütern ohne Erlaubnis halte er für unwahrscheinlich, erklärte Verteidigungsminister Robert Gates.

Der in Norwegen ansässige Sender "Demokratische Stimme Birmas" veröffentlichte Bilder des Elends im von "Nargis" am schlimmsten betroffenen Irrawaddy-Delta. Auf eine Straße hatte jemand geschrieben "Bitte kommt und helft uns", wie auf dem Video zu sehen war. Wenige Meter weiter stand "Wir haben Hunger".

Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.

Die Redaktion

Die Karte zeigt das Katastrophengebiet in Myanmar, nachdem Zyklon "Nargis" über das Land hinweg gefegt ist. Die rot markierten Gebiete symbolisieren stehende Wassermassen, aufgezeichnet von UNO-Satellit "Modis".

AP/DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 45)
 
horst.pachulke (10.05.2008, 07:14 Uhr)
@ Nuvla: Ich muss Ihnen recht geben.
In SpOn wurden aus Leichen über Nacht Kadaver:
Markus Köhler, 32, Projektleiter bei Humedica, berichtet von schlimmen Geschichten aus dem Krisengebiet: "[...]dass sie schon Kadaver essen müssen und weiß, dass man nichts tun darf."
Es fragt sich dennoch, ob nicht Menschen auch menschliche Kadaver essen müssen, wenn keine tierischen in der Nähe sind.
Da es jedoch keine Bestätigung hierfür gibt, gilt das als Hoax. Es sei denn, das Gegenteil würde verlautbaren.
Link:http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,552593,00.html
master_of_chaos (09.05.2008, 23:27 Uhr)
Wie blöd...
muss man eigentlich sein, um nicht die ersten 1000 Tonnen Hilfsgüter zu vergiften?
Das dürfte ja die Menge sein, welche sich das Regime zuerstmal selbst genehmigt, bevor das notleidende Volk auch nur die Reste von dem Festmahl zu sehen bekommt , wenn überhaupt. Bevor nicht die Machthaber alle selber verrottend in der Gosse liegen , ist jedes Gramm Reis, was dorthin reimportiert wird, Perlen vor die Säue. Wo bitte bleibt ein J.Rambo wenn man ihn braucht?
Bumpinger (09.05.2008, 20:25 Uhr)
Flugzettel abwerfen !
Man müsste über die betroffenen Gebiete Flugzette abwerfen auf denen steht, dass das Ausland umbeding helfen will, aber diese Regierung von Myanmar dies verhindert. So nach dem Motto: "Wir wollen Euch helfen, aber Eure Regierung erlaubt es nicht".
Ich denke dann würde die Regierung blitzschnell umdenken, bzw. es würde helfen, dass sich Bevölkerung gegen die Regierung richtet.
Was meint Ihr von dieser Idee????
Nuvla (09.05.2008, 19:26 Uhr)
horst.pachulke
Ich hoffe, Sie können dies belegen, was da schreiben von den verspeisten Leichen. Woher wissen Sie denn das, wenn doch kein Mensch rein darf ?
Kein Wunder, wenn die Militärs jeden sechsmal anschauen, den sie rein lassen, wenn derartige Schauermärchen verbreitet werden.
feldsalat (09.05.2008, 19:23 Uhr)
@sausewindxxl
Ich denke, eine militärische Intervention gegen die Birma-Junta geht schon wegen der Chinesen nicht. Die haben ja auch jetzt wieder bei der UN ihr Veto gegen eine Verurteilung des Regimes und Protest gegen dieses unsägliche, menschenverachtende Verhalten dieser Verbrecher eingelegt. Höchst unwahrscheinlich, dass sich irgendjemand auf der Welt militärisch so weit aus dem Fenster legt, dass evtl. auch die Chinesen einschreiten - selbst die Amis werden vermutlich davor zurückschrecken ...
Aber ich finds auch schade, dass man solche Machthaber nicht einfach wegputzen kann.
chatahootchee (09.05.2008, 19:07 Uhr)
AUFHOEREN
Mann, Ihr alle auf dieser letzten Seite (horst-paul-albundy-mojo-etc): Geht in's Bett und macht Platz fuer eine Diskussion.
Es ist doch immer wieder, dass einige Leute das Forum nur zum Bloedeln und Beleidigen und Beleidigtsein missbrauchen.
Es ist ja sowas von billig!
horst.pachulke (09.05.2008, 18:31 Uhr)
Gute Nacht heißt es für weite Teile der Bevölkerung Burmas, paulmatz.
Ich möchte nur am Rande darauf hinweisen, dass die bisher angekommenen Flugzeuge, wie auch alle anderen, die noch kommen werden, einzeln genehmigt werden müssen. Was sehr, sehr, sehr lange dauerte. Und dauern wird.
Die Hungernden essen jetzt anscheinend Leichen; das gibt allen Beteiligten noch eine gweisse Zeit. Nur darf diesmal nicht wieder gebummelt werden. Das ist die letzte "Verteidigunslinie" vor dem Massensterben, das damit beginnt, dass diejenigen krepieren (von Sterben möchte ich da nicht reden; das ist zu friedlich als Begriff), die es nicht über's Herz bringen, Menschenfleisch zu essen.
mojo.man (09.05.2008, 18:16 Uhr)
Bitte genau lesen albundy69
albundy69 ich habe nicht geschrieben das Sie paulmaz sind, ich habe es lediglich vermutet. Was beleidigend daran sein soll eine Vermutung zu äußern erklären Sie mir bitte!
Und wenn Sie schon anfangen zu erklären holen Sie doch bitte richtig aus.
Wer stellt "Forderungen um Lebensmittel loszuschlagen"?
Ich finde es nicht verwunderlich, dass sich die Geberländer davon überzeugen wollen das ihre Spenden an der richtigen Stelle ankommen! Das Vertrauen in die Miltärjunta ist auf internationaler Ebene recht gering, was wohl seine Gründe haben wird.
Man sollte sich vielleicht auch mal die Frage stellen, warum technisches Gerät und zugehöriges gut ausgebildetes Personal nicht in das Land darf? Vor was fürchten sich die Militärs? Und kommen Sie jetzt bitte nicht wieder mit Ihrer "politischen Umsturz-Theorie" ohne dazu Quellen zu nennen! Es sprechen zu viele Indizien dagegen, als das Ihnen ein normal denkender Mensch diese Behauptungen aufkaufen würde.
paulmaz (09.05.2008, 18:10 Uhr)
horst.pachulke
Das ist ihr Kommentar auf meine Frage?
Dann gute Nacht
horst.pachulke (09.05.2008, 17:56 Uhr)
@ paulmatz:
Dann strengen Sie mal die Murmel an, die auf ihrem Kopf sitzt (entgegen ersten Gerüchten ist sie nicht alleine dazu da um zu verhindern, dass es ihnen in den Hals reinregnet): Weswegen denken Sie denn, dass verhandelt wird bis zum Abwinken?
Könnte es vielleicht sein, dass jeder der Hiwis weiß, dass sogar eine absolut beschissene Regierung wie die in Burma in so einer Situation besser ist als keine Regierung.
Was die Herrschaften gerade anzetteln erinnert an einen gewissen PolPot.
Und linksextremisische Paranoia, die den redhten Rand wieder erreicht hat, leben Sie bitte bei einem Psychoanalytiker Ihrer Wahl aus. Es ist nicht gut, damit andere Menschen zu vergiften.
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